Region Lombardei / Provinz Como

Der Ort
Cernobbio ist eine Kleinstadt am Lago di Como mit 6.993 Einwohner/innen (Stand 31. Dezember 2011) und liegt ca. 10 nördlich der Provinzhauptstadt Como. Der Ort ist über die am See entlangführende Strada Statale (SS) 340 erreichbar.

Die Ereignisse
Während der deutschen Besatzung war Cernobbio ein gut bewachtes Sperrgebiet. Im Luxushotel Villa d’Este war ein Luftwaffenhospital untergebracht, die Villa Carminati beherbergte die Grenzbefehlstelle Como West, die Villa Locatelli hatte die SS requiriert und viele Wehrmachtsoffiziere wohnten im Hotel Miralago.

Gedenken

Gedenkpark Luogo della memoria Luogo della memoria

Im Jahr 2001 wurde hinter dem Rathaus von Cernobbio der Gedenkpark „Luogo della memoria“ eingeweiht. Die kleine Grünanlage ist nach Giorgio Perlasca (1910–1992) benannt, von Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt für die Rettung von Juden in Budapest in den Jahren 1944/45. Außer Perlasca werden auf weiteren Gedenktafeln Opfer von Faschismus und NS-Verbrechen geehrt: Widerstandskämpfer, Zeugen Jehovas, Opfer der Vernichtungslager, politisch Verfolgte, Opfer der Foibe-Massaker und die „Schiavi di Hitler“ (Hitlers Sklaven), nach Deutschland deportierte Zwangsarbeiter und Militärinternierte.

Centro di Ricerca „Schiavi di Hitler“ / Fondo I.M.I. Claudio Sommaruga
Das Forschungszentrum „Schiavi di Hitler“ in Cernobbio ist eine Außenstelle des L'Istituto di storia contemporanea „Pier Amato Perretta“ in Como und widmet sich seit 1999 vorrangig der Aufarbeitung des Schicksals der circa 600.000 italienischen Militärinternierten (IMI): Angehörigen der italienischen Armee, die nach dem Kriegsaustritt Italiens  am 8. September 1943 entwaffnet, gefangen genommen und nach Deutschland deportiert wurden. Ohne Zuerkennung des Status der Kriegsgefangenen wurden sie dort zur Zwangsarbeit für die Kriegswirtschaft eingesetzt.

Claudio Sommaruga (1920–2012) wurde 1943 als italienischer Militärinternierter nach Deutschland verschleppt – I.M.I. 750/367 für die Nazis. Nach dem Krieg engagierte sich der Geologe intensiv für die Aufarbeitung des Schicksals der Militärinternierten.

Das Forschungszentrum „Schiavi di Hitler“ betreibt, basierend auf den von Claudio Sommaruga zusammengetragenen Dokumenten, Unterlagen und Zeitzeugenberichten das gleichnamige virtuelle Museum der Deportation: http://www.schiavidihitler.it/homepage.asp

Adresse: 22012 Cernobbio (CO) – via Regina, 5;  Tel/fax 031.306970; E-Mail: info@schiavidihitler.it

Literatur / Medien:
L'Istituto di storia contemporanea „Pier Amato Perretta“: Memoria resistente – Parole, immagini e luoghi della Resistenza Italiana ed europea in provincia di Como, Como 2012; http:// www.schiavidihitler.it , http://www.zwangsarbeit-archiv.de/news/sommaruga-nachruf.html