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Épinal

Region Lothringen (Lorraine), Departement Vosges


Der Ort
Hauptstadt des Departement Vosges, an der Mosel, etwa 88.500 Einwohner/innen. Von Nancy 73 km (N 57); von Metz 133 km (A 31 →Nancy bis Ausfahrt 'A 330 Épinal', dann N 57); von Straßburg 150 km (A 35 →Colmar bis Sélestat, dort N 59 →Saint-Dié/Nancy bis Ausfahrt 'D 32 Épinal').

Die Ereignisse
Die Festungsstadt wurde „erst“ am 22. Juni 1940 eingenommen, sie blieb bis zur Befreiung Ende September 1944 deutsche Garnisonsstadt. In der Kommandatura von Épinal beschloss eine Konferenz unter der Leitung von Generalmajor Erich von Kirchbach die Aktion Waldfest (Aufbau einer Befestigungslinie vor den Vogesen, Abtransport der Bevölkerung, Zerstörung der Dörfer, „verbrannte Erde“).Während der Befreiungskämpfe wurde die Stadt durch Bombardierung und Artillerie teilweise zerstört.
Die deutsche Repression der Résistance und der Maquis verstärkte sich ab Mitte 1944. Épinal war Folter- und Erschießungsort für viele Widerstandskämpfer/innen aus dem Westen des Departements. Aus Épinal wurden über 80 jüdische Menschen in die Vernichtungslager deportiert.



Erschießungsplatz Denkmal zu Ehren der Erschossenen Treppenaufgang Skulptur der Todeslager Tafel „Preis des Freiheitskampfes“ Opfer rassistischer und antisemitischer Verbrechen


Gedenken
Am Place des Déportés im Viertel La Vierge wurde eine Gedenkstätte für die Opfer der deutschen Besatzung errichtet. Vor dem Erschießungsplatz gedenkt das Monument des Fusillés Vosgiens in Form eines hohen Lothringerkreuzes der 72 erschossenen Widerstandskämpfer. Am Treppenaufgang stellen eine Skulptur mit den Namen der NS-Lager und eine Tafel den „Preis, den die Einwohner/innen der Vogesen für die Freiheit erleiden mussten,“ dar: „116 im Kampf gefallene FFI-Patrioten, 386 Erschossene*, 662 Internierte, 3.958 (in die KZ) Deportierte, davon 2.484 nicht aus den Todeslagern zurückgekehrt“ (die im Rahmen des STO und der „Aktion Waldfest“ verschleppten Zwangsarbeiter sind nicht erwähnt). Auf der Tafel eines Gedenksteins ehrt die „Französische Republik die Opfer der rassistischen und antisemitischen Verfolgungen und Menschheitsverbrechen, die unter der faktischen Autorität der 'Regierung des Französischen Staates' (= Vichy-Regime) 1940 bis 1944 begangen wurden“. Die Gedenkstätte ist zu erreichen über die Uferstraße, Rue Gilbert Grandval, Rue Léon Schwab oder Bus 6 vom Hôtel de Ville →La Vierge bis Rue de Menils.

Stele für fünf am 18.9.1944 erschossene FFI-Patrioten Stele für fünf am 18.9.1944 erschossene FFI-Patrioten Stele für einen gefolterten und erschossenen 21-Jährigen Gedenksäule für israelitische Opfer der Nazi-Barbarei Gedenksäule für israelitische Opfer der Nazi-Barbarei


Auf dem bewaldeten Hügel „Bois de la Vierge“ trifft man auf Stelen, die an die Erschießung von Widerstandskämpfern durch Gestapo und frz. Milice erinnern; zu erreichen von der Uferstraße über Rue Gilbert Grandval, Rue Fondation Prud'Homme und Route Général Seré de Rivières.
Am israelitischen Teil des Friedhofs Cimetière Saint-Michel (Haupteingang: Rue Emile Zola Nr. 31) ist den „Israelitischen Opfern der Nazi-Barbarei“ eine Gedenksäule gewidmet. Sie nennt 177 Namen von in den Vernichtungslagern umgekommen jüdischen Menschen aus dem Departement Vosges.

Literatur/Medien
Association des déportés de Mannheim, Saint-Dié – KZ-Gedenkstätte Mannheim-Sandhofen (Hg.): Les hommes de Saint-Dié – Die Männer von Saint-Dié, Herbolzheim 2000, S. 15ff., 19.
http://addiba.free.fr/addi_ba_recit.html
http://fr.wikipedia.org/wiki/%C3%89pinal

 

*) Einer von ihnen war Mohammed (oder Mamadou) Ba-Hadi, gen. Addi Bâ, geboren 1913 im westafrikanischen Guinea. Senegalschütze (vgl. Chasselay) in der französischen Armee, floh aus der Kriegsgefangenschaft, Bauern in Tollaincourt (Vosges) nahmen ihn auf. 1942 kam er in Kontakt zur Widerstandsorganisation Ceux de la Résistance, war am Aufbau des Maquis de la Délivrance beteiligt. Im Juli 1943 wurde er verhaftet und gefoltert. Am 18. Dezember 1943 wurde er zusammen mit seinem Kameraden Marcel Arburger in Épinal-La Vierge erschossen – sie hatten nichts verraten. 2003 wurde er posthum mit der Médaille de la Résistance ausgezeichnet.