Einführung

Monumento alla Resistenza in AnconaDie mittelitalienische Region Marken, die sich von der Grenze zur Emilia-Romagna im Norden bis zu den Abruzzen im Süden zwischen adriatischer Küste und Apennin entlangzieht, wurde nach dem Kriegsaustritt Italiens am 8. September 1943, den Landungen der Alliierten in Süditalien und deren Vormarsch nach Norden Teil des strategisch wichtigen Hinterlandes der Front - der monatelang schwer umkämpften Gustav-Linie -, zudem Raum wirtschaftlicher Ausbeutung und Zwangsrekrutierungsmaßnahmen für die deutsche Rüstungswirtschaft.
Der Widerstand gegen die deutsche Besatzung, getragen vorwiegend von Antifaschisten aus Reihen der Kommunisten, Sozialisten und der Bewegung Giustizia e Libertà (antifaschistische Parteien), formierte sich gleich zu deren Beginn und wurde unterstützt von vielen aus Lagern wie Fabriano und Sassoferrato geflohenen ehemaligen britischen und jugoslawischen Kriegsgefangenen. Zulauf erhielt die Bewegung aus der kriegsmüden Bevölkerung, deren junge Männer sich der Rekrutierung durch Mussolonis Salò-Regime verweigerten (Eine Gruppe junger Kriegsdienstverweigerer, die sich bei Montalto di Cessapalombo den Partisanen angeschlossen hatte, wurde dort am 22. März 1944 exekutiert).
Die im November 1943 beginnenden Durchkämmungsaktionen, mit denen Wehrmacht und SS in Zusammenarbeit mit italienischer faschistischer Polizei des Salò-Regimes Gebiete systematisch durchsuchten, in denen sich tatsächlich oder angeblich Partisanen versteckt hielten, gingen oft von Perugia in der Nachbarregion Umbrien aus: Die Stadt war ab März 1944 Sitz des „Lehrstabs zur Bandenbekämpfung“ und ab April 1944 zudem Hauptquartier von SS-Standartenführer Karl-Heinz Bürger, der als SS- und Polizeiführer Mittelitalien von dort aus für die gesamte „Bandenbekämpfung“ in den Regionen Toskana, Umbrien und Marken zuständig war.
Bei derartigen Durchkämmungsaktionen kam es, vor allem in der Endphase der deutschen Besatzung der Marken, zu vielen Gewalttaten und Massakern an der Zivilbevölkerung wie in Pozza und Umito, Arcevia und Capolapiaggia.

In der Regionalhauptstadt Ancona zeichnet der Denkmalweg am Monumento alla Resistenza die Phasen des Widerstandes der Region nach: Von der Machtergreifung der Faschisten um Benito Mussolini im Jahr 1922 (Tafel I) über Tafel IV ("L’Antifascismo non è più solamente una posizione politica: È una definizione morale" - "Der Antifaschismus ist nicht mehr nur eine politische Haltung: Er ist eine moralische Definition") bis zum Kriegsende 1945 (Tafel XVI).

Einrichtungen:
Das zentrale Resistenza-Institut der Region Marken, das Istituto regionale per la storia del movimento di liberazione nelle Marche (IRSMLM), befindet sich in Ancona, Via Villafranca 1, 60122 Ancona; E-Mail: segreteria@storiamarche900.it, www.storiamarche900.it.

Literatur / Medien:
Gentile, Carlo: Wehrmacht und Waffen-SS im Partisanenkrieg: Italien 1943–1945, Paderborn 2012; Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder. Der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943–1945, München / Zürich 1995; Giacomini, Ruggero: Ribelli e partigiani - la resistenza nella marche 1943-1944, Ancona 2008; Venturelli, Flavio: Landschaft und Gedenken in Italien 1918-1970 - Mahnmale und Gedenkstätten als Aufgabe der Freiraumplanung in der Folgezeit des Ersten und Zweiten Weltkriegs am Beispiel von Ancona, Hannover 2014 (unveröffentlichte Masterarbeit Universität Hannover); www.storiamarche900.it;


Gedenkorte der Region Marken:

Ancona
Arcevia
Caldarola
Camerino
Capolapiaggia
Falconara
Jesi
Montalto di Cessapalombo

(wird weiter ergänzt)