Region Centre, Departement Loiret

Der Ort
Hauptort der Region Centre und des Loiret, 110.000 Einwohner/innen, 130 km südlich von Paris. Die Lager der Region waren eine Drehscheibe der „Endlösung der Judenfrage“ in Frankreich.

Renovierte Baracke aus dem Lager Beaune am Eingang zum Cercil-Museum Die Ereignisse
In den Lagern Beaune-la-Rolande und Pithiviers wurden zwischen 1941 und 1943 etwa 18.000 jüdische Menschen interniert. Fast alle wurden deportiert und kamen um.
Im Loiret gab es außerdem Lager für „Nomades“ (Roma) in Jargeau und für politische Gefangene in Voves.

Gedenken
In Orléans pflegt das CERCIL (Studien- und Forschungszentrum über die Internierungslager im Loiret) lebendige Erinnerung an die dunklen Jahre: Judenverfolgung, Romaverfolgung und die Kollaboration Vichys; im Musée-Mémorial des enfants du Vel d'Hiv geben Fotos den ermordeten Kindern Namen und Gesicht: 45, rue du Bourdon-Blanc (100 Meter hinter der Kathedrale); E-Mail: cercil@cercil.eu; Internet: www.cercil.fr

Medien
http://memorialmuseums.net/denkmaeler/view/428/CERCIL-–-Studien--und-Forschungszentrum-über-die-Internierungslager-im-Loiret   

 

Aline Korenbajzer (© Cercil, fonds privé, Td Cercil)

Die Lager Beaune-la-Rolande und Pithiviers als Vorhof des Todes
Fast 18.000 jüdische Menschen, darunter 4.000 Kinder, wurden in den dem Vichy-Präfekten unterstehenden Lagern interniert, fast alle wurden in die Vernichtungslager deportiert.
Die ersten Männer waren schon 1941 eingeliefert worden, nach den Razzien vom Mai und Dezember 1941 in Paris. Sie wurden bis zu einem Jahr lang festgehalten und im März 1942 nach Auschwitz deportiert.
Die Lager spielten bald darauf eine Hauptrolle in der „Endlösung der Judenfrage“ in Frankreich und der Kollaboration Vichys. Tausende Opfer der Razzia des Vel d'Hiv im Juli 1942 wurden in die Lager verbracht, die Kinder von den Eltern getrennt und später ebenfalls deportiert. Möglich wurde das tödliche Zusammenwirken der deutschen Deportations- und Vernichtungsstrategie und der antisemitischen Ausgrenzungspolitik Vichys, die die Internierung ausländischer Juden vorsah, u.a. durch das Polizeiabkommen zwischen Oberg (SS) und Bousquet (Vichy-Polizei) vom Juli/August 1942.

„Es waren nicht die Nazis, die uns nach der Razzia des Vel-d'Hiv in Pithiviers und Beaune interniert haben. Sondern Vichy. Man muss wissen, dass eine der schwärzesten Seiten der Geschichte Frankreichs hier geschrieben worden ist: die Trennung der Kinder, die in den beiden Lagern den Armen ihrer Mütter und Väter entrissen wurden, die eine wesentliche Drehscheibe zwischen dem Staatsantisemitismus Vichys und der Endlösung war, die von den Nazis ausgedacht worden war.
Nach der Trennung der Kinder von den Eltern unter Schreien, wie man sich vorstellen kann, wollte Berlin keine Transporte, die ausschließlich aus Kindern bestanden, das wäre nämlich schädlich für die Propaganda (von den Familientransporten) gewesen. Also wurden die Kinder nach Drancy transferiert und dort in die Transporte der Erwachsenen gesteckt, damit man weiter an die Familien-Deportation glauben konnte – konform der Vichy-Devise ,Arbeit-Familie-Vaterland'.“
(Serge Klarsfeld, La Nouvelle République v. 31.01.2005)

Beispiel Aline Korenbajzer
Aline Korenbajzer wird am 31. August 1939 in Paris geboren. Ihr Vater Abraham wird am 14. Mai 1941 zusammen mit 3.700 ausländischen jüdischen Männern in Paris verhaftet und im Lager Pithiviers interniert; er kann im März 1942 fliehen. Am 16. Juli 1942 wird Aline mit ihrer Mutter bei der schrecklichen Razzia des Vel d'Hiv verhaftet. Beide werden im Lager Beaune-la-Rolande interniert. Sie werden mit dem Transport Nr. 25 am 28. August 1942 nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Wie alle Kinder dieses Transports wird Aline direkt nach der Ankunft vergast – an ihrem  3. Geburtstag.