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Via Tasso

Museo storico della Liberazione di RomaIn der Via Tasso, nicht weit entfernt von der Piazza San Giovanni in Laterano, befand sich im Gebäude 145/155 ab 12. September 1943 bis zum Ende der deutschen Besatzung am 4. Juni 1944 das Gefängnis und Folterzentrum der SS und Sicherheitspolizei (SIPO), das bis heute als Synonym der deutschen Schreckensherrschaft gilt.
Am 4. Juni 1955 wurde in dem Komplex das Museo storico della Liberazione di Roma, das historische Museum der Befreiung Roms, offiziell eingeweiht und steht seit 1957 in der heutigen Form den Besuchern offen.
Anfahrt: U-Bahn-Linie A Haltestelle „Manzoni“, dann den Pfeilen „Museo della Liberazione Via Tasso“ nach zur Hausnummer 145 folgen.

Via Tasso - ehemalige ZellenEreignisse
Im vorher von der deutschen Botschaft u.a. als Kulturzentrum genutzten Gebäude in der Via Tasso 145/155 brachte der Kommandant der Sicherheitspolizei (SiPo) und des Sicherheitsdienstes (SD), SS-Obersturmbannführer Herbert Kappler, am 12. September 1943 die Führung der Sicherheitspolizei (Sipo) unter. Ein Teil des Komplexes wurde für Büros und als Kaserne genutzt, die andere Hälfte diente als Gefängnis: Die Häftlinge wurden in fensterlosen Zellen festgehalten, brutal verhört und bestialisch gefoltert. Zu den Folterknechten gehörte auch Erich Priebke, der erst 1998 für seine Beteiligung am Massaker in den Ardeatinischen Höhlen zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde und bis zu seinem Tod im Jahr 2013 in Rom unter Hausarrest stand. In den neun Monaten der deutschen Besatzung Roms wurden in der Via Tasso rund 2.000 Menschen inhaftiert. Die meisten waren Juden und politische Gefangene; aber auch Zivilisten, von denen sich die Sicherheitspolizei Informationen über den Aufenthalt von Widerstandskämpfern oder Juden erhoffte, waren unter den Gefangenen. Den „Verhören“ in der Via Tasso folgte in der Regel die Verlegung in den deutschen Trakt des Gefängnisses Regina Coeli in Trastevere, die Erschießung an einem anderen Ort, beim Forte Bravetta oder – was auf Juden und politische Gefangenen zutraf, die im März 1944 in der Via Tasso inhaftiert waren – in den Ardeatinischen Höhlen als Vergeltungsmaßnahme für das Attentat in der Via Rasella.

Museo storico della Liberazione di Roma
Im Erdgeschoss des Museums befinden sich die Bibliothek und das Archiv, in den weiteren Etagen wird in den früheren fensterlosen Gefängniszellen mit vielen Originaldokumenten an den Widerstand, die Kämpfe um Rom, einzelne Häftlinge der Via Tasso und das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen erinnert. Daneben gibt es eine Ausstellung zur Geschichte der römischen Juden zwischen 1938 und 1944 und des Antisemitismus in Italien.
Museo storico della Liberazione di Roma, Via Tasso 145/155, Tel: +39 06 700 38 66, info@museoliberazione.it, www.viatasso.eu; Öffnungszeiten: außer im Monat August von Dienstag bis Sonntag 9.30–12.30 Uhr und Dienstag, Donnerstag und Freitag von 15.30–19.30 Uhr, Montag geschlossen. Führungen für Gruppen nach Absprache möglich. Der Eintritt ist frei.

Literatur / Medien:
Amedeo Osti Guerrazzi, Anthony Majanlahti, "Roma occupata 1943 – 1944", Mailand 2012; Robert Katz: Rom 1943–1944: Besatzer, Befreier, Partisanen und der Papst, Essen 2006; www.viatasso.eu; it.wikipedia.org/wiki/Museo_storico_della_Liberazione;