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Dunkerque (Dünkirchen)

Region Hauts-de-France/Nord – Pas-de-Calais, Département Nord
          
Der OrtBelfried mit Totendenkmal; Quelle: Welleschik, Wikipedia CC A-S AU
Stadt mit knapp 90000 Einwohner/innen (2014) an der Kanalküste, großer Güter- und Fährhafen, Industrie (u.a. Stahl, Chemie). Im 17. Jahrhundert von Vauban befestigt. Starke Zerstörungen im 1. Weltkrieg, im 2. Weltkrieg fast total zerstört. Bahnhof. Züge nach Lille, Brüssel, Paris. Mit dem Auto von Lille 79 km (A 25/N 225).

Die Ereignisse
Schlacht von Dünkirchen
Im Mai 1940 drohten die britischen Truppen und frz. Einheiten, durch den schnellen deutschen Vormarsch eingeschlossen zu werden. Sie zogen sich nach Dunkerque zurück. In der ‚Operation Dynamo‘ wurden zwischen dem 26. Mai und 4. Juni 1940 etwa 340000 Soldaten, darunter etwa 120000 frz. und belgische, über den Kanal nach England übergesetzt, die ansonsten von den Deutschen gefangen genommen worden wären. So konnte Großbritannien Luft schöpfen im Kampf gegen NS-Deutschland - trotz intensiver Bombardierung durch die Wehrmacht, durch die ein großer Teil der Hafenanlangen und der Stadt zerstört wurden.
70 Jahre danach wurde dies als die „größte erfolgreiche Rückzugsoperation der Militärgeschichte“ gefeiert, aus einem débâcle wurde ein miracle.

Memorial der Alliierten; Quelle: Wikipedia Musée Dunkerque 1940; Quelle: Tourisme Nord-PdC Einschließung der alliierten Truppen vor Dunkerque (Karte)
Das Mémorial der Alliierten ehrt die bei der Operation Dynamo getöteten alliierten Soldaten: “Im ehrenvollen Gedenken an die Piloten, Seeleute und Soldaten der französischen und alliierten Armeen, die ihr Leben gaben in der Schlacht von Dünkirchen Mai und Juni1940.“ (wenige Meter vom 'Digue des Alliés'). Das Museum Dunkerque 1940 befindet sich in einer Kasematte. Die Operation Dynamo und die Schlacht von Dunkerque werden anhand von Karten, Ausrüstungen und Originalgegenständen erklärt (Rue des Chantiers de France; geöffnet täglich 10-17 Uhr; Eintritt 5 €; email: contact@dynamo-dunkerque.com; Internet: www.dynamo-dunkerque.com).
 
Résistance
Nach der Schlacht um Dunkerque waren  Hafenanlagen und Stadt zu über 90% zerstört. In der - damals noch selbständigen - Gemeinde Rosendaël waren schon 1940 die Widerstandsnetze Zéro-France und Alliance aktiv. Pater Bonpain, Louis Herbeaux und Jules Lanery sammelten militärische Informationen und gaben sie an die Briten weiter: Truppenstärke und -bewegungen, Befestigungen, U-Boote. Die deutsche „Abwehr“ (Militärgeheimdienst) nahm die drei Männer im November 1942 dank eingeschleuster Spitzel fest. Sie wurden vom deutschen Militärgericht zum Tode verurteilt und am 30. März 1943 in der Festung Bondues erschossen.
Denkmal Pater Bonpain, Rosendaël Fort des Dunes (Leffrinkoucke) Gedenktafel acht erschossene Résistants
In den ersten Septembertagen glaubte die Bevölkerung an die baldige Befreiung – es sollte anders kommen. Die Résistance hatte die Parole ausgegeben, sich Waffen durch nächtliche Angriffe auf deutsche Soldaten zu besorgen. Am 4. September attackierte ein Résistant einen deutschen Offizier am hellichten Tag und verschwand im Versteck seiner Gruppe. Kurz darauf griffen die Deutschen an und nahmen acht Widerständler fest. Nach einem summarischen Todesurteil wurde sie zum Fort des Dunes gebracht und am 6. September von einem Peloton erschossen.
 
Gedenken
In Rosendaël erinnert ein Denkmal am Platz vor der Kirche an Pater Bonpain und seine Mitstreiter (Place de l'Abbé Bonpain). Eine Gedenktafel am Haus 12 Rue des Résistants erinnert an die hier festgenommmen und dann erschossenen jungen Männer.
Gedenktafel Erschossene, genweb, G. Vanpoperinghe Resistance-Denkmal
In der Rue des Fusillés ehrt eine Gedenktafel fünf Widerstandskämpfer, die zwischen dem 30. April
1942 und 5. September 1944 von den Deutschen erschossen worden sind, zwei davon in der Festung du Ver Galant in Wambrechies. Das Résistance-Denkmal 'A la Résistance et ses Martyrs' befindet sich im Jardin des Arts, Ecke Place du Général de Gaulle.
 
JStele deportierte Juden udenverfolgung
Die Jüdische Gemeinde hatte 1939 etwa 40 Mitglieder. Sie verließen die Stadt bei Kriegsbeginn, jedenfalls vor der „Schacht von Dunkerque“ in Richtung unbesetztes oder besetztes Frankreich. Dort wurden nach heutiger Kenntnis 34 Männer, Frauen und Kinder aus Dunkerque bei den Razzien 1942 – 1944 von den Deutschen oder frz. Polizei verhaftet und in die Vernichtungslager Sobibor und Auschwitz deportiert und umgebracht.
Gedenken: Eine Stele im Jardin des Arts erinnert „an die aus Dunkerque stammenden Juden, die 1942, 1943 und 1944 auf frz. Boden verhaftet und in die Todeslager deportiert worden sind“.
 
Festung DünkirchenDank an tschechoslowakische Befreier
Die Wehrmacht baute Dünkirchen zur Festung aus. Sie wurde ab Septmeber/Oktober 1944 von kanadischen und später von tschechoslowakischen Truppen unter General Liška belagert. Hin und wieder kam es zu Gefechten. Im Oktober wurden auf Vermittlung des Roten Kreues Gefangene ausgetauscht; etwa 12000 Zivilisten konnten die belagerte Stadt verlassen. Wegen vorrangiger Kriegsziele – Eroberung des Hafens Antwerpen und möglichst schnell im Deutschen Reich – wurde die Front nahezu vergessen. Die deutsche Garnison unter Admiral Frisius gab erst nach der allgemeinen Kapitulation am 9. Mai 1945 auf. Die Stadt war jetzt fast vollständig zerstört.
 
Literatur/Medien
Dejonghe, Étienne/Le Maner, Yves: Le Nord – Pas-de-Calais dans la main allemande 1940-1944, Lille 1999, S. 361f.
Lieb, Peter: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44, München 2007, S. 485-494
Petit Futé: Guide des lieux de mémoire, Paris 2005, S. 216, 217; Ausgabe 2012/2013, S. 154, 155
http://www.persee.fr/doc/rnord_0035-2624_1978_num_60_238_3520 
http://www.lavoixdunord.fr/region/les-fusilles-du-fort-des-dunes-dernier-drame-de-la-ia17b47578n2359645 
http://ghdk-flandre.fr/photos_histoires/Dunkerque_La-d%C3%A9portation-des-Juifs-de-Dunkerque-durant-la-seconde-guerre-mondiale_Jean-Marc-Alcalay_.pdf  
https://fr.wikipedia.org/wiki/Si%C3%A8ge_de_Dunkerque_(1944)
https://fr.wikipedia.org/wiki/Dunkerque