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Bordeaux

Region Aquitanien (Aquitaine), Departement Gironde

Der Ort
Bordeaux, ca. 237.000 Einwohner/innen, Hauptstadt der Region Aquitanien und des Departements Gironde, an der A 10 Paris →Spanien und der A 89 →Lyon. Bordeaux war seit 1940 besetzt; für die Deutschen interessant wegen des strategisch wichtigen Hafens und als Handelsplatz der berühmten Weine. Die Repression des Widerstands war brutal. Die Kollaboration Vichys bei der Judendeportation war Gegenstand des Papon-Prozesses in den 1990er Jahren.

Strategisch wichtige Hafenstadt
Über den Hafen brachten „Blockadebrecher“ 200.000 Tonnen wichtige Güter für die deutsche Kriegsmaschinerie. Die Deutschen setzten alles daran, den Hafen zu sichern. 1942 begannen die Arbeiten, 70 Bunker wurden gebaut, der U-Boot-Hafen ausgebaut, unterstützt von massiver Kollaboration der Stadtverwaltung. Zehntausende zivile Arbeitskräfte wurden bei der Organisation Todt und der Wehrmacht eingesetzt, zusätzlich tausende spanische Republikaner zwangsverpflichtet. Bei Annäherung der alliierten Truppen wurden Hafen und Werft vermint. Die Sprengung verhinderte der deutsche Leutnant Heinz Stahlschmidt, der das Gebäude mit den Sprengladungen in Brand setzte.
http://www.petergaida.de/Atlantikwall/deutsch/stadtbordeaux.htm
http://www.petergaida.de/Atlantikwall/deutsch/rotspanier.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Stahlschmidt

Turm der ehem. Festung Fort du Hâ

Repression, Militärgefängnis im Fort du Hâ
Die Repression durch die deutschen und Vichy-Behörden war brutal. Als am 21.10.1941 der deutsche Kriegsverwaltungsrat Reimers bei einem Attentat umkam, wurden 7.000 Personen vorgeladen und verhört, der/die Täter aber nicht gefunden. Daraufhin wurden 50 kommunistische Geiseln aus dem Fort du Hâ geholt und in Souge erschossen.
Die Festung war im 15. Jahrhundert errichtet worden, nachdem die Region an die englische Krone gefallen war. In der Zeit der deutschen Besatzung (ab Juni 1940) wurden die Türme als Gefängnis genutzt. Zahlreiche Widerständler, Kommunisten, Juden, Geiseln und Oppositionelle wurden hier eingekerkert, viele später deportiert. Fast 300 wurden in das Lager Souge überstellt und dort erschossen.
http://fr.wikipedia.org/wiki/Ch%C3%A2teau_du_H%C3%A2


Justizpalast, Ort des Papon-Prozesses

Judendeportationen, Papon-Prozess
Bordeaux hatte eine alteingesessene jüdische Gemeinde. Auf deutschen Befehl und mit Hilfe der Vichy-Regierung und ihres hohen Beamten Papon wurden von 1942 bis 1944 etwa 1.600 jüdische Männer, Frauen und Kinder über Drancy in die Vernichtungslager deportiert, nur etwa 30 überlebten. Nach über 15-jährigen Ermittlungen verurteilte das Schwurgericht in Bordeaux Papon 1998 wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschheit zu 10 Jahren Haft. Im Prozess spielte auch die Kollaboration und Mit-Verantwortung der Vichy-Regierung eine Rolle. Papon wurde 2002 aus der Haft entlassen und starb 2007. Ort des Prozesses war der Justizpalast (Palais de Justice): Place de la République, Tram A, Palais de Justice.
http://www.kj.nomos.de/fileadmin/kj/doc/1999/19991Unterhinninghofen_S_94.pdf
http://www.matisson-consultants.com/affaire-papon (Prozessdokumente, frz.)

 

Museum Centre Jean Moulin Gedenkstein für die Widerstandskämpfer Gedenktafel für die durch Vichy rassistisch und antisemitisch Verfolgten

Gedenken
Das Museum „Centre Nationale Jean Moulin“ zeigt viele Dokumente zur Besatzung, zum Widerstand und der Deportation in der Region: Place Jean Moulin (neben Rathaus und Kathedrale); Tram A oder B ‚Hôtel de Ville’; offen Dienstag bis Sonntag nachmittags; www.cheminsdememoire.gouv.fr/de/jean-moulin-zentrum, E-Mail: cnjm@mairie-bordeaux.fr
Neben dem Turm des Fort du Hâ befindet sich ein Gedenkstein. Auf den Tafeln wird der in der Deportation umgekommen Freiheitskämpfer und Juden gedacht. Reste der Festung befinden sich auf dem Gelände der Justizhochschule „École nationale de la Magistrature“ (Eingang 10, rue des Frères Bonie/Rue du Maréchal Joffre; Tram A ,Palais de Justice'). Am Empfang Genehmigung zur Besichtigung erbitten.