Die Stadt
Mestre wurde 1926 ein Teil Venedigs, blieb aber auf Grund der Größe und der räumlichen Entfernung mit seinen rund 200.000 Einwohnern eine „eigene Stadt“. Im Vergleich zum historischen Zentrum von Venedig mit seinen ca. 60.000 Einwohnern, lebt heute die Mehrheit der venezianischen Bewohner in den Stadtteilen Mestre und Marghera. Die meisten von ihnen sind in der Chemie- und Ölindustrie, im Schiffsbau und im Hafen beschäftigt. Der Bahnhof Venezia-Mestre ist der wichtigste Verkehrsknotenpunkt vor Venedig, eine Bahn- sowie eine Autobahnbrücke verbinden Mestre mit Venedig.

Das Ereignis
Der Widerstand in Mestre konzentrierte sich in erster Linie auf Sabotageaktionen gegen das Eisenbahnnetz. Ab Jahresbeginn 1944 wurden diese Aktionen wegen massiver Kontrolle der Wehrmacht immer weniger möglich. Die Partisanen verlagerten ihren Widerstand in Richtung der Cansiglio-Berge und des Cellina-Tals, wo es ihnen gelang, einige Gebiete zu befreien und Partisanenrepubliken auszurufen. Der Druck der deutschen Truppen und groß angelegte Durchkämmungsaktionen Ende 1944 zwangen die Partisanen, das Gebirge wieder zu verlassen. Erminio Ferretto, Partisan und Veteran aus dem spanischen Bürgerkrieg, entkam diesen Aktionen und gründete zusammen mit seinen Gefolgsleuten der Brigade Garibaldi in Mestre das Bataillon „Felisati“ (der Name eines ermordeten Partisanen), das Anschläge auf Kasernen der faschistischen Truppen verübte.
In der Nacht vom 5. auf 6. Februar 1945 wurde Ferretto von Faschisten ermordet, die Brigade nannte sich nun „Ferretto“ und kämpfte bis zum Eintreffen der alliierten Truppen in Mestre und Marghera.

Gedenken
Sowohl auf dem Bahnhof in Mestre als auch im Hauptbahnhof von Venedig erinnern Gedenktafeln an diesen Widerstand.

Eine Gedenktafel am Rathaus von Mestre in der Via Palazzo erinnert an die Opfer des Befreiungskampfes.  Auf dem Friedhof von Mestre wird an 22 gefallene Mitglieder der Partisaneneinheiten „Ferreto“ und „Felisati“ erinnert, unter ihnen Erminio Ferreto und Giovanni Felisati.

Luoghi della libertà - Mestre centro (Foto: IVESER)
Weitere Informationen u.a. zu Stadtführungen: Istituto Veneziano per la storia della resistenza e della società contemporanea (IVESR), Venedig, E-Mail: info@iveser.it; sandra.savogin@gmail.com; www.iveser.it


Literatur / Medien:
Borghi, Marco (Hg): I luoghi della libertà. Itinerari della guerra e della Resistenza in provinica di Venezia, Portogruaro 2009, S. 81-98 (Foto: © Archive Iveser Venice - Anpi Mestre, S. 81); http://www.luminosigiorni.it/wp/2011/12/partigiani-e-toponomastica-luoghi-della-resistenza-a-mestre/; http://www.resistenza.de/index.php/widerstand/venedig/60-widerstand-in-venedig; http://bluradioveneto.it/eventi-news/8-itinerari-provincia-venezia-scoperta-luoghi-resistenza