Litauen 1918 - 1941

1918

  • Litauen, Lettland, Estland und Polen werden unabhängige Staaten
  • Februar: Litauische Unabhängigkeitserklärung
  • März: Friedensvertrag zwischen den Westmächten und der Sowjetunion, die auf die baltischen Länder verzichtet


1919

  • Bürgerkrieg in den baltischen Ländern zwischen nationalen und revolutionären Verbänden, deutschen Freikorps, ausländischen Interventionstruppen


1920

  • Mai: Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung
  • Juli: litauisch-sowjetischer Friedensvertrag, Anerkennung Litauens durch die Sowjetunion
  • Oktober: polnisches Militär besetzt und annektiert Südlitauen mit der litauischen Hauptstadt Vilnius, Kaunas wird provisorische Hauptstadt


1922

  • August: republikanisch-parlamentarische Verfassung Litauens verabschiedet – Schutz der nationalen Minderheitenrechte (Juden, Polen, Russen, Deutsche)


1923

  • Januar: Litauen annektiert das bis 1918 russische, seit 1918 unter Verwaltung des Völkerbunds stehende Memel-Klaipėda-Gebiet
  • März: Anerkennung der polnischen Grenze durch die Westmächte


1924

  • Mai: Westmächte anerkennen die Annexion des Memel-Klaipėda-Gebiets


1926

  • Dezember: Militärputsch und Abschaffung der parlamentarischen Demokratie: Antanas Smetona, Führer der national-konservativen Partei, wird als Präsident eingesetzt und regiert autoritär bis 1940


1930 ff.

  • Zunehmende antisemitische Strömungen und faschistische Tendenzen im Militär, in paramilitärischen Verbänden, in der Öffentlichkeit, Erstarken der rechtsradikal-antisemitischen Organisation „Eiserner Wolf“


1939

  • August/September: deutsch-sowjetischer Nichtangriffsvertrag und Grenzvertrag (Hitler-Stalin-Pakt) mit geheimen Ergänzungen: Teilung Polens zwischen Deutschland und der Sowjetunion, die baltischen Staaten werden der sowjetischen Interessensphäre zugeordnet – damit erhält Moskau freie Hand für die Durchsetzung von Militärstützpunkten in den baltischen Staaten, auch in Litauen
  • 1. September: deutscher Überfall auf Polen, Fluchtbewegung von Juden aus Polen und Deutschland nach Litauen
  • Oktober: Vilnius-Gebiet wieder unter litauischer Hoheit


1940

  • Juni: Einmarsch der sowjetischen Armee, rasche Einrichtung des Sowjetsystems, Scheinwahlen
  • August: Beitritt der Litauischen Sowjetrepublik zur Union der sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) – beginnende Unterdrückung politischer und kultureller Opposition, Verstaatlichungen, Inhaftierungen, Massendeportation von „antisowjetischen Elementen“


1941

  • Mai/Juni: Einmarsch der Roten Armee in ganz Litauen, Massendeportationen von ca. 20.000 angeblich/tatsächlich antisowjetischer Personen in sibirische Lager (Deportationen 1940/41)
  • 22. Juni: deutscher Überfall auf die Sowjetunion – Begrüßung der Deutschen in Litauen als Befreier, Beginn der litauischen Kollaboration mit SS und der Besatzungsverwaltung bei Pogromen mit litauischen Hilfstruppen; Mitwirkung bei Massenerschießungen von Juden und Kommunisten
  • Juli bis Dezember: Errichtung der großen Ghettos in Kaunas, Vilnius, Šiauliai, Beginn der Massenerschießungen in ganz Litauen sowie von ca. 8.000 aus Deutschland nach Kaunas deportierten Juden
  • Dezember: SS bilanziert über 137.000 getötete Juden und Kommunisten in Litauen – Bilanz der durch Hunger, Krankheiten, Schwerarbeit und Mord umgekommenen sowjetischen Kriegsgefangenen in Verantwortung der Wehrmacht: mehrere 10.000


1942

  • Januar: Bildung der Jüdischen Widerstandsorganisation FPO im Ghetto Vilnius
  • Januar/April: Bildung der kommunistischen Widerstandsgruppe AKO im Ghetto Kaunas und des Bündnisses der zionistischen Widerstandsgruppen


1943

  • September: nach Himmler-Befehl zur Auflösung der Ghettos Umwandlung des Ghettos Kaunas in ein KZ unter SS-Verwaltung
  • September: Liquidierung des Ghettos Vilnius, Ermordung von ca. 10.000 Gefangenen, Deportation von ca. 20.000 Gefangenen zumeist in KZ- und Arbeitslager in Estland (Deportationen 1943/44)
  • „Aktion 1005“: jüdische Häftlinge müssen im Herbst im IX. Fort (Kaunas) Massengräber öffnen und die Leichen verbrennen, der gesamten Gruppe gelingt am 25. Dezember die Flucht, wenige überleben – Massensterben sowjetischer Zwangsevakuierter in Lagern um Alytus


1944

  • Januar/April: „Aktion 1005“ in Paneriai, einer Gruppe des Ausgrabungskommandos gelingt durch einen Tunnel die Flucht
  • März: Deportation und Ermordung von jüdischen Kindern und Alten in einer landesweiten Aktion in allen verbliebenen Lagern in Litauen
  • Juli/August: vor dem Abzug der deutschen Besatzung und der Wehrmacht Ermordung tausender Juden und Kriegsgefangener, die in letzten Lagern und Verstecken aufgefunden werden
  • 13. Juli: Befreiung von Vilnius durch die Rote Armee
  • 1. August Befreiung von Kaunas
  • im Oktober erreicht die Rote Armee die Ostsee bei Palanga – Ende der deutschen Besatzung von Litauen

(s. auch Sachstichworte: Litauische Geschichte; Sowjetrepublik Litauen; Jüdisches Litauen)