Bezirk Taurage (L. Briedis)Der Bezirk liegt im Südwesten Litauens, wo er an die russische Exklave um Kalinigrad angrenzt. Er wird diagonal von Südwest nach Nordost von der E 77 durchquert. Der Bezirk umfasst vier Selbstverwaltungsgemeinden – Tauragė, Jurbarkas, Pagėgiai und Šilalė – sowie zahlreiche kleinere Städte und Dörfer. Insgesamt hat der Bezirk ca. 130.000 Einwohner. Neben der Bezirkshauptstadt Tauragė (früherer deutscher Name: Tauroggen) mit etwa 22.600 (2017) Einwohnern sind als größere Städte Jurbarkas mit ca. 13.000 (2010), Šilalė mit ca. 5.500 (2011) und Pagėgiai mit ca. 2.000 (2005) Einwohnern zu nennen. Der Bezirk Tauragė gehörte 1941 beim deutschen Überfall auf die die Sowjetrepublik Litauen, wie die Bezirke Klaipėda und Mariampolė, zu jenem ungefähr 25 km tiefen Grenzstreifen, in dem zwischen dem 22. Juni und Mitte September 1941 das „Einsatzkommando Tilsit“ – Tilsit war auf damals deutschem Territorium eine Grenzstadt an der deutsch-litauischen Grenze – in besonderem Auftrag die Ermordung der dort ansässigen jüdischen Bevölkerung und der litauischen Kommunisten organisierte. Unter der Leitung des Gestapo-Chefs von Tilsit, Hans Joachim Böhme, dessen Stellvertreter Hersmann und mit Hilfe litauischer Polizei- und Freiwilligenkräfte wurden von dem Einsatzkommando in diesem Zeitraum tausende jüdische Männer, Frauen und Kinder sowie eine unbekannte Zahl litauischer Kommunisten umgebracht. Neun deutsche und ein litauischer Täter wurden 1958 im Ulmer Einsatzgruppenprozess wegen Beihilfe zum Mord verurteilt.

Literatur / Medien
https://de.wikipedia.org/wiki/Bezirk_Taurag%C4%97
http://www.litauen.info/landkarte-litauen/bezirk-taurage/ (Abb. Karte / Leidykla Briedis)