Region Piemont / Provinz Turin

Das Tal
Gedenkstätte am Rifugio TronceaDas piemontesische Val Troncea ist das Quelltal des Chisone. Seit 1980 ist das Tal als Parco naturale della Val Troncea unter Schutz gestellt.  
Von Pinerolo am Eingang zum Val Chisone fährt man auf der SR 23 in Richtung Sestriere bis nach Pragelato (85 km ab Turin). Hinter Traverses zweigt an einem Kreisel die Straße in das Val Troncea ab (90 km ab Turin). Die von den Deutschen 1944 zerstörten Weiler Laval, Seytes und Troncea sind über für jeden gangbare Wanderwege erreichbar. 

Die Ereignisse
Anfang Juni 1944 konnte die Divisione Autonoma Val Chisone unter der Leitung von Maggiorino Marcellin das gesamte Haupttal zwischen Perosa Argentina und Sestriere zur von Partisanen verwalteten befreiten Zone erklären. Das Val Troncea war einer ihrer Stützpunkte; im Weiler Laval und bei der Alpe Roccias befanden sich Krankenstationen.
Diese Partisanenrepublik hatte Bestand, bis die deutschen Truppen mit der großangelegten Durchkämmungsaktion ‚Unternehmen Nachtigall‘– auch durch Luftangriffe auf Pragelato flankiert – Ende Juli 1944 damit begann, das Tal zurückzuerobern. Nach Kämpfen am Assietta-Kamm mussten sich die Partisanen in das Val Troncea zurückziehen. Wenige Tage später setzten die Deutschen den Weiler Laval in Brand, in dessen Pfarrhaus sich die Krankenstation befand; die Weiler Seytes und Troncea waren bereits bei einem früheren Angriff zerstört worden.
Da alle anderen Fluchtrouten versperrt waren, setzten sich die Partisanen in zwei Gruppen über den Monte Barifreddo (3.030 m) und den Col Clapis (2.851 m) in das noch nicht von den Deutschen besetzte Valle Argentera, ganz nah an der Grenze zu Frankreich, ab.

Gedenken
Nach Kriegsende wurde im August 1945 in Troncea eine Gedenkstätte für die Partisanen der Divisione Autonoma Val Chisone ‚Adolfo Serafino‘ errichtet. Sie wurde später erneuert und steht etwas abseits des Rifugio Troncea.
Der Parco naturale della Val Troncea hat Wege im Tal, u.a. zum Colle Clapis; als "Sentieri dei Partigiani" ausgewiesen; an einigen Stellen im Tal, u.a. an der Alpe Mey, befinden sich Informationstafeln zur Partisanenbewegung.

Literatur:
Bade, Sabine und Mikuteit, Wolfram: Partisanenpfade im Piemont. Wege und Orte des Widerstands zwischen Gran Paradiso und Monviso. Ein Wanderlesebuch. Konstanz 2012; Parco Naturale Val Troncea: La Resistenza nell'Alta Valle Chisone e Val Troncea, Pragelato 2005