Region Piemont / Provinz Alessandria

Cattedrale di San PietroDer Ort
Alessandria ist der Hauptort der gleichnamigen piemontesischen Provinz und hat ca. 85.000 Einwohner/innen. Die Stadt liegt zwischen den Flüssen Tanaro und Bormida unweit des Autobahnkreuzes von A 21 (TurinBrescia) und A 26 (Genua – Gravellona Toce).

Die Ereignisse
Kurz nach dem italienischen Kriegsaustritt am 8. September 1943 marschierten Truppen der deutschen Wehrmacht in Alessandria ein. Sie installierten hier die Militärkommandantur 1014; als Unterkunft für die Soldaten diente die im 18. Jahrhundert erbaute Zitadelle.
Alessandria liegt genau in der Mitte des „Triangolo“ von Genua, Turin und Mailand, dem industriellen Ballungsgebiet Norditaliens, in dem 1944 zusammen über 4,5 Millionen Menschen wohnten, 20 Prozent der gesamten italienischen Bevölkerung. Als Rückgrat der norditalienischen Kriegswirtschaft waren diese Städte für den Machterhalt des Ende September 1943 installierten Marionettenregimes von Salò ebenso wichtig wie für die deutschen Besatzer.

Gedenktafel am Palazzo RossoAuf Provinzebene hatte sich der Widerstand direkt nach dem Einmarsch der Deutschen formiert. Die stärksten Partisanen-Einheiten bildeten sich im Gebiet des schwer zugänglichen ligurisch-piemontesischen Apennin um die Capanne Marcarolo / Benedicta und im Val Borbera. Während der 20 Monate dauernden Besatzung wurden auch von Alessandria ausgehend permanent Durchkämmungsaktionen durchgeführt, um diese „Bandengebiete“ zu „säubern“, in denen viele Anschläge auf die Verbindung zwischen Serravalle Scrivia und Genua verübt wurden. Kleinere Aktionsgruppen der GAP (Gruppi d’Azione patriottica) versuchten, mit Bombenanschlägen, Attentaten und Sabotage militärischer Einrichtungen das Besatzungsregime zu erschüttern.
In der Cattedrale di San Pietro fanden am 28. April 1945 die Verhandlungen über den Abzug der Deutschen statt; einen Tag später erreichten die Allierten Alessandria.


GedenkenGedenktafel an der Piazza Don Soria
Am Bürgermeisteramt, das sich im Palazzo Rosso befindet, ist eine Gedenktafel für 4 junge Männer aus Nizza Monferrato (seit Spätsommer 1944 Sitz der „Repubblica partigiana dell’Alto Monferrato“ 30 km südwestlich von Alessandria) angebracht, die am 11. September 1944 auf dem Platz vor dem Palast – heute: Piazza Libertà – bei dem Versuch, die Polizeikaserne zu stürmen, erschossen wurden. Im Inneren des Palastes steht ein Monument zur Erinnerung an alle 44 Menschen aus Alessandria, die während des Befreiungskampfes starben.
Im Gefängnis an der Piazza Don Soria (Carcere Don Soria) wurden ab 1922 Antifaschisten inhaftiert, die von Sondertribunalen abgeurteilt worden waren. Den deutschen Besatzern diente das Gefängnis zu demselben Zweck: Inhaftiert und gefoltert wurden hier auch politische Gefangene, die später am Turchino-Pass erschossen wurden. Eine Gedenktafel ist an der Außenmauer des Gefängnisses angebracht. Auch an einer Außenmauer der Zitadelle, die auch als Erschießungsort genutzt wurde, ist eine Gedenktafel für Opfer angebracht.


SynagogeDeportation der JudenGedenktafel an der Synagoge
In der gesamten Provinz Alessandria kam es zu Deportationen in Konzentrationslager des deutschen Reichs, wobei dort „der Anteil der deportierten Juden sehr hoch war: denn bei 38 % der 267 namentlich erfaßten Deportierten handelte es sich um Italiener jüdischen Bekenntnisses, die aus rassistischen Gründen Opfer der nationalsozialistischen Deportationsmaßnahmen wurden“ (Klinkhammer, S. 124). Einige Jüdinnen und Juden aus der Stadt Alessandria konnten noch vor der ersten Deportation im November 1943 flüchten, überwiegend in die Schweiz. 27 Menschen – der jüngste war 14, der älteste 85 Jahre alt – gelang dies nicht: Sie wurden, meist über die Lager von Fossoli und Bozen-Gries, nach Auschwitz und Mauthausen deportiert. Keiner von ihnen kehrte zurück.
An der Synagoge erinnert eine Gedenktafel an alle Opfer des Holocaust.

Parco Deportati Ebrei di Alessandria
Etwas zurückgesetzt vom Spalto Marengo befindet sich an einem großen Parkplatz das eingezäunte Areal des „Parco Deportati Ebrei di Alessandria“. Auf einem 13 Meter langen Eisenbahngleis steht einer der Viehwaggons, mit denen die Deportationszüge in die Vernichtungslager rollten. Einige Erklärungstafeln führen in die Thematik ein; im Inneren des Waggons ist eine kleine Multimedia-Ausstellung zu sehen. 

Parco Deportati EbreiDer Park ist von außen einsehbar, aber verschlossen und nur nach Voranmeldung zugänglich (siehe „Einrichtungen“). 

Einrichtungen:
Das Resistenza-Institut der Provinz Alessandria, das Istituto per la storia della resistenza e della società contemporanea in Provincia di Alessandria „Carlo Gilardenghi“ (ISRAL), hat seinen Sitz in der Via dei Guasco 49, 15100 Alessandria, Tel +39 0131 443861; www.isral.it
Voranmeldungen für den Besuch des „Parco Deportati Ebrei di Alessandria“ sind telefonisch möglich, Tel +39 0131 515516.

Literatur / Medien:
Touring Club Italiano (Hg): I Sentieri della Libertà. Piemonte e Alpi occidentali. 1938–1945. La Guerra, la Resistenza, la persecuzione razziale. A cura di Livio Berardo, Mailand 2007, S. 32f. und 188f.; Klinkhammer, Lutz: Zwischen Bündnis und Besatzung. Das nationalsozialistische Deutschland und die Republik von Salò 1943 – 1945, Tübingen 1993; www.isral.it/web/web/storiedel900/_luoghimemoria.htm; www.comune.alessandria.it/flex/cm/pages/ServeBLOB.php/L/IT/IDPagina/1410;