Bezirk Klaipėda (L. Briedis)Der Bezirk Klaipėda mit seiner gleichnamigen Hauptstadt liegt an Litauens Ostseeküste und grenzt im Norden an Lettland und im Süden an die zu Russland gehörende Exklave um Kaliningrad. Sein größerer südlicher Teil umschließt Teile des ehemaligen, bis 1918 zu Ostpreußen gehörenden Memellandes (Klaipėda-Gebiet). Zu den größten Städten des Bezirks gehören neben Klaipėda: Šilutė, Kretinga, Gargždai, Skuodas und Palanga. Die beiden Seebäder Palanga und Neringa sind selbstverwaltete Kurorte. Neringa besteht aus den Gemeinden der kurischen Nehrung. Als diese 1923 durch Annexion an Litauen fiel, entschieden sich nur wenige der überwiegend deutschsprachigen Bevölkerung für die litauische Staatsangehörigkeit, viele wanderten nach Deutschland aus (Litauische Geschichte).

Die Hafenstadt Klaipėda selbst – für Litauen das „Tor zur Ostsee“ – nicht zuletzt auch die weißen Sandstrände ziehen von der Kurischen Nehrung im Süden über das Ostseebad Palanga bis zur lettischen Grenze im Norden viele Touristen an. Die historisch prägenden, schmerzlichen Auseinandersetzungen um die staatliche Zugehörigkeit des ehemaligen Memellandes gehören seit dem Sieg der Sowjetunion über die deutsche Okkupation 1944 und der nachfolgenden Neuordnung der Grenzen nach 1945 der Geschichte an. Die während der deutschen Besatzungszeit auch im Bezirk Klaipėda an Kommunisten und vor allem an der jüdischen Bevölkerung begangenen Verbrechen sind Teil dieser Geschichte. Das erste, von deutschen SS- und Polizeiangehörigen verübte Massaker auf litauischem Boden, dem Juden und Kommunisten zum Opfer fielen, geschah am 25. Juni 1941 in dem zum Bezirk Klaipėda gehörenden Städtchen Gargždai. Dorthin und in andere Dörfer und Städte der Region war die große Mehrheit der jüdischen Bewohner des Memel-Gebiets geflohen, als Nazideutschland die Rückgabe des Gebiets an Deutschland Anfangs 1939 erpresst hatte. Sie wurden nun Opfer der barbarischen deutschen Mordtaten im litauischen Grenzgebiet, in dem sie vergeblich Zuflucht gesucht hatten.

Der heutige Bezirk Klaipėda umfasst nicht nur das ehemalige Memel-Gebiet; es reicht von der Grenze zur russischen Exklave um Kaliningrad auf der Kurischen Nehrung bei Nida bis zur Grenze zu Lettland im Norden. Die einst zahlreiche deutschsprachige Bevölkerung ist nach 1945 fast vollzählig vertrieben worden oder ausgewandert. Mit einer internationalen Konferenz im Sommer 2005 aus Anlass des 400. Geburtstages von Simon Dach, zu der die Universität von Klaipėda Wissenschaftler aus Litauen, Polen und Deutschland eingeladen hatte, und mit der Wiedererrichtung des Denkmals für den aus Klaipėda stammenden Dichter der Barockzeit, zeichnete sich nach vielen schmerzlichen Erfahrungen ein versöhnlicher Wendepunkt in der lange belasteten Geschichtserzählung zum kulturellen litauisch-deutschen Erbe ab.

Literatur / Medien
Atamuk, Solomon: Juden in Litauen. Ein geschichtlicher Überblick vom 14. bis 20. Jahrhundert, hrsg. von Erhard Roy Wiehn, Konstanz 2000, S. 106; Bubnys, Arūnas: Holocaust in Lithuanian Province in 1941, abrufbar unter http://www.docscopic.info/ENG.pdf, S. 36-50; Dieckmann, Christoph: Deutsche Besatzungspolitik in Litauen, Göttingen 2011, Bd.1, S. 111f.; Enzyklopädie des Nationalsozialismus, hrsg. von Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiß, München 2007, S. 638f. 

http://www.bpb.de/stadt-der-zwei-namen (mit weiteren Literaturhinweisen)
http://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/m-o/1298-memel-klaipeda-litauen
http://www.litauen.info/landkarte-litauen/bezirk-klaipeda/ (Abb. Karte / Leidykla Briedis) 
http://lithuaniangenealogy.org/static_db/LT-settlements.php