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Oliveto Val di Chiana

Region Toskana / Provinz Arezzo

Der Ort
Oliveto ist erreichbar über die SS 73 von Arezzo in Richtung Monte San Savino; nach Überquerung der Autobahn führt eine Abzweigung nach Oliveto.

Eingang zur Villa Oliveto heuteDie Ereignisse
Im Januar 1942 erreichten über 50 Juden als Internierte die Villa Oliveto, heute ein Ganztagskindergarten. Sie gehörten zu jenen Staatsbürgern mit britischem Pass, die von den italienischen Behörden aus Libyen (Nordafrika) im Laufe des Jahres 1941 interniert und nach Italien gebracht worden waren. Obwohl sie nach dem Kriegsaustritt Italiens im September 1943 freigelassen wurden, blieben sie zunächst wegen der unsicheren Lage in der Villa Oliveto. Im Februar 1944 wurden sie von den deutschen Besatzungsbehörden über das Durchgangslager Lager Fossoli in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Nach vier Monaten KZ-Haft kamen sie im Austausch mit Deutschen aus britischer Kriegsgefangenschaft frei.

Gedenken
Das Dokumentationszentrum „Villa Oliveto“ ist nach telefonischer Anmeldung erreichbar. Es befindet sich im Dachgeschoss der Scuola Materna des Ortes und zeigt in zwei Räumen auf ca. 50 Tafeln Dokumente, Fotos und Berichte zur Verfolgung der Juden, zu den drei Lagern Oliveto, Laterina und Aghieri und zu den Deportationen in die deutschen Vernichtungslager.

Informationen: Centro di documentazione sui campi di concentramento in Italia, Via del Chiesino, 70, I-52040 Civitella in Val di Chiana, Tel.+39 0575 445 303, E-Mail biblio@civichiana.it; Ausstellung, Archiv, Bibliothek, Videoarchiv (Interviews mit Zeitzeugen). Nachfolgend drei Abbildungen aus der Ausstellung in der Villa Oliveto.

Jüdisches Viertel in Tripolis Ankunft der libyschen Juden Karte der Internierungslager in der Toscana

Der Deportationsweg der Juden aus Libyen in die Villa Oliveto und nach Bergen-Belsen

„ ... 1941 entschied das »Ministerium für das italienische Afrika«, in Libyen lebende Ausländer zu evakuieren und in Italien zu internieren – Libyen war seit 1911 eine italienische Kolonie. Unter den etwa 7.000 Ausländern befanden sich 870 Juden mit britischer Staatsbürgerschaft. Der Großteil von ihnen wurde von Tripolis nach Neapel gebracht und auf verschiedene Internierungslager in Italien verteilt. Am 16. Januar 1942 kamen 51 von ihnen in der Villa Oliveto an. Sie waren nach der langen Reise in schlechter körperlicher Verfassung, manche mussten sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Eine Schweizer Delegation stellte bei einem Besuch in der Villa Oliveto im Januar 1942 sehr schlechte hygienische Bedingungen fest. Das Essen war ebenfalls nicht ausreichend und die Internierten konnten nur dank der Hilfspakete des Roten Kreuzes überleben. Nach dem Waffenstillstand Italiens mit den Alliierten am 8. September 1943 wurden die Internierten in der Villa Oliveto freigelassen. Da sie sich nun im Lager sicherer fühlten als außerhalb und eine Flucht mit den vielen kleinen Kindern, die im Lager lebten, beschwerlich gewesen wäre, blieben ungefähr 70 Juden aus Libyen freiwillig dort [Anmerkung der Redaktion: die Differenz zur Zahl der ursprünglich 51 Angekommenen wird in dem hier wiedergegebenen Text nicht geklärt]. Als jedoch die deutsche Wehrmacht kurz darauf in Norditalien einmarschierte, wurden die Tore des Lagers wieder geschlossen. Am 5. Februar 1944 wurden die Lagerinsassen über Florenz ins Durchgangslager Fossoli und von dort aus nach Bergen-Belsen deportiert. Nach vier Monaten wurden sie gegen deutsche Kriegsgefangene ausgetauscht.“  (http://www.memorialmuseums.org/denkmaeler/view/691/%C2%BBVilla-Oliveto%C2%AB-%E2%80%93-Dokumentationszentrum-zu-den-Konzentrationslagern-in-Italien)

Literatur / Medien:
www.storiaememorie.it/villaoliveto; http://www.valdichianaretina.com/villa-oliveto-p-53_vis_3_445.html; http://www.storiaememorie.it/villaoliveto/DocumentiScaricabili/PresentazioneLaboratoriDidattici.pdf