Region Toskana / Provinz Florenz

Der Ort
Die Kleinstadt Fucecchio liegt ca. 20 km südlich von Montecatini Therme. Die nördlich der Stadt entlang der SP 436 liegenden Sümpfe – Padule (Sümpfe) di Fucecchio – waren im Sommer 1944 Schauplatz eines grausamen Kriegsverbrechens.

Gedenkort in den PaduleDie Ereignisse
Das Gebiet, ein von Kanälen und Gräben durchzogenes, schilfiges Sumpfgebiet am Südufer des Arno, war Zufluchtsort für die Zivilbevölkerung und Rückzugsgebiet von Partisanen. Wegen zunehmender Widerstandsaktivität war es von der Wehrmacht zum „Bandengebiet“ erklärt und nach Zusammenstößen im Juli 1944 (die Deutschen requirierten Lebensmittel, steckten Hütten in Brand, nahmen und erschossen Geiseln) mit einer brutalen „Sühnemaßnahme“ überzogen worden. Sie wurde von einer Kompanie der dort operierenden Panzer-Aufklärungsabteilung am 23. August 1944 vom frühen Morgen bis Mittag mit solcher Grausamkeit durchgeführt, dass am Ende der Aktion mehr als 170 Zivilisten, unter ihnen viele Frauen und Kinder ermordet waren – unter den Opfern waren keine Partisanen.  

Denkmal bei Castel Martini

Gedenken
Ein abgelegener, wenig gepflegter Gedenkort befindet sich direkt im Sumpfgebiet: von Fucecchio in Richtung Montecatini (SP 436, kurz nach dem Ortsausgang von Stabbia nach links abbiegen, am Friedhof vorbei, nach ca. 200 m Feldweg links, nach weiteren 300 m vor einer Brücke und einem gelben Gebäude rechts, dann entlang einer Freizeit-Sportanlage ca. 1 km bis zu zwei kleinen Kanalbrücken). Auf verwitterten Steinen innerhalb der lang gestreckten Gedenkstätte sind die Namen der betroffenen Kommunen zu erkennen.  

 

Tafel mit Namen der Opfer

Ein großes Denkmal, das die Namen und das Alter der Opfer verzeichnet, auch die Namen der Ortschaften, aus denen sie kamen, befindet sich am Ortsausgang von Castel Martini weiter in Richtung Montecatini Therme links von der SP 436 (via Castelmartini), gut sichtbar auf freiem Feld.

Der Mordbefehl für die Untaten in den Padule di Fucecchio kam von Oberst Peter Crasemann, wie das italienische Militärgericht im Prozess gegen den Kommandeur vor Ort, Major Joseph Strauch, feststellte. Strauch, der den Befehl an die eingesetzte Einheit weitergegeben hatte, wurde zu sechs Jahren Haft, Crasemann, Vorgesetzter von Strauch, von einem britischen Militärgericht in Florenz 1947 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. 


Relief am Denkmalschutzlos den MG-Salven preisgegebene Menschen
Zunächst werden die Ortsteile Pratogrande, Capannone und Fattoria der Gemeinde Ponte Buggianese und der Ortsteil Cintolese (Monsummano Terme) am Rande des Sumpfgebiets in Schutt und Asche gelegt, die Bewohner, soweit sie nicht geflohen sind, umgebracht, auch die Kinder. Dann rückt die Abteilung ins Innere des Sumpfgeländes vor, wo man auf etwa dreihundert Zivilisten trifft. Auf der Böschung eines Grabens werden  Maschinengewehre postiert, dann das Feuer auf die hierher geflüchteten, schutzlos dem Maschinengewehr preisgegebenen Menschen eröffnet. Die genaue Anzahl der Opfer ist nicht mehr zu ermitteln:…Im Urteil des Militärgerichts vom 23. September 1948 heißt es, (es) …seien 184 Personen, darunter 63 Frauen und 27 Kinder ermordet worden. Zumindest gesichert ist die Anzahl von 175 namentlich identifizierten Opfern.“ (Andrae, S. 219)

Literatur / Medien:
Friedrich Andrae: Auch gegen Frauen und Kinder, München 1995, S. 217ff.; Gerhard Schreiber: Deutsche Kriegsverbrechen in Italien, München 1996, S.194; Staron, Joachim: Fosse Ardeatine und Marzabotto: Deutsche Kriegsverbrechen und Resistenza. Geschichte und nationale Mythenbildung in Deutschland und Italien (1944–1999). Paderborn 2002, S.101, 189; Simonis, Paolo de: Passi nella memoria. 3. Guida ai luoghi delle stragi nazifasciste in Toscana. 2004, S.159 ff.
http://it.wikipedia.org/wiki/Eccidio_del_Padule_di_Fucecchio
http://resistenzatoscana.org/monumenti/larciano/monumento_dell_eccidio_del_padule_di_fucecchio/