Schriftgröße A A A

Romans-sur-Isère

Region Rhône-Alpes, Departement Drôme

 

Der Ort
Die Stadt mit 33700 Einwohner/innen an der Isère, ehemals Zentrum der Schuhfabrikation, etwa 100 km südlich von Lyon (A 7/N 532); sie bildet mit Bourg-de-Péage auf der anderen Isère-Seite faktisch eine Doppelstadt. Bahnhof an der Strecke Valence ↔ Annecy. Mit dem Auto von Valence 20 km (N 532).

Blick auf Romans-sur-Isère; Quelle: france-voyages.com Foto von der Blockade des STO-Zugs im Bahnhof Tafel Jean Chapus

Die Ereignisse
Romans-sur-Isère war ab November 1942 italienisch, ab 9. September 1943 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Anfang März 1943 war auf Flugblättern zu lesen, dass am 10. März ein Zug auf dem  Bahnhof erwartet werde, der etwa 300 junge Männer in deutsche Rüstungsbetriebe bringen sollte. Am 10. März gingen hunderte Menschen aus Protest gegen die STO-Zwangsarbeit auf die Gleise und blockierten den Zug. Viele zum STO Rekrutierte konnten aus dem Zug entkommen, einige gingen später in die Maquis.
Nach der alliierten Landung in der Normandie (6. Juni 1944) nahmen die Aktivitäten der Résistance zu. Hunderte junger Männer aus der Stadt und dem Nachbarort Bourg-de-Péage brachen am 9. Juni zum Vercors auf und schlossen sich den Maquis an (vgl. Denkmal in Bourg-de-Péage). 120 von ihnen kamen in den Kämpfen, infolge der Repression durch die Deutschen oder nach Deportation in den KZ um. Viele der Überlebenden schlossen sich neu gebildeten Kampfgruppen der Résistance an und beteiligten sich aktiv an den Befreiungskämpfen. Sie konnten am 22. August 1944  die etwa 200 Mann der deutschen Garnison (meist keine Kampfverbände) überwältigen und zur Kapitulation zwingen.  Einige Tage später kehrte die Wehrmacht aber zurück; am 30. August 1944 wurde die Stadt durch US-Soldaten endgültig befreit.

Totendenkmal Dank an die Résistance für die Befreiung Tafel für 52 senegalesische Schützen

Gedenken
Am Bahnhofsgebäude Bahnsteig 1 befindet sich eine - 2014 erneuerte - Tafel mit einem historischen Foto und dem Text: „Am 10. März 1943 haben hunderte Einwohner/innen von Romans und Bourg-de-Péage die Abfahrt eines Zuges verhindert, der junge Zwangsverpflichtete zur STO-Zwangsarbeit nach Deutschland bringen sollte.“ Eine weitere Tafel ehrt den damaligen Bahnhofsvorsteher Jean Chapus, der seine Kenntnis von der Durchfahrt des Zuges frühzeitig weitergegeben und so die Demonstration ermöglicht hatte.
Während der über einwöchigen Befreiungskämpfe wurden viele Résistants und FFI (Kämpfer der freifranzösischen Kräfte) getötet; zahlreiche Gedenktafeln erinnern daran, vgl. http://www.romanshistorique.fr/romans-sur-isere-qui-etaient-les-personnes-inscrites-sur-les-plaques-commemoratives-de-la-liberation-de-romans Das Totenmal ehrt die umgekommenen Résistants und sowie 52 schwarzafrikanische Soldaten (tirailleurs sénégalais), die sich der Résistance angeschlossen, im Vercors und bei der Befreiung von Romans gekämpft hatten (Place du Champ de Mars, Schmalseite Rue du Puy). Zahlreiche Gräber an der 'Allée du Vercors' auf dem Friedhof ziert das Symbol der Vercors-Maquisards – eine Gemse vor dem Bergmassiv (1 Rue Calixte Lafosse).

Tafel Résistance neben Rathaus Tafel Résistance; Quelle: www.romanshistorique.fr Blick auf Schuh- sowie Widerstandsmuseum

Seit 2010 würdigt eine Gedenktafel neben dem Rathaus die Verdienste der Resistants von Romans und Bourg-de- Péage. Auf dem Text wird die Aktion am Bahnhof (Stoppen des „STO-Zugs“) hervorgehoben; Eine bedeutende Zahl unsere Mitbürger/innen haben sich den Maquis der Umgebung angeschlossen. Zahlreiche waren als 'Pionniers du Vercors' in den camps des Vercors. Drei Kampfgruppen sind in unseren beiden Städten gegründet worden: Die Compagnie Abel … , die Compagnie Daniel... und das Corps Franc Louis Boucher .... Zusammen mit den neu formierten Cuirassiers haben sie Romans im August 1944 befreit. Die Drôme nimmt den zweiten Platz unter den in der Résistance engagierten Departements ein (Parvis des Droits de l'Homme, etwas oberhalb der Place Jules Nadi, kleine Grünfläche neben dem Rathaus).
Das Widerstands- und Deportationsmuseum 'Centre historique de la Résistance en Drôme et de la Déportation' informiert u.a. über Widerstand, die brutale Repression und die Deportation sowie die Befreiung unter Mitwirkung der Resistants. Das Museum ist in einem Seitenflügel des Schuh-Museums untergebracht: Musée International de la Chaussure, Centre Historique de la Résistance, Rue Bistour und Rue Sainte-Marie, 26100 Romans-sur-Isère: contact@resistance-drome.org; http://www.resistance-drome.org; offen in der Hauptsaison Dienstag bis Samstag 10-17 Uhr.

 

Literatur/Medien
ONAC Drôme: Les lieux de mémoire de la seconde guerre mondiale, Valence 2000, S. 5
Petit Futé. Guide des lieux de mémoire, Paris 2005, p. 338; Ausgabe 2012/2013, p. 225
http://www.fondationresistance.org/pages/rech_doc/manifestation-mars-1943-romans-sur-isere-drome_photo2.htm (Stop des STO-Zugs am Bahnhof)
http://www.ajpn.org/commune-Romans-sur-Isere-26281.html
http://www.cheminsdememoire.gouv.fr/fr/musee-de-la-resistance-en-drome-et-de-la-deportation
http://www.romanshistorique.fr/romans-sur-isere-depose-une-plaque-en-memoire-de-la-resistance
http://fr.wikipedia.org/wiki/Romans-sur-Is%C3%A8re