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Cervarolo

Region Emilia-Romagna / Provinz Reggio nell'Emilia

Gedenktafel mit den Namen der Opfer

Die Familie Rovali 1943 (Foto: istoreco)

Der Ort
Cervarolo gehört zur Kommune Villa Minozzo. Der Ort liegt ca. 1.000 m hoch im Appenin und hat etwas über 100 Einwohner/innen. Man erreicht ihn über Lugo, Cerrédolo Richtung Civago auf der SP 8.

Das Ereignis
Zwei Tage nach den Massakern im Gebiet des Monte San Giulia (Monchio) überfiel die gleiche Truppe der Panzer-Aufklärungsabteilung „Hermann Göring“ unter dem Kommando von Kurt-Christian von Loeben am 20. März 1944 – unterstützt von italienischen Faschisten – das kleine Bergdorf Cervarolo. Kurz zuvor waren Partisanen durch den Ort gezogen und hatten die Bewohner vor den Deutschen gewarnt. Die Männer versteckten sich daraufhin in den Wäldern, kamen aber zurück, als ihre Frauen sie auf Druck der Deutschen gerufen hatten. Daraufhin töteten die Nazis die Männer auf dem Dorfplatz, plünderten die Häuser, trieben die Tiere aus den Ställen, vergewaltigten die Frauen und setzten das Dorf in Brand. Die Frauen flüchteten mit ihren Kindern. Als sie später zurückkamen, fanden sie nur noch Schutt und Asche vor. Der Älteste der 24 ermordeten Männer war 84, der Jüngste 17 Jahre alt.

Nach der „Operation“ meldete von Loeben: „Vernichtet wurden durch Brand Cervarolo und Civago. 78 Männer wurden erschossen.“ (Schreiber, S. 158)

Ein Familienfoto der Familia Rovali aus dem Frühjahr 1943 zeigt Celso (vorn), Antonio (Mitte hinten) und Italo (ganz rechts), die ein Jahr später beim Massaker ermordet wurden. (Foto mit Genehmigung von Istoreco, Reggio nell'Emilia)

Das Gedenken
Gleich am Eingang des Ortes findet man eine Tafel mit den Namen der Ermordeten und eine Erinnerungstafel in Deutsch und Italienisch.

Zweisprachige Erinnerungstafel Tafel mit Portraits der Opfer

Etwas weiter in einer kleinen Kapelle erinnert ein kleiner Altar mit Fotos an die Männer von Cervarolo.                               

Kriegsverbrecherprozess:
Anfang Juli 2011 ging der jahrelange Prozess gegen die Verantwortlichen für das Massaker in Cervarolo und anderer Dörfer vor dem Militärgericht in Verona zu Ende. Alle Massaker an 400 Zivilisten in den Apenninen, der Emilia und Toskana wurden von dem Gericht als Kriegsverbrechen anerkannt. Sieben der neun Angeklagten wurden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, der deutsche Staat zu einer Schadensersatzzahlung von 22 Millionen Euro. Wie in anderen Prozessen müssen die Verurteilten nicht befürchten, ausgeliefert zu werden, auch die Schadensersatzklage wird ohne Erfolg bleiben (resistenza.de/urteil-im-kriegsverbrecherprozess-von-verona; resistenza.de/prozess-von-verona-erschuetternde-zeugenaussagen)

Literatur / Medien:
Lenzotti, Serena: La Zona Libera di Montefiorino. Luoghi della Resistenza nell'Appennino Modenese-Reggiano, Montefiorino 2009; Schreiber, Gerhard: Deutsche Kriegsverbrechen. Täter, Opfer, Strafverfolgung. München 1996, S. 158; Thöricht, Jens: Kein Vergeben - kein Vergessen: Antifaschistischen Nachrichten (Köln) Nr. 19/2011; www.neues-deutschland.de/artikel/210309.geschichtsarbeiter-in-der-po-ebene.htmlwww.istoreco.re.it (Foto der Familie Rovali), www.neues-deutschland.de/artikel/208878.nur-schmerz-ist-ihnen-geblieben.html?sstr=Cervarolo;
Informationen zum Film „Die Geige von Cervarolo“: www.rosalux.de/fileadmin/ls_sh/dokumente/veranstaltungen_2012/Mai_Piu_web.pdf; maipiufascismo.blogsport.de/; de.wikipedia.org/wiki/Die_Geige_aus_Cervarolo; www.seemoz.de/kultur/die-geige-aus-cervarolo/