Region Piemont / Provinz Cuneo
 
Der Ort
Die mittelalterliche Kleinstadt Saluzzo liegt ca. 60 km südlich von Turin direkt am Alpenrand, erreichbar auf der A6 (Ausfahrt Carmagnola) und SS 663.

Der jüdische Friedhof von Saluzzo (Foto: Bade)Die jüdische Gemeinde von Saluzzo
Seit Ende des 15. Jahrhunderts leben Menschen jüdischen Glaubens in Saluzzo. Ende des 18. Jahrhunderts siedelten sie sich nach und nach entlang der heutigen Via Deportata ebrei (früher: Via degli Israeiliti) an, wo das jüdische Ghetto entstand. Im Jahr 1832 wurde dort die Synagoge errichtet. Nachdem Juden im Zuge des italienischen Risorgimento im Jahr 1848 ihre Emanzipation erlangt hatten, wuchs die jüdische Gemeinde von Saluzzo zu einer der größten der Provinz. Als angesehene Bürger der Stadt nahmen ihre Mitglieder am gesellschaftlichen Leben teil, beteiligten sich am Ersten Weltkrieg und einige von ihnen waren Mitglieder der faschistischen Partei Mussolinis.

Die Ereignisse
Nachdem ab Mitte der 1930er-Jahre eine breitangelegte antisemitische Pressekampagne sukzessive den Boden für eine Ausgrenzung der Juden gelegt hatte, ließ Mussolini im Juli 1938 das Rassenmanifest (Il fascismo e i problemi della razza) veröffentlichen, das die theoretische Grundlage für die späteren Gesetze darstellen sollte. Darin wurde u.a. behauptet, dass es eine „reine italienische Rasse“ arischen Ursprungs gäbe, der die Juden nicht angehörten. Im August 1938 fand die Zählung der Juden (censimento nazionale degli ebrei) statt, die später den Deutschen für Verhaftungen und anschließende Deportationen in die Vernichtungslager diente.
Gedenktafel für Anna Segre Levi (Foto: Bade)1938 lebten 45 Juden in Saluzzo. Mit den ab September 1938 verabschiedeten Rassegesetzen wurden sie aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen: ihre Kinder mussten die Schulen und Universitäten verlassen, sie verloren ihre Anstellung in öffentlichen Institutionen und die Lizenz zum Betreiben ihrer Firmen. Durch die damit ausgesprochenen Berufsverbote und die Enteignung jüdischen Vermögens wurde ihnen ihre ökonomische Grundlage entzogen. Ihre physische Verfolgung setzte mit der deutschen Besatzung ein, die unmittelbar auf die italienische Waffenstillstandserklärung vom 8. September 1943 erfolgte, als sich Mussolini und seine Komplizen dafür entschieden, die italienischen Juden der deutschen Deportations-Maschinerie auszuliefern und der Gestapo bei der Verfolgung der Juden freie Hand zu lassen. Die in Saluzzo und der gesamten Provinz Cuneo lebenden Juden wurden verhaftet und die meisten von ihnen im Sammellager von Borgo San Dalmazzo interniert. Einige andere, wie die 74-jährige Anna Segre Levi, zunächst nach Turin gebracht, dort verhört und gefoltert, später deportiert. Am 15. Februar 1944 wurden die in Borgo San Dalmazzo Inhaftierten zunächst in Viehwaggons in das Lager in Fossoli gebracht, von wo aus der Weitertransport im August 1944 über Bozen in die Vernichtungslager von Auschwitz und Buchenwald erfolgte. 29 Menschen aus Saluzzo wurden dort ermordet. Der junge Isacco Levi, der sich durch Flucht in die Berge rettete, wo er sich der Partisanenbewegung anschloss, verlor auf diese Weise seine gesamte 13-köpfige Familie.

Gedenken
Tracce del ricordo
Gedenktafeln für die ermordeten Juden  (Foto: Bade)         Im Jahr 2009 wurde in Saluzzo der Tracce del Ricordo eingerichtet: Vor den früheren Wohnhäusern von 21 ermordeten Juden wurden – um die Erinnerung an sie wachzuhalten – 'Stolpersteinen' ähnelnde Gedenktafeln in den Boden eingelassen. 

Spuren der Erinnerung Gedenktafel für Mario Garzino





Jüdischer Friedhof
In der Via Lagnasco befindet sich seit 1795 der jüdische Friedhof der Stadt. Hier wurden für alle in den Vernichtungslagern ermordeten Juden spezielle Gedenktafeln aufgestellt: „Per non dimenticare“, um nicht zu vergessen. Die Synagoge (seit 1964 nicht mehr genutzt) und der jüdische Friedhof können nach Anmeldung in der Tourismuszentrale von Saluzzo besichtigt werden (E-Mail: info@saluzzoturistica.it / Tel. 0175/ 46710 / Fax 0175/ 46718).

Literatur / Medien
Alessio Ghisolfi / Isacco Levi, I Levi di via Spielberg, Asti 2005; http://www.istitutoresistenzacuneo.it/