Region Kreta / Regionalbezirk Chania

Gedenkstätte in FloriaDer Ort
Floria liegt etwa auf halbem Weg zwischen der Nord- und der Südküste Kretas und hat ca. 70 Einwohner/innen.
Zu erreichen ist der Ort von Chania über die New Road in Richtung Kissamos, von der bei Tavronitis in Richtung Paleochora (Südküste) abgebogen wird (45 km ab Chania).

Die Ereignisse
1941
Am 23. Mai 1941 traf während des deutschen Angriffs auf Kreta (siehe: Luftlandeschlacht um Kreta, Operation Merkur) eine deutsche Einheit auf dem Weg nach Paleochora zwischen Floria und Kandanos auf Widerstand. Die Kreter hielten die Deutschen zwei Tage lang auf und konnten so Paleochora und den Abzug der alliierten Soldaten an die Südküste zur Ausschiffung nach Ägypten schützen. Bei den Kämpfen starben bei Floria neun Kreter zwischen 17 und 51 Jahren.
Nach deutschen Angaben wurden zudem 14 Angehörige der 3. Kompanie des Gebirgspionierbatallion 95 getötet. Die deutschen Opfer (an anderen Orten weitere 11) dienten 10 Tage später als Begründung für die totale Zerstörung von Kandanos. Auch Floria wurde teilweise zerstört.

1944
Nachdem am 8. August 1944 südlich von Floria eine deutsche LKW-Kolonne angegriffen worden war, gehörte Floria zu den 13 Orten, die (neben u.a. Anogia, Gerakari, Ano Meros, Vryses, Kria Vrysi, Magarikari) im Rahmen des deutschen Unternehmens Abschiedsfest-Sommernachtstraum während der zweiten Augusthälfte 1944 zerstört wurden.
In der Hiraklioner Zeitung vom 27. August 1944 wurden diese Gewaltakte mit vorausgegangenen Partisanenüberfällen sowie der Unterstützung der Partisanen durch die Bevölkerung der betroffenen Dörfer gerechtfertigt und die wehrlosen Opfer von Massenerschießungen als Banditen und Banditenhelfer dargestellt:
Eine der Gedenkstätten an der Straße nach Kandanos,,Während dieser Zeit wurden ebenfalls 31 deutsche und 7 italienische Soldaten hinterhältig ermordet. Die Bevölkerung der Insel Kreta ist für diese feigen Morde und die anhaltenden Ausplünderungen und für die allgemein nichtfriedlichen Handlungen verantwortlich. Deshalb haben die Besatzungstruppen zurückgeschlagen. Während der Dauer ihrer Gegenmassnahmen wurden Partisanengruppen vernichtet, 10 Dörfer wurden völlig zerstört, da die Einwohner der Dörfer - wie feststeht - mit den Partisanen in Verbindung standen, sie mit Lebensmitteln versorgten oder ihnen Asyl boten. [...] Die Bevölkerung wurde gefangen genommen oder abtransportiert. 489 Griechen wurden durch die Kämpfe umgebracht, einige von ihnen, wie sich herausgestellt hatte, als Partisanen erschossen“ (zit. nach Gilbert, S. 194) .
Britische Beobachter schätzten hingegen die Zahl der Getöteten doppelt so hoch ein.

Gedenken:
Die Gedenkstätten für die Opfer aus Floria
Nur etwas abseits der Straße steht im Dorf ein schlichtes Mahnmal für die Frauen und Männer aus Floria, die zwischen dem 23. Mai 1941 und dem 29. August 1944 in Floria getötet oder hingerichtet wurden.
Entlang der Straße nach Kandanos stehen weitere Gedenktafeln.
 

In bester Nazi-Manier: Die Gedenkstätte für getötete deutsche Soldaten
Bereits 1941 hatte die 5. Gebirgsdivision eine Gedenkstätte für die 14 im Kampf bei Floria getöteten deutschen Soldaten errichtet, deren Tod als Begründung für die Vergeltungsmaßnahme in Kandanos herangezogen wurde. Ein steinernes Halbrelief zeigt in bester Nazi-Manier martialisch Handgranaten schwingende Landser: ,,Gefallen für Großdeutschland am 23.5.1941“.
Die Gedenkstätte der Gebirgsjäger steht heute genau gegenüber der Gedenkstätte für die Opfer aus Floria. Sie wurde Anfang der 1990er-Jahre auf Initiative eines Hauptmanns im Ruhestand der Gebirgsjägerkameradschaft Oberfranken originalgetreu wiederhergestellt, nachdem einige Jahre zuvor die abgebröckelten Schriftzüge durch das Gams-Emblem der Gebirgsjäger ersetzt worden waren.
Die auch in deutscher Sprache ausgeschilderte Gedenkstätte soll die Erinnerung an die Opfer des Krieges wachhalten, wobei jedoch vor allem die gefallenen Wehrmachtssoldaten als Opfer definiert und die ,,Vergeltungsmaßnahmen“ gegen ZivilistInnen durch Angehörige der Wehrmacht nicht thematisiert werden. Gleiches gilt für die umfangreiche Dokumentation des Denkmals, die in der nahen Taverne aushängt.

Literatur / Medien:
Gilbert, Harald: Das besetzte Kreta 1941-1945, Ruhpolding 2014; www.kreta-wiki.de/wiki/Floria; www.gedenkdienst.at/m/index.php?id=835 (Zwei Formen des Gedenkens in Floria); linksunten.indymedia.org/de/node/146429;