Region Piemont / Provinz Turin
 

Mahnmal in Balangero

Der Ort
Balangero, eine Gemeinde mit etwas mehr als 3.000 Einwohnern, liegt nahe Lanzo Torinese am Alpenrand. Circa 30 km nordwestlich von Turin, ist der Ort von dort aus über die Tangenziale Richtung Flughafen Caselle, weiter Richtung „Valli di Lanzo“ auf der SP 2 zu erreichen.

Das Ereignis
In der nahe Balangero gelegenen Mine von San Vittorio – Primo Levi arbeitete dort 1941 als Chemiker und beschrieb sie in „Das periodische System“ – versteckten Männer um Nicola Grosa bereits unmittelbar nach dem Kriegsaustritt Italiens am 8. September 1943 viele alliierte Soldaten, vor allem Engländer, denen die Flucht aus Kriegsgefangenenlagern gelungen war. Zur selben Zeit entstanden die ersten Partisanengruppen in Orten nahe der Bahnstrecke Turin – Lanzo Torinese und formierten sich überwiegend um Antifaschisten mit Bezug zur Arbeiterbewegung, die sich später den Garibaldi-Brigaden anschlossen.

Nach einem Partisanenangriff auf eine italienische SS-Einheit am 26.3.1944 in der Nähe von Balangero, bei dem ein Offizier getötet wurde, überfielen die Faschisten als sogenannte „Sühnemaßnahme“ einige Tage später am 1.4.1944 Balangero und trieben alle männlichen Zivilisten des kleinen Ortes auf dem Platz vor der Dorfschule zusammen. Sie mussten sich in zwei Gruppen aufstellen: auf der einen Seite die verheirateten Männer, auf der anderen Seite die Junggesellen. Aus der Gruppe der Unverheirateten wurden neun Männer ausgewählt und auf der Stelle erschossen. 1951, im Prozess gegen Capitano Tullio Traverso, den Verantwortlichen dieser willkürlichen Erschießung, verteidigte sich dieser damit, dass er von Generalmajor der Waffen-SS Peter Hansen den Befehl erhalten habe, 40 Männer erschießen zu lassen und Balangero niederzubrennen. Traverso wurde zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt, die später auf 12 Jahre herabgesetzt wurde.

Gedenken
„I dieci Martiri“
Zum Gedenken an die willkürliche Erschießung der neun Männer wurde in Balangero ein Denkmal errichtet. Es würdigt „10 Märtyrer“: neben den 9 Opfern der Erschießung am 1.4.1944 auch Albino Bonino, einen aus dem Ort stammenden Garibaldini, der einige Monate später bei einer Kampfhandlung ums Leben kam.
67 Jahre nach dem Massaker verlieh Staatspräsident Napolitano im Jahr 2011 dem Ort die medaglia d’argento al valor civile.

Literatur / Medien:
Boccalatte, Luciano / D’Arrigo, Andrea / Maida, Bruno: 38–45 – Una guida per la memoria. Luoghi della guerra e della resistenza nella provincia di Torino, Istituto piemontese per la storia della resistenza e della società contemporanea ‚Giorgio Agosti‘, Turin 2007, S. 209; Levi, Primo: Das periodische System, München 1987, S. 69-88 „Nickel“.