Einführung

Die heutige Region Friaul-Julisch Venetien bildete, von gravierenden Grenzverschiebungen nach der deutschen Kapitulation 1945 und von späteren internationalen Grenzregelungen insbesondere zwischen Italien und Jugoslawien abgesehen, während der deutschen Besatzungszeit 1943–1945 den größten Gebietsteil der „Operationszone Adriatisches Küstenland“.

Operationszone Adriatisches Küstenland
Hitler hatte nach dem 8. September 1943, dem Tag des Kriegsaustritts Italiens und des Besatzungsbeginns, die Herauslösung von zwei sog. Operationszonen aus dem deutschen Besatzungsgebiet, das kurz darauf „Staatsgebiet“ des italienisch-faschistischen Salò-Regimes werden sollte, angeordnet. Dies betraf im Wesentlichen die heutige Region Trentino-Südtirol als „Operationszone Alpenvorland“ und das weit nach Slowenien reichende Gebiet der „Operationszone Adriatisches Küstenland“, das außer Friaul-Julisch Venetien weite Teile des ehemaligen italienischen Besatzungsgebiets in Slowenien von Ljubljana bis Fiume, dem heutigen kroatischen Rijeka, umfasste. Triest war zentraler Verwaltungssitz. Beide „Operationszonen“ waren für eine spätere Angliederung an das „Großdeutsche Reich“ vorgesehen, das italienische Salò-Regime hatte dort praktisch keine Befugnisse. Der deutschen Kriegsführung ging es um die strategische Sicherung der Land- und Seeverbindung zwischen der Balkan- und Italienfront, nicht zuletzt um die Bekämpfung der slowenisch-jugoslawischen Partisanen, aber auch um die „Säuberung“ des Gebiets von Juden und um den Raub von deren Vermögen. Für diese Ziele wurden erprobte Kräfte der deutschen Mörder-„Elite“ eingesetzt: den militärischen Part übernahm General Ludwig Kübler, der für seine Brutalität bekannte Chef der 1. Gebirgsjägerdivision; die zivile Besatzungsverwaltung wurde dem Gauleiter von Kärnten, Friedrich Rainer, nun Oberster Kommissar der Operationszone, übertragen; Odilo Globocnik, aus Triest stammender Leiter der „Aktion Reinhardt“, der zuvor im annektierten Polen die Ermordung von nahezu zwei Millionen jüdischen Opfern in den Lagern Belzec, Treblinka und Sobibor organisiert hatte, wurde oberster SS- und Polizeichef und brachte in Menschenjagd und Massentötung erfahrene Spezialisten, nämlich Organisatoren der „Krankenmorde“ im  Rahmen der Aktion T4 und der Massenmorde in den Vernichtungslagern und Ghettos Mitteleuropas, mit nach Triest (Christian Wirth). Friedrich Rainer versuchte, mit seiner Besatzungspolitik dem vorgesehenen Anschluss an das „Reich“ mit brutaler Gewalt, mit SS-Propaganda und unter Missbrauch der friaulischen Brauchtumstradition vorzugreifen. Er förderte dabei jede Kollaborationsbereitschaft unter Ausnutzung der existierenden Konflikte zwischen den ethnischen Minderheiten der Slowenen und Italiener und deren jeweiligen Partisanenverbänden.

Jagd auf Juden und Partisanen
Globocnik organisierte die Deportation der Juden in der Operationszone – vom der ersten Deportation im Dezember 1943 nach Auschwitz bis zu den letzten Transporten im November 1944 von Triest nach Bergen-Belsen und Ravensbrück. Nahezu 1.200 jüdische Opfer gelangten von hier aus in die Vernichtungslager (Triest Risiera di San Sabba).
Der in Friaul von den Garibaldi- und den liberalen Osoppo-Partisanen getragene Widerstand war so erfolgreich, dass vor allem nördlich von Udine vorübergehend „befreite Zonen“ entstanden. Schon im November 1943 wurde deshalb die gesamte Operationszone zum „Bandengebiet“ erklärt (Bandenbekämpfung). Die aus Friaul über den Passo della Mauria in die Provinz Belluno sowie die über den Naßfeld-und Plöckenpass ins Reich führende Verbindungsstraße waren für die Deutschen praktisch nicht mehr passierbar. Das Hinterland von Görz ging im Frühjahr 1944 wieder in Partisanenhand über, die Provinzhauptstadt Görz war durch italienische und slowenische Partisanenverbände zeitweise hermetisch abgeschlossen.
Die Jagd auf die italienischen und slowenisch-jugoslawischen Partisanen organisierte ein Stab unter Globocniks Befehl. Beteiligt waren neben SS, Polizei, Wehrmacht und antikommunistischen „Selbstschutzverbänden“ auch die Waffen-SS-Truppe der „Karstjäger“, die das wahrscheinlich letzte, besonders grausame Kriegsverbrechen am 2. Mai 1945 in Avasinis nördlich von Udine mit über 50 Mordopfern verübt haben. Diese Verbände wurden von über 20.000 Angehörigen ukrainischer und Kosakeneinheiten verstärkt, die zur Partisanenbekämpfung mit eingesetzt wurden und bei Racheaktionen gegen die Zivilbevölkerung besonders rücksichtslos zu Werke gingen.
Höhepunkt des Widerstandes in Friaul bildete die von den vereinigten Partisanen zusammen mit der Bevölkerung von Juli bis Oktober 1944 gehaltene Partisanenrepublik Carnia, die sich aus 40 Gemeinden mit 80.000 Bewohnern zusammensetzte. Zum Inbegriff des Besatzungsterrors in der Operationszone wurde dagegen der Schreckensort der Risiera di San Sabba in Triest.

Literatur / Medien:
Fransecky, Tanja von / Rudorff, Andrea / Schneider, Allegra / Stracke, Stephan (Hg.): Kärnten, Slowenien, Triest. Umkämpfte Erinnerungen. Bremen 2010, S. 173 ff.; Wilhelm Baum (Hrsg.): Das Buch der Namen. Die Opfer des Nationalsozialismus in Kärnten, Klagenfurt u. a. 2010, S. 232–252; Roland Kaltenegger: Operationszone „Adriatisches Küstenland“. Der Kampf um Triest, Istrien und Fiume 1944/45, Graz / Stuttgart 1993; Benz, Wolfgang, Graml, Hermann, Weiß, Hermann (Hg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus.Neubearbeitung. München 2007, S. 351; Wedekind, Michael: Nationalsozialistische Besatzungs- und Annexionspolitik in Norditalien 1943 bis 1945, München 2003; Marco Pirina: Udine 1943–1945. La lunga notte nella provincia, Teil 4 Adria storia, Centro studi e ricerche storiche Silentes loquimur 1998; Umberto Paviotti: Udine sotto l'occupazione tedesca. Pagine di un diario. 1943–1945, a cura di Tiziano Sguazzero, Udine 2009; de.wikipedia.org/wiki/Friaul-Julisch_Venetien; de.wikipedia.org/wiki/Operationszone_Adriatisches_K%C3%BCstenland

(wird weiter ergänzt)