Einführung

Die flächenmäßig drittkleinste italienische Region Ligurien mit damals ca. 1, 4 Millionen Einwohnern wurde - zusammen mit dem im Norden angrenzenden Piemont - mit dem Kriegsaustritt Italiens am 8. September 1943 zur Geburtsregion des bewaffneten Widerstands (Resistenza) gegen die deutsche Besatzung. Einer der Gründe hierfür lag in der Auflösung der IV. italienischen Armee, deren Angehörige aus dem zuvor italienisch besetzten Teil Südfrankreichs über die Alpen zurückströmten. Sie schlossen sich in großer Zahl auch deshalb dem Widerstand an, weil viele von ihnen hofften, auf diese Weise der Gefangennahme und Deportation durch die Deutschen zu entgehen (Militärinternierte). Zulauf erhielt der Widerstand aus der kriegsmüden Bevölkerung, deren junge Männer sich der Rekrutierung durch das Salò-Regime verweigerten, sich der deutschen Besatzung widersetzten und in den schwer zugänglichen Alpen- und Apennintälern direkt nach Beginn der deutschen Besatzung aktiv wurden. Einer von diesen Männern war der aus Porto Maurizio (Imperia) stammende junge Arzt Felice Cascione, der auch den Text zum in Italien wohl bekanntesten Lied der Resistenza „Fischia il vento" verfasste.
Auf die bereits Anfang 1944 deutlich spürbaren Partisanenaktivitäten reagierte die deutsche Besatzungsmacht mit der Einsetzung von Brigadeführer Willy Tensfeld als „SS- und Polizeiführer Oberitalien-West" für die „Bandenbekämpfung" in den Regionen Lombardei, Piemont und Ligurien. Neben 4 Legionen der GNR (Guardia Nazionale Repubblicana, faschistische Nationalgarde), die ihm in den ligurischen Provinzen Imperia, Savona, Genua und La Spezia zur Verfügung standen, wurden als Strafmaßnahmen auch viele Zivilisten zur Bewachung von Eisenbahnlinien, Nachrichtenverbindungen, Brücken und sonstigen wichtigen Objekten eingesetzt.

Monumento ai Martiri della Resistenza in SanremoEntlang des ligurischen Küstenstreifens folgte nach dem Einmarsch von Wehrmacht und der SS die rasche Etablierung der Militärverwaltung und die Übernahme der Kontrolle über die Rüstungs- und Kriegsproduktion vor allem in Genua und Savona, wo u.a. im Werft- und Rüstungsbetrieb Ansaldi und im Eisenwerk ILVA für die deutsche Rüstungswirtschaft produziert wurde (u.a. U-Boote für die deutsche Kriegsmarine). Die Mitarbeiter dieser Betriebe wurden zum Ziel von Deportationsmaßnahmen, um qualifizierte Arbeiter für die Munitions-, U-Boot- und Panzerfertigung in Deutschland zu erhalten (30.000 Menschen sollten allein aus Genua als Zwangsarbeiter deportiert werden). Während Partisanenformationen vor allem im Hinterland aktiv waren, versuchten kleinere Aktionsgruppen von GAP und SAP (Gruppi d’Azione patriottica, Squadre d’Azione Partigiana) in den Städten mit Bombenanschlägen, Attentaten und Sabotage militärischer Einrichtungen das Besatzungsregime zu erschüttern. Als „Sühnemaßnahmen“ erfolgten willkürliche Verhaftungen und Erschießungen von an den Anschlägen vollkommen unbeteiligten Menschen: So ließ der Chef der Gestapo in Genua, Friedrich Engel, am 19. Mai 1944 59 politische Häftlinge als Rache für einen Bombenanschlag auf das nur von Deutschen besuchte Kino Odeon, bei dem einige Tage zuvor sechs Marinesoldaten getötet worden waren, am Turchino-Pass ermorden. Auch Frauen waren von derartigen Vergeltungsmaßnahmen nicht ausgeschlossen: Nach einem Anschlag in Savona wurden beispielsweise die 28-jährige Friseuse Paola Garelli und die 68-jährige Luigina Comotto, die wegen Verbindungen zur antifaschistischen Frauenorganisation „Gruppo di Difesa della Donna“ bei einer Razzia verhaftet worden waren, am 1. November 1944 ohne vorherigen Prozess hingerichtet. Zu Gewaltexzessen kam es besonders im Bereich der erst im Frühsommer 1944 aus Russland nach Italien verlegten 34. Infanteriedivision. Zwischen Dezember 1944 und März 1945 wurden allein in Albenga über 70 Frauen und Männer, die verdächtigt wurden, Partisanen unterstützt zu haben oder die mit Partisanen verwandt waren, von Angehörigen des I. Bataillon des Grenadierregiments 80 getötet.

Gedenkstätte am Turchino-PassNach der Befreiung Roms und der Hoffnung auf einen zügigen Vormarsch der alliierten Truppen wurde der Widerstandskampf intensiviert und Ligurien in vier operative Kampfzonen eingeteilt. Die militärische Kraft der Resistenza in Ligurien wuchs so stark an, dass bereits im Juli 1944 in abgelegenen Bergregionen wie dem Val Trebbia (Provinz Genua), später auch rund um Pigna (Provinz Imperia), Partisanenrepubliken installiert werden konnten: Von deutschen Besatzern und Mussolinis RSI-Armee vollständig befreite Gebiete, in denen die Partisanen die Macht übernahmen, und eine Selbstverwaltung aufbauten.
Durch diverse Großoffensiven, mit denen Wehrmacht und SS in Zusammenarbeit mit italienischer faschistischer Polizei des Salò-Regimes die „Bandengebiete" durchkämmten, konnten die Besatzer zwar ehemals befreite Gebiete rückerobern, brachten die Widerstandsaktivitäten aber nicht zum Erliegen. So musste die Sicherheitspolizei Mitte Dezember 1944 konstatieren, dass sich die Lage „im Raume von Genua, La Spezia, Chiavari, Savona, Imperia und San Remo [...] in den letzten beiden Monaten vollkommen veränderte. Nicht nur, dass sich die Banden räumlich weiter ausdehnten und wesentlich aktiver wurden, sie erhielten auch Anweisung, ihren Kampf in die Städte zu tragen" (BDS Italien, Wochenbericht für die Zeit vom 24.-30.12.1944, zit. nach Gentile, S. 192).

Nach weiteren von vielen „Sühne-" und „Vergeltungsmaßnahmen“ gekennzeichneten Monaten, auch willkürlich an der Bevölkerung vorgenommenen Massakern wie etwa in Testico noch am 15. April 1945, folgten am 23. April 1945 Partisanen und Teile der Bevölkerung dem Aufruf des CLN zur Einnahme der Städte. Am Abend des 25. April 1945 ergaben sich in Genua die deutschen Truppen unter dem Kommando von Generalmajor Günther Meinhold den Partisanen. Genua gilt als die einzige Stadt Italiens, in der sich die deutschen Truppen direkt den Vertretern des Widerstands ergeben haben.

Einrichtungen:
Der Sitz des koordinierenden Geschichtsinstituts Istituto Ligure per la storia della Resistenza e dell'Età contemporanea (ILSREC) mit Bibliothek und Archiv befindet sich in 16121 Genua, Via del Seminario 16, Tel. 010 5576091, E-Mail: ilsrec@aruba.it; www.istitutoresistenza-ge.it.
Auch die drei weiteren ligurischen Provinzen verfügen über eigene Resistenza-Institute:
In Imperia: Istituto Storico della Resistenza e dell'Eta Contemporanea di Imperia, 18100 Imperia, Via Felice Cascione 86; Tel 0183 650755; E-Mail: info@isrecim.it; www.isrecim.it.
In Savona: Istituto Storico della Resistenza e dell'Età Contemporanea della provincia di Savona (ISREC), Via Maciocio 21, 17100 Savona, Tel. 019 813553, E-Mail: isrec@isrecsavona.it, www.isrecsavona.it.
In La Spezia: Istituto spezzino per la Storia della Resistenza e dell'Età Contemporanea "Pietro M. Beghi", 19126 La Spezia, trasv. via del Popolo 61, Tel. 0187 513295, E-Mail: isr@laspeziacultura.it, www.isrlaspezia.it.

Literatur / Medien:
Contestabile, Osvaldo: Bitterer Frühling - Der Befreiungskampf im westlichen Ligurien, Berlin 1991; Gentile, Carlo: Wehrmacht und Waffen-SS im Partisanenkrieg: Italien 1943–1945, Paderborn 2012; Klinkhammer, Lutz: Zwischen Bündnis und Besatzung: Das nationalsozialistische Deutschland und die Republik von Salò 1943–1945, Tübingen 1993; Ingo von Münch, Geschichte vor Gericht. Der Fall Engel, Hamburg 2004; Krebs, Felix: "Völkerrechtliches Gewohnheitsrecht" - Der Prozess gegen Friedrich Engel aus völker- und kriegsrechtlicher Perspektive. In: La Resistenza, Beiträge zu Faschismus, deutscher Besatzung und dem Widerstand in Italien (2), Erlangen 2003, S.33-35; Touring Club Italiano (Hg.): I Sentieri della Libertà. Piemonte e Alpi occidentali 1938–1945. La guerra, la Resistenza, la persecuzione razziale, Milano 2005; Istituto Ligure per la storia della Resistenza e dell'Età contemporanea (ILSREC): Memoria nella pietra – Monumenti alla Resistenza ligure 1945–1995, Genua 1996; Barco, Luigi/ Ferrazza, Piero: Una pagina della resistenza – La casa dello Studente di Genova, Mailand 2012; Istituto Storico della Resistenza e dell'Età Contemporanea della provincia di Savona (ISREC): Savona in Guerra - Militari e vittime della provincia di Savona caduti durante il secondo conflitto mondiale (1940-’43 / 1943-’45), Savona 2013;


Gedenkorte in der Region Ligurien:

Albenga
Castelvittorio
Costa di Carpasio
Diano Marina
Genua
Imperia
Pietrabruna / Torre Paponi
Pigna
San Bernardo di Conio
Sarzana
Sanremo
Savona
Testico
Turchino-Pass
Val Trebbia

(wird weiter ergänzt)