Region Hauts-de-France/Nord – Pas-de-Calais, Département Nord
          
Der Ort
Im Wald von Éperlecques, einem Dorf von 3400 Einwohner/innen, im Naturpark der Kaps und des Marais d'Opale, liegen die Überreste der größten Bunkeranlage des 'Atlantikwalls'. Die deutsche Wehrmacht wollte von hier aus Raketen auf London und Südengland abschießen. Mit dem Auto von Lille 91 km (A 25 →Dunkerque bis Bierne, dort D 110 bis St. Pierrre, dort D 300; von Saint-Omer/Helfaut 12 km (D 928/D 300 bis Bleue Maison, dort D 207 →Blockhaus d'Éperlecques).
 
Bunkeranlage Éperleques heute; wikipedia, Velvet CC BY-SA 4.0Die Ereignisseim Freilichtmuseum; Quelle: wikipedia, Prioryman
Im März 1943 begannen die Bauarbeiten unter der Regie der 'Organisation Todt': etwa 6000 Arbeiter gleichzeitig, 35000 während der gesamten Bauzeit (eine kleine Anzahl deutscher Spezialisten; frz. STO-Zwangsverpflichtete; Zwangsarbeiter: belgische, französische, niederländische, polnische, sowjetische und tschechische Kriegsgefangene; französische und spanische politische Häftlinge). Die nichtdeutschen Arbeitskräfte waren u.a. im Zwangsarbeitslager 62 der Organisation Todt im Nachbarort Watten untergebracht. Die Anlage sollte enthalten: eine Fabrik für flüssigen Sauerstoff, Lager für mehrere Dutzend Raketen und Montageräume.
 
Die Bunkeranlage wurde nie fertiggstellt. Die Baustelle wurde von den Alliierten im Frühjahr 1943 entdeckt, Ende August/Anfang September 1943 sowie mehrfach ab Februar 1944 bombardiert und teilweise zerstört. In einem Teil wurde weiter flüssiger Sauerstoff produziert, die Anlage wurde dann im Sommer 1944 ins V2 Mittelwerk im KZ Mittelbau-Dora in Thüringen tranportiert. Am 4. September 1944 wurde der Bunker von kanadischen Truppen eingenommen. Nach mehrfacher Inspektion wurde die Frage nach drohenden Gefahren verneint.
 
Mahnmal Zwangsarbeiter, beim MuseumsgeländeGedenkenAusschnitt: Tafel für getötete Zwangsarbeiter
1973 wurde die Anlage für das Publikum geöffnet und  1984 zum 'historischen Denkmal' erklärt. Der Bunker und das ihn umgebende, wieder aufgeforstete Gelände, auf dem militärische Gerätschaften stehen, sind jetzt ein Freilichtmuseum: Le Blockhaus d'Éperlecques, Rue du Sart, 62910 Éperlecques; Tel. ++ 33 (0)3 21 88 44 22; http://www.leblockhaus.com/fr/; Eintritt 10 €
Öffnungszeiten: täglich, je nach Jahreszeit zwischen 10 und 18 h, geschlossen Dezember – Februar.
An die getöteten Zwangsarbeiter erinnert ein Denkmal nahe der Museumsanlage. Auf einer Tafel ist zu lesen: „Ihr Völker, seid einig. Den belgischen politischen Häftlingen und den belgischen, französischen, holländischen, italienischen, polnischen, russischen und tschechoslowakischen zur Zwangsarbeit Deportierten.“
 
Literatur/Medien
Petit Futé. Guide des Lieux de mémoire, Paris 2011, S. 162f.
https://fr.wikipedia.org/wiki/Blockhaus_d%27%C3%89perlecques 
https://de.wikipedia.org/wiki/Blockhaus_von_%C3%89perlecques