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Oyonnax

Region Rhône-Alpes, Departement Ain

Der Ort
(Industrie-)Stadt, 22580 Einwohner/innen (2013), im Norden des Ain. Bahnhof ↔Bourg-en-Bresse; TGV-Bahnhof in Nurieux (18 km). Mit dem Auto von Bourg-en-Bresse 51 km (D 979 →Nantua, kurz vorher Abzweig A 404 odoer D 984 D →Oyonnax.

Die Ereignisse 
Trotz eines Vichy-Verbots marschierten am 11. November 1943 auf  Vorschlag von Henri Romans-Petit, dem Résistance-Chef des Ain und Jura, etwa 120 Maquisards der Region durch Oyonnax. Sie legten einen Kranz am (alten) Totendenkmal nieder mit der Aufschrift: „Die Sieger von morgen für die Sieger von 1914-1918“. Ziel war, die Präsenz der Résistance zu demonstrieren und der Vichy-Propaganda von den „Terroristen“ entgegenzutreten.Ein Teilnehmer sagte: „Es war eine schlicht  bewegende Zeremonie – wegen des Symbols der 'Sieger von morgen….' Die ganze Bitterkeit unserer Niederlage verflog angesichts dieser Geste der Hoffnung.“ Vgl. auch (Original-)Filmaufnahmen: https://www.youtube.com/watch?v=cFIx1fb4zkA .

Defile der Maquisards 1943 © Collections départementales des Musées de l'Ain Maquisards vor dem Totendenkmal © Collections départementales des Musées de l'Ain

Zunächst reagierten die Vichy- und Besatzungsbehörden nicht. Aber am 11. Februar, 9. April und 19. Juli 1944 war u.a. Oyonnax Ziel der von der Wehrmacht (u.a. 157. Gebirgsjäger-Reservedivision) - teilweise zusammen mit SiPo/SD, SS-Polizeiregiment „Todt“ und frz. Milice -  gegen die Maquis und die Bevölkerung im Ain und Jura durchgeführten Unternehmen 'Korporal' und 'Frühling'. Nachdem die Deutschen - scheinbar endgültig – abgezogen waren, wurde die Stadtverwaltung am 7./8. Juni 1944 abgesetzt und durch ein Direktorium ersetzt, das von der Provisorischen Franz. Regierung (vgl. CFLN) abhängig war (zu einem vergleichbaren Vorgehen vgl. Nantua). Doch die Wehrmacht schlug mit dem Unternehmen 'Treffenfeld' im Juli 1944 zurück. Insgesamt wurden bei den meist sehr brutalen „Durchkämmungsaktionen“ Häuser geplündert und angezündet, 181 Einwohner von Oyonnax in die KZ Mauthausen bzw. Buchenwald deportiert und über 20 Résistants getötet.

Gedenktafel am Place du 11 novembre 1943 Gedenktafel am Haus 10 Rue de la Paix Totendenkmal Tafel am Totendenkmal: 181 Deportierte; Quelle: Université de Lille

Gedenken
Oyonnax wurde 1947 mit der Résistance-Medaille ausgezeichnet.
Gedenktafeln gibt es am Place du 11 Novembre 1943 (nahe der Kreuzung Rue Michelet und Rue Anatole France) - dort hatten die Maquisards einen Kranz am Ehrenmal niedergelegt, und am Haus 10 Rue de la Paix - dort war der Marsch der Maquisards durch Oyonnax beschlossen worden.
Das Totendenkmal, das insbesondere die getöteten Deportierten und Widerstandskämpfer 1940-1945 ehrt, befindet sich im Parc René Nicod/Hof des Maison de la Sécurité /Police municipale, 73bis Rue Anatole France. Das der Straße zugewandte Fresko stellt drei Silhouetten von Soldaten der drei Kriege dar; die Fresken auf der Rückseite sind unterschrieben mit: Opfer der Nazi-Barbarei; Die Résistance greift einen Konvoi an und: Am 11. November 1943 marschiert die Résistance zum ersten Mal durch Oyonnax. Eine Tafel nennt die Zahl der bei den Razzien vom Februar, April und Juli 1944 verhafteten 181 Deportierten.

Stele Chévrier und Perrin Denkmal an 14 FTP-Résistants Stele Marcel Joux (Echallon)

An der Straße D 13 nach Échallon wurden drei Gedenktafeln bzw. Stelen für 1944 von den Deutschen erschossene Résistants aufgestellt: etwa 700 m nach Ortsausgang links eine Stele für die am 14. Juli 1944 erschossenen Résistants Charles Chévrier  und Raymond Perrin aus Oyonnax. Ca. 3,5 km nach dem Ortsausgang in einer Kurve links befindet sich ein Denkmal für 14 FTP-Résistants, die hier – wohl nach dem Waffenabwurf in Échallon - von deutschen Soldaten entdeckt und nach Dortan gebracht wurden. Die Inschrift lautet: „In diesem Wald fielen 14 FTP-Patrioten den Nazis in die Hände. Sie wurden am 19. Juli 1944 im Schlosspark von Dortan zu Tode gefoltert.“ Auf zwei Tafeln werden die Namen der Résistants genannt (am sog. Ravin du Fouget). Etwa 5 km  vom Ortsausgang entfernt steht auf der linken Seite an einer Felswand die Stele für den am 20. (oder lt. Totendenkmal Èchallon am 10.) April 1944 erschossenen Marcel Joux; er hatte den Zwangsarbeitsdienst STO verweigert, war in einem verlassenen Bauernhaus untergekommen und von Milice-Männern entdeckt worden. 

Literatur/Medien
Conseil Général de l'Ain: L'Ain 1939-1945. Chemins de mémoire, Bourg-en-Bresse 2009, S. 22
Dictionnaire historique de la Résistance, Paris 2006, S. 312
Lieb, Peter: Konventioneller Krieg oder NS-Weltanschauungskrieg? Kriegführung und Partisanenbekämpfung in Frankreich 1943/44, München 2007, S. 317 ff., 328ff., 333ff.
Maubourg, Paul: Les mauvais souvenirs. Mémoires d'un orphelin de guerre d'Oyonnax, Oyonnax  2007
Veyret, Patrick: L'histoire secrète des maquis de l'Ain. Acteurs et enjeux (1942-1944), Châtillon-sur-Chalaronne 2010, S. 52ff., 210ff.
http://fr.wikipedia.org/wiki/Maquis_de_l'Ain_et_du_Haut-Jura 
http://www.maquisdelain.org/index.php?r=article&id=9
http://www.fndirp.asso.fr/maquis%20de%20l'Ain.pdf
http://www.lalande2.com/articles.php?lng=fr&pg=486#two (zu Marcel Joux)
http://www.cheminsdememoire.gouv.fr/fr/11-novembre-1943 (dort auch historische Fotos)