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Bezdonys

Region Vilnius

Der Ort
Bezdonys, ein kleiner Ort mit ca. 850 Einwohnern (2001) liegt ca. 25 km nordöstlich von Vilnius. Man erreicht ihn von dort aus auf der Straße 102 Richtung Nemenčinė. Dort weist ein Straßenschild nach Bezdonys, dem man auf der Straße Nr. 5206 folgt.

Die Ereignisse
Von August 1941 bis Juli 1943 bestanden im Torfmoor Buzaraistis in der Nähe von Bezdonys und in dessen weiteren Umgebung mehrere Zwangsarbeitslager zur Gewinnung von Torf eingerichtet. Von Beginn an bis zu der Liquidierung des Lagers bei Bezdonys waren dort Juden aus Vilnius , in den ersten Monaten jedoch auch sowjetische Krieggefangene eingesetzt. Im Zeitraum 1941/1942 sind vermutlich weit über 20.000 den von der Wehrmacht zu verantwortenden, unmenschlichen Haftbedingungen zum Opfer gefallen, wie 1944 aufgefundene Massengräber gezeigt haben.

Gedenkstätte I für Sowjetische Kriegsgefangene Tafel mit Inschrift Gedenkstätte II für Sowjetische Kriegsgefangene

 

Gedenkort für jüdische Opfer

Im Frühjahr/Frühsommer 1943 drang die SS-Sicherheitspolizei darauf, wegen der zunehmenden Aktivität der sowjetischen Partisanen und der immer wieder gelingenden Flucht jüdischer Zwangsarbeiter die außerhalb von Vilnius liegenden Arbeitslager aufzulösen. Am 9. Juli 1943, einen Tag nach der Liquidierung des Torflagers in Kalveliai, erschienen Angehörige der SS-Sicherheitspolizei und Brunon Kittel vom „Judenreferat“ der Gestapo in Vilnius im Lager bei Bezdonys. Kittel versammelte die Lagerinsassen in einer Baracke, während SS und litauische Hilfstruppen das Lager umstellten. Einer Gruppe von zehn Männern wurde befohlen, in der Nähe des Lagers eine Grube auszuheben. Die anderen mussten sich in zwei Reihen aufstellen und ihre Wertgegenstände abgeben, bevor sie wieder in eine Baracke getrieben wurden. Anschließend sollten sie in Zehnergruppen zu der ausgehobenen Grube gehen. Als die Gefangenen dieser Aufforderung nicht folgten, wurde die Baracke mit Granaten zerstört und 350 Lagerinsassen – Männer, Frauen und Kinder – getötet. Die Mordaktion dauerte eine Stunde. Anschließend mussten örtliche Bauern die Toten begraben. Die Nachricht von dem Massaker erreicht tags darauf das Ghetto in Vilnius, ebenso das Torflager Riešė. Dort löste die Nachricht eine Massenflucht nach Vilnius aus, wo am 13. Juli zahlreiche Gruppen von Zwangsarbeitern im Ghetto eintrafen. 

Gedenkstein und -tafelGedenken
Auf der Straße 5227 von Nemenčinė aus erreicht man den kleinen Ort Arvydau, den man passiert und nach ca. 500 m in einer Rechtskurve nach links auf einen Schotterweg abbiegt. Man folgt ca. 2 km dem Weg bis zu einer Weggabelung, von der aus man geradeaus auf einem kleinen unbefestigten Weg in den Wald hinein fährt. Nach ca. 1 km gelangt man linker Hand zu einem schwarzen Markstein mit dem Hinweis: 70m. Man erreicht zwei Gedenkstätten für die umgekommenen sowjetischen Kriegsgefangene (ein größeres Monument auf der linken und ein kleineres auf der rechten Seite des Wegs). Nach weiteren ca. 20 Metern führt ein Fußpfad aufwärts in den Wald, dort erreicht man den Gedenkort für die ermordeten jüdischen Zwangsarbeiter und deren Familien. Die Inschrift auf dem Gedenkstein lautet in Jiddisch und Litauisch : "Hier haben Hitlers Schergen und ihre Helfer im September 1943 300 Juden – Männer, Frauen und Kinder – ermordet. Wir werden immer der unschuldigen Opfer gedenken." (Abweichend von dem in der Inschrift genannten Datum des Massakers nennen neuere Forschungen auf der Grundlage von aufgefundenen Dokumenten den 9. Juli 1943 als Tag des Verbrechens.)  GPS 54.78908639 25.57236000 / 54°47.3452'N 25°34.3416'E

 
Literatur / Medien
Holocaust Atlas (2011), S. 300; Guzenberg I., “The 1942 General Population Census in Lithuania: Labor Camps of the Vilnius Ghetto” – The Jewish Museum. Vilnius Ghetto: Lists of Prisoners, Bd. 2, Vilnius, 1998, S. 52-53; Dieckmann 2011, Bd. 2, S. 1269, 1357
http://www.holocaustatlas.lt/EN/#a_atlas/search//page//item/160//