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Villa Emma

Villa Emma heute

Die Villa Emma liegt ca. 2 km außerhalb von Nonantola in Richtung Modena (Via Mavora). Sie wurde 1890 als Sommerresidenz des Komturs Carlo Sacerdoti für seine Frau Emma Coen vom Modeneser Architekten Vincenzo Maestri gebaut. Im Juli 1942 wurde die leer stehende Villa von der jüdischen Hilfsorganisation DELASEM angemietet und nahm eine Gruppe von 41 jüdischen Kindern auf, die von der Berliner Jüdin Recha Freier aus Deutschland und Österreich nach Zagreb gebracht worden war.

Nach der deutschen Besetzung wurden die Kinder vom Leiter der Gruppe Josef Indig Ithai und ihren BetreuerInnen zunächst in das von Italien besetzte Slowenien und von dort – als die Aktivitäten der Partisanen zunahmen – nach Nonantola gebracht. Trotz der 1938 erlassenen Rassegesetze nahm die Bevölkerung die Kinder als willkommenen Teil der Gemeinschaft auf.

 

Villa Emma 1942 (Foto: Fondazione) Alltag in der Villa Emma (Foto: Fondazione) Die Kinder und ihre Betreuer 1942 (Foto: Fondazione)

 Im April 1943 kamen noch einmal 33 Waisenkinder aus Split in die Villa Emma. Beim Einmarsch der deutschen Truppen im September 1943 wurden alle 73 Kinder einschließlich ihrer 13 Betreuer auf Initiative des Arztes Giuseppe Moreali und des Priesters Don Arrigo Beccari von der Stadtbevölkerung versteckt. Als die Gefahr durch systematische Durchsuchungsaktionen immer größer wurde, konnten die Kinder im September 1943 wieder mit aktiver Hilfe von Giuseppe Moreali und Don Arrigo Beccari, mit ihren Betreuern Josef Indig Ithai und Goffredo Pacifici in die Schweiz flüchten. Alle Kinder bis auf den an Tuberkulose erkrankten Salomon Pappo, der von Carabinieri aus der Lungenheilanstalt geholt und nach Fossoli gebracht wurde, überlebten den Holocaust. Goffredo Pacifici wurde mit seinem Bruder Aldo im Dezember 1943 auf einem von ihm organisierten Flüchtlingstransport an der Schweizer Grenze verhaftet. Salomon Pappo und die beiden Brüder Pacifici wurden in Auschwitz ermordet.

Stele auf dem Grundstück der Villa Emma (Foto: Fondazione)

Für lange Zeit geriet diese Rettungsgeschichte in Vergessenheit: zum Teil, weil die Helfer ihre Unterstützung als selbstverständlichen humanitären Akt verstanden, zum Teil weil sie durch den danach einsetzenden Widerstandskampf in den Hintergrund gedrängt wurde.
1965 wurden Giuseppe Moreali und Don Arrigo Beccari von Yad Vashem als "Gerechte unter den Völkern" geehrt. Zwischen den Bewohnern Nonantolas und den ehemaligen Kindern bestehen seither freundschaftliche Verbindungen.

Die Fondazione Villa Emma dokumentiert in einer Ausstellung in italienischer und deutscher Sprache diese Rettungsgeschichte und widmet sich der aktiven Erinnerungsarbeit.


Literatur / Medien:
Voigt, Klaus: (Hg): Joškos Kinder. Flucht und Alija durch Europa, 1940 -1943. Josef Indigs Bericht, Verlag das Arsenal, Berlin 2006; Piccinini, Ombretto / Voigt, Klaus: I ragazzi ebrei di Villa Emma a Nonantola / Die jüdischen Kinder der Villa Emma in Nonantola, Ausstellungskatalog der Fondazione Villa Emma, Nonantola 2005; Indig Ithai, Josef: Anni in Fuga. I ragazzi di Villa Emma a Nonantola, Bologna 2006 (Firenze-Milano 2004); www.fondazionevillaemma.org; http://www.resistenza.de/content/view/56/46/; http://www.berlin-judentum.de/kultur/emma.htm; http://learning-from-history.de/node/4120; http://digilander.libero.it/lacorsainfinita/guerra2/schede/campiebreiitalia.htm