Region Kampanien / Provinz Caserta

Der Ort
Die Stadt liegt am nördlichen Ufer des Volturno, 10 km nördlich von Caserta und ca. 40 km nördlich von Neapel – erreichbar von der Autobahnabfahrt Capua bzw. Tomba dei Garibaldini über Basilica auf der SS 264

Familienangehörige der Opfer (Foto: Istituto campano)Die Ereignisse
Caiazzo wurde wegen erwarteter Kampfhandlungen Anfang Oktober 1943 zwangsweise geräumt. Die Bewohner suchten in der Umgebung Zuflucht, u.a in Bauernhäusern auf dem Monte Carmigniano bei Caiazzo. Dort richtete der Wehrmachtsleutnant Wolfgang Lendigk-Emden den Gefechtsstand seiner Kompanie ein. Weil von einem der Bauernhäuser angeblich Lichtzeichen in Richtung der amerikanischen Stellungen abgegeben worden waren, ermordeten am 13. Oktober Soldaten dieser Kompanie 22 Zivilpersonen. Fast die Hälfte der Opfer waren Kinder, vier Familien wurden ausgelöscht. Lendigk-Emden behauptete später, wegen der Lichtzeichen habe er vier Männer und drei Frauen aus dem Bauernhaus, die er als Partisanen eingeschätzt habe, ohne Anhörung standrechtlich erschießen lassen. Danach tötete er selbst, mit zwei seiner Soldaten, die im Bauernhaus verbliebenen weiteren 15 Frauen und Kinder. Die Vernehmungsakten zu dem Verbrechen, das schon in amerikanischer Kriegsgefangenschaft der beteiligten Soldaten bekannt gewordenen war, wurden 1946 der italienischen Regierung übergeben, ohne dass Ermittlungen einleitet wurden. Diese begannen erst Ende der 1980er Jahre.

Grabstätte mit Inschrift Benedetto Croces (Foto: Istituto campano)


Ort des Massakers vom 13. Oktober 1944 (Foto: Istituto campano)

Gedenken
Auf dem Friedhof von Caiazzo steht seit 1968 ein Denkmal für die Opfer vom Monte Carmigniano mit einer von Benedetto Croce verfassten Inschrift. Am ehemaligen Bauernhaus, dem Ort des Massakers, finden Gedenkveranstaltungen statt.


Nach 1945
Der Militärhistoriker Gerhard Schreiber nennt bei der Schilderung der Ereignisse in Caiazzo, das dort verübte Kriegsverbrechen sei eines „der grässlichsten Wegzeichen, das die breite Blutspur kenntlich macht, die deutsche Truppen bei ihrem Rückzug nach Norden hinterließen.“ (Schreiber 1996, S. 141) Erst im Jahr 1969, nach 26 Jahren, führte eine Anzeige von Simon Wiesenthal zu ersten Ermittlungen in Italien, aber zunächst zu deren baldigen Einstellung, weil Täter unauffindbar waren. Erst die erfolgreichen Nachforschungen eines amerikanischen Journalisten deckten 1988 den Die Enttarnung Lehndigk-Emdes (Foto: corrierematese)Namen des damals verantwortlichen Leutnants auf: Lehnigk-Emden. Er wurde 1994 von einem italienischen Gericht in Abwesenheit wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das deutsche Strafverfahren endete ebenfalls 1994 vor dem Landgericht Koblenz mit einem auch von Juristen als abenteuerlich bezeichneten Freispruch wegen Verjährung des Totschlagvorwurfs. Der juristisch und politisch umstrittene Freispruch wurde ein Jahr später auch noch durch den Bundesgerichtshof bestätigt.

Gemeindepartnerschaft Caiazzo–Ochtendung
Die Ermittlungen und die Strafverfahren machten die Ereignisse in Caiazzo vom Oktober 1943 nicht nur überregional, sondern auch in Ochtendung (Eifel) bekannt. Dort lebte der angeklagte frühere Leutnant Wolfgang Lehnigk-Emden als geachteter Kommunalpolitiker. Auf Initiative von engagierten Bürgern der Stadt entwickelte sich eine Städtepartnerschaft zwischen Ochtendung und Caiazzo mit regelmäßigem Besuchsaustausch, der Jahrzehnte nach den ungesühnten Morden zur Versöhnung und Verständigung beitrug. 2011 übergab die Gemeinde Ochtendung Caiazzo einen Gedenkstein, der auf der Piazza Portavetere aufgestellt wurde. 

Ein kurzer Briefwechsel
Die Frankfurter Rundschau (15.07.1995) veröffentlichte nach Ende des Strafprozesses vor den deutschen Gerichten einen Briefwechsel zwischen Lehnigk-Emden und dem damaligen Bürgermeister von Caiazzo, Nicola Sorbo. Zwei Auszüge:

Wolfgang Lehnigk-Emden schrieb (Datum vermutlich Sommer 1995):
„…Heute sind mehr als 50 Jahre seit dem traurigen Vorfall verstrichen, dennoch gestehe ich, dass ich es außerordentlich bedauere, dass es zu Handlungen gekommen ist, auf Grund dessen unschuldige Menschen ihr Leben lassen mussten. Soweit ich beteiligt war, beschämt mich dies sehr…“

Bürgermeister Nicola Serbo antwortete:
„…Sie ‚bedauern’ den ‚traurigen Vorfall’ von 1943 in Cajazzo ... Sie ‚schämen’ sich dieses ‚Vorfalls’, aber nur‚ soweit’ Sie daran beteiligt waren. Die grundsätzliche Frage bleibt unbeantwortet: War das Massaker vom 13. Oktober 1043 für Sie ein bedauerlicher Zwischenfall ... Oder war es vorsätzliche Tötung von 22 Menschen? ... Sie werden verstehen, dass ohne Ihr volles und detailliertes Geständnis weder ich noch die Bürger von Caiazzo ... Ihr ‚Bedauern’ als aufrichtig akzeptieren können...“

Weitere Informationen: Associazione storica del Caiatino, piazza G. Verdi, 81013 Caiazzo (CE), http://www.associazionestoricadelcaiatino.com/; Istituto campano per la storia della resistenza,  Via Costantino 25, Napoli, quartiere Fuorigrotta (www.istitutocampanoresistenza.it)

Literatur / Medien:
Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder. München 1995, S. 90 f.; Schreiber, Gerhard: Deutsche Kriegsverbrechen. Täter, Opfer, Strafverfolgung. München 1996, S.141 ff.; Danise, Federico: Sconosciutto a noi. Stefano Bencivenga (19081943). Un martire Caietano, Associazione storico del Caiatino, 2008 (Geschichte ein aus Caiazzo stammendes von Collelungo); de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Caiazzo; altocasertano.wordpress.com/2007/10/12/caiazzoce-reportage-su-strage-nazista-13-ottobre-a-monte-carmignano-a-cura-di-giuseppe-sangiovanni/ ; /www.cassino2000.com/cdsc/studi/archivio/n17/n17p12.html; http://www.ssgiovanniepaoloesrufo.it/index.php?&set=374&dom_id=&dom_sld=ssgiovanniepaoloesrufo&dom_tld=it&no_tags=1&sito_gratis=&sito=&news4_categoria=documenti&news4_id=1346466&local_page=newshttp://corrierematese.blogspot.de/2010/10/la-strage-di-monte-carmignano-la.html (Foto: Enttarnung)