Im faschistischen Italien gab es bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs keine Konzentrationslager. Regimegegner wurden allerdings in den vorangegangenen Jahren in abgelegene Gegenden und auf Inseln verbannt oder nach politisch motivierten Strafverfahren in Gefängnissen inhaftiert (z.B. Antonio Gramsci). 1939 wurde in der Provinz Matera ein erstes Arbeitslager für Antifaschisten zu deren "Umerziehung" errichtet. Nach dem Kriegseintritt Italiens im Juni 1940 („Achse Berlin–Rom") entstanden etwa 50 Konzentrationslager, in die Angehörige "feindlicher Staaten" eingewiesen wurden, auch zuvor verbannte italienische Oppositionelle, sowie "alle ausländischen und einige italienische Juden (Guerazzi/di Sante, S. 178). Das größte dieser Lager, Ferramonti di Tarsia in Kalabrien, wurde fast zeitgleich mit dem Kriegseintritt Italiens im Sommer 1940 errichtet. Dort waren zwischen 1.500 und 2.000 Häftlinge untergebracht, die große Mehrzahl nicht-italienische Juden. In diesem Lager mit weitgehender Selbstverwaltung gab es Schulen, konnten Familien zusammen leben, die Lebensbedingungen waren mit denjenigen in deutschen Konzentrationslagern nicht vergleichbar.

Bis zum Kriegsaustritt Italiens im September 1943 beachtete Italien bei der Lagerverwaltung die Genfer Konvention von 1929, sodass zahlreiche Lagerkontrollen durch das Rote Kreuz erfolgten. Die nach Beginn der italienischen Besetzung von Teilen Jugoslawiens (ab 1940) gefangen genommenen Jugoslawen wurden jedoch unter unmenschlichen Bedingungen, die denen in deutschen Konzentrationslagern gleichkamen, in Massenlagern (z.B. auf der Insel Rab) festgehalten.

Für die italienischen und die verbliebenen ausländischen Juden änderte sich die Lage mit dem Kriegsaustritt Italiens und dem Beginn der deutschen Besatzung im September 1943 auf radikale Weise. Zunächst kamen inhaftierte Juden im Juli 1943 aus den Lagern frei, auch aus dem großen Lager Ferramonti di Tarsia, das im südlichen, nicht unter deutsche Besatzung gefallenen Teil des Landes lag. Die Gestapo und SS organisierten jedoch ab September 1943  in Mittel- und Norditalien in Zusammenarbeit mit der italienisch-faschistischen Polizei rasch die Inhaftierung der Juden in jeder Provinz (Beispiel: Borgo S. Dalmazzo / Provinz Cuneo) bzw. in den Städten mit großen jüdischen Gemeinden wie Rom, Triest, Genua, Florenz, Mailand, Venedig und Ferrara. Danach erfolgte ab November / Dezember 1943 über die Zwischenstation in Durchgangslagern wie Fossoli und später Bozen-Gries die Deportationen in die deutschen Vernichtungslager, vor allem nach Auschwitz. Triest weicht mit der Funktion des dortigen Lagers in der Risiera di Sabba von dieser Entwicklung dadurch ab, dass dort für die politischen, für jüdische Häftlinge und für gefangene Partisanen ein brutales Haftregime betrieben wurde. Im Krematorium der Risiera wurden die Leichen mehrerer Tausend ermordeter Häftlinge verbrannt.

Die Zeitspanne der deutschen Besatzung von September 1943 bis Mai 1945 war eine Periode der – von der deutschen Besatzungsverwaltung mit Unterstützung der italienischen Salò-Administration betriebenen – Jagd auf Juden. Gleichzeitig war sie eine Zeit wirksamer Rettungs- und Schutzaktionen für Einzelne, für Familien und für ganze Gruppen verfolgter Juden durch Nachbarn, von kirchlicher Seite aus, von Seiten der Resistenza und durch Hilfsnetze in vielen Kommunen (ein herausragendes Beispiel: Villa Emma in Nonantola; ein persönliches Beispiel: Gino Bartali). Die Hilfsbereitschaft gegenüber verfolgten Juden hatte u.a. ihren Grund in der in Jahrhunderten selbstverständlich gewordenen Integration der Juden Italiens, in deren Beteiligung an der liberalen und demokratischen Entwicklung des Landes und darin, dass der italienischen Bevölkerung ein rassistischer Antisemitismus weitgehend fremd war (Delasem; Judenverfolgung in Italien).

Literatur / Medien:
Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden. 4 Bände. Deutsche Ausgabe, Hg. Eberhard Jäckel u.a., München und Zürich 1995, Stichwort Italien; Hilberg, Raul: Die Vernichtung der europäischen Juden, Bd. 2, Frankfurt am Main 1990, S. 702 ff.; Friedländer, Saul, Die Jahre der Vernichtung. Das Dritte Reich und die Juden 1939 – 1945. München 2006, S. 588 ff.; Steinberg, Jonathan: Deutsche, Italiener und Juden. Der italienische Widerstand gegen den Holocaust. Göttingen 1992;  Longhi, Silvano: Die Juden und der Widerstand gegen den Faschismus (1943-1945), Berlin 2010; Amadeo Osti Guerrazzi / Constantin di Sante: Die Geschichte der Konzentrationslager im faschistischen Italien, in: Reichard, Sven / Nolzen, Armin (Hg): Faschismus in Italien und Deutschland. Studien zu Transfer und Vergleich. Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus 21, Göttingen 2005; S. 176 ff.; digilander.libero.it/lacorsainfinita/guerra2/schede/campiebreiitalia.htm; www.gemeinde.bozen.it/cultura_context.jsp?ID_LINK=3544&area=11; de.wikipedia.org/wiki/Risiera_di_San_Sabba; www.deportati.itwww.arsenal-berlin.de/forumarchiv/forum97/f005d.html (zum Film von Peter Voigt: Bella Italia - Zuflucht auf Widerruf (1996); www.campifascisti.it/index.php (mit der Liste aller Lager)