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Châteaubriant

Region Pays-de-la-Loire, Departement Loire-Atlantique

Tafel für jeden der Erschossenen (Ausschnitt)

Denkmal in der ehem. Sandgrube

Der Ort
Stadt mit etwa 14.000 Einwohner/innen, an der N 171, ca. 60 km nördlich von Nantes, ca. 55 km südöstlich von Rennes. Die Gedenkstätte liegt an der Route de Laval (D 177 →Pouancé, Laval), etwa 2 km außerhalb des Ortes.

Geiselerschießungen
Am 17. Juni 1940 besetzten deutsche Truppen die Stadt. Am 22. Oktober 1941 wurden als Repressalie für den tödlichen Anschlag auf den deutschen Offizier Karl Hotz 27 Gefangene des Lagers Choisel in der Sandgrube La Sablière bei Châteaubriant erschossen, darunter der 17jährige Guy Môquet und Jean-Pierre Timbaud, weitere 21 in Nantes. Die Geiselerschießungen lösten große Empörung in Frankreich aus.

Gedenken
Am Ort des Geschehens wurden eine große Gedenkstätte und ein Museum errichtet. Denkmal „zu Ehren der Helden von Châteaubriant und der erschossenen Widerstandskämpfer“. Auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris erinnert ein Gedenkstein an die Erschossenen. Das kleine Museum (Musée de la Sablière) ist mittwochs und samstags am Nachmittag geöffnet. Gedenkveranstaltungen jeweils am 22. Oktober.

Literatur/Medien
Grenier, Ferdinand: Ceux de Châteaubriant, Paris 1967
www.amicale-chateaubriant.fr/
www.cheminsdememoire.gouv.fr/de/la-sabliere-sandgrube-der-erschossenen-chateaubriant

Denkmal in Châteaubriant


Auswahl der Geiseln
Nach dem tödlichen Anschlag auf den deutschen Feldkommandanten Karl Hotz ordnete der deutsche Militärbefehlshaber in Frankreich, Otto von Stülpnagel, Geiselerschießungen an. Er übergab dem Vichy-Innenminister, Pierre Pucheu ein Liste mit 100 Namen, aus der er 50 Personen auswählte, die meisten von ihnen Kommunisten. Am 22.10.1941 stellten deutsche Soldaten in der Mitte des Lagers Choisel bei Châteaubriant ein Maschinengewehr auf, um 14 Uhr schlossen sie 27 Männer in der Baracke 6 des Lagers ein. Man gab ihnen ein Blatt Papier – für einen Abschiedsbrief. Um 14.50 Uhr wurden sie zur Sandgrube „La Sablière“ gefahren, dabei sangen sie die Marseillaise und die Internationale. Um 16.10 Uhr waren alle tot, erschossen, darunter Guy Môquet und Jean-Pierre Timbaud. Die Leichname wurden von den Deutschen auf neun Friedhöfe der Umgebung verteilt. 21 weitere Geiseln wurden in Nantes erschossen.

Empörung in Frankreich
Die Geiselerschießung – eine Kollektivmaßnahme ohne Rücksicht auf individuelles Fehlverhalten – löste große Empörung in Frankreich aus. Das beeindruckte auch den Militärbefehlshaber, der um die Politik der Kollaboration fürchtete. Letztlich stellte er die Politik der Geiselerschießungen in Frage und schlug als Alternative u.a. Deportationen vor. Dies wurde ab Frühjahr 1942 auch umgesetzt; die Geiselerschießungen gingen allerdings weiter – jetzt unter Verantwortung des SS- und Polizeiführers Oberg.

Abschiedsbrief von Guy MôquetDenkmal auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris
„Meine liebe Mutter, mein sehr lieber kleiner Bruder, mein lieber Vater.
Ich stehe vor dem Tode. Ich bitte Euch, und Dich besonders liebe Mutter, mutig zu sein. Ich bin es und möchte es ebenso sein wie jene, die vor mir gestorben sind. Gewiss würde ich gerne leben, aber was ich von ganzem Herzen wünsche ist, dass mein Tod zu etwas gut sein möge. Ich hatte nicht Zeit, meinen Bruder Jean zu umarmen, ich habe meine beiden Brüder Roger und Rino umarmt, aber nicht meinen wirklichen. Leider. Ich hoffe, dass alle meine Sachen Dir zugesandt werden, sie werden Serge nutzen, der wie ich hoffe stolz sein wird, sie eines Tages zu tragen.

Dich lieber Vater, dem ich ebenso wie meiner lieben Mutter manchen Kummer gemacht habe, grüße ich zum letzten Mal. Glaube, dass ich mein Bestes tat, um dem Weg zu folgen, den Du mir gewiesen hast. Einen letzten Gruß an all meine Freunde und an meinen Bruder, von dem ich gerne sehe, dass er studiert, und dass er gut studiert, um später ein rechter Mann zu sein.
17 und ein halbes Jahr, mein Leben ist kurz gewesen, aber ich bedaure nur, dass ich Euch verlassen muss. Ich werde mit Tintin und Michels sterben. Mama, worum ich Dich bitte und was Du mir versprechen musst, das ist mutig zu sein und den Schmerz zu überwinden. Ich kann nicht mehr schreiben, ich verlasse Euch alle, alle, Dich Mama, Sésenge, Papa.
Ich umarme Euch mit kindlichem Sinn. Kopf hoch.
Euer Guy, der Euch liebt. Guy.“