Gründung des KZ
1940 entdeckte ein SS-Geologe am Struthof rosa Granit, der von den NS-Größen für Prestigeprojekte heiß begehrt war. Es wurde beschlossen, in der Nähe ein KZ zu errichten und den Abbau und Verkauf des Granits einer SS-Firma zu übertragen. Im Frühjahr 1941 errichteten KZ-Häftlinge Baracken, Lagerwege usw. Das Lager befand sich an einem Hang in 800 Meter Höhe und war den kalten Winden ausgesetzt. Es wurde im November 1944 geräumt und nach Guttenbach/Neckar verlegt, kurz darauf von den Alliierten befreit.

 

Elektrozaun um das Lagergelände; © Martin Graf

 

Galgen im Lager; © Martin Graf


Die KZ-Häftlinge
Im Hauptlager waren von 1941-1944 etwa 10.000 Menschen eingesperrt, vor allem Oppositionelle und Widerstandskämpfer aus den von Nazideutschland besetzten europäischen Ländern. Darunter waren viele „Nacht und Nebel“-Gefangene, über deren Schicksal niemand informiert und die besonders harten Bedingungen unterworfen wurden. Sie mussten im Steinbruch arbeiten, mit primitiven Werkzeugen. Infolge der harten Arbeit, der unzureichenden Ernährung und der widrigen Wetterverhältnisse starben etwa 40 % der Gefangenen.

Informationstafel zum ehem. Steinbruch

 

Von Hand gezogene Walze

Mordstätte, medizinische Verbrechen
Das KZ wurde auch für Erschießungen genutzt. Mitte August 1944 wurden junge Männer aus Ballersdorf nach einem Fluchtversuch am Steinbruch erschossen, am 1. September 108 Mitglieder des Netzwerks Alliance.

Kiesgrube: Gedenktafel für die Erschossenen aus Ballersdorf

 

Tafel im Krematorium für die 108 erschossenen Alliance-Mitglieder; © Martin Graf



Professoren der deutschen Reichsuniversität Straßburg wurde für ihre sog. medizinischen Experimente KZ Häftlinge als „Menschenmaterial“ zur Verfügung gestellt. Bickenbach,  Haagen und Hirt probierten die Wirkungen von Giftgasen und Gegenmitteln an Häftlingen aus, mindestens 150 kamen dabei qualvoll um. Prof. August Hirt wollte eine „jüdisch-bolschewistische Schädelsammlung“ aufbauen. Im August 1943 wurden 86 Häftlinge (Jüdinnen) aus dem KZ Auschwitz zum Struthof verlegt und in der Gaskammer ermordet, die Leichen wurden nach Straßburg in Hirts Institut geschafft; nach der Befreiung auf dem israelitischen Friedhof in Strasbourg-Cronenbourg bestattet.

Gebäude, in dem sich die Gaskammer befand

 

Tafel mit den Namen der 86 Opfer von Prof. Hirts Menschenversuchen

Außenlager und -kommandos
Das KZ Natzweiler-Struthof hatte 70 Außenlager, einige im Elsass (z.B. Sainte-Marie-aux-Mines und Urbès), die meisten in Baden, Württemberg und Südhessen: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Au%C3%9Fenlager_des_KZ_Natzweiler-Struthof Die Zahl der Nebenlager und der dort Inhaftierten stieg 1943/44 sprunghaft an, als die KZ zunehmend in die Kriegswirtschaft eingespannt und die KZ-Häftlinge immer mehr als Zwangsarbeiter für die Rüstungsindustrie ausgebeutet wurden. 42.000 waren es insgesamt, viele starben wegen schlechter Bedingungen, unzureichender Verpflegung und Versorgung. Die meisten rechtsrheinischen Außenlager bestanden auch nach der Räumung des Hauptlagers fort, einige bis April/Mai 1945.

Prozesse der Hauptverantwortlichen
Nach der Befreiung fanden Prozesse vor französischen Gerichten in Metz, Straßburg und Rastatt sowie vor deutschen Gerichten statt. Die Lagerkommandaten Josef Kramer  und Heinrich Schwartz wurden 1945 bzw. 1947 hingerichtet, Fritz Hartjenstein wurde zum Tode verurteilt und starb in der Haft; Hans Hüttig wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, ebenso Egon Zill, der 1963 freikam.
Die SS-Ärzte Bickenbach und Haagen wurden in Metz zu lebenslänglicher Haft verurteilt, kamen aber 1955 frei. August Hirt flüchtete und beging im Juni 1945 Selbstmord.

Gedenken
Auf dem ehemaligen Lagergelände stehen ein Museum, ein Memorial und das Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers.

Das ehemalige Lagergelände kann besichtigt werden, nur einige Gebäude sind erhalten.

Das Museum ist 2005 - nach zwei Brandanschlägen - neu eröffnet worden. Es ist  in einer ehemaligen Lagerbaracke untergebracht und informiert über Aufbau und Organisation des Lagers, die Häftlinge und ihr tägliches Leben, Terror und Tod, die Außenlager, die medizinischen Experimente.
 
Das Mémorial (Denkmal für die Märtyrer und Helden der Deportation) wurde 1960 von de Gaulle eingeweiht. Hier findet jährlich am letzten Wochenende im Juni eine Gedenkveranstaltung statt.

 

Denkmal für die Helden und Märtyrer der Deportation; © Peter Hammerich

 

Europäisches Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers; © Daniel Osso, CERD


Das Centre Européen du Résistant Déporté (Europäisches Zentrum des deportierten Widerstandskämpfers) informiert über den Widerstand gegen die Nazis in Europa, die Repression und das System der Konzentrationslager. Es ist in dunklen Tönen gehalten und soll ein Ort des Gedenkens sein. Es wird täglich von über 1.000 Menschen besucht, vor allem SchülerInnen, ein gutes Drittel kommt aus Deutschland.

Öffnungszeiten (für Lager, Museum, Zentrum): täglich 9 – 17 Uhr, Mitte April bis Mitte Oktober: bis 18.30; E-Mail: info@struthof.fr; Internet: www.struthof.fr

Literatur/Medien
http://www.cheminsdememoire.gouv.fr/page/affichelieu.php?idLang=de&idLieu=981
http://www.struthof.fr/de/die-gedenkstaette/vorstellung/
http://www.memorialmuseums.org/staettens/druck/88