Schriftgröße A A A

Compiègne-Royallieu

Region Picardie, Departement Oise

Der Ort
Compiègne, knapp 41.000 Einwohner/innen, 80 km nördlich von Paris. Bahn: mit Regionalzügen von Paris-Nord bzw. Beauvais. Auto: Autobahn A 1, sortie/Ausfahrt 9 (von Paris) bzw. 10 (von Lille). Im Ortsteil Rethondes wurden die Waffenstillstands-Abkommen zwischen Deutschland und Frankreich 1918 und 1940 unterzeichnet. Während des Zweiten Weltkriegs unterhielt die Wehrmacht ein großes Internierungs- und Deportationslager.

Lager der Wehrmacht
Das ehemalige Militärgelände war eines der wenigen Internierungslager, das von der deutschen Wehrmacht geleitet wurde; auch Teile der Wachmannschaften waren Deutsche. Es war das größte Internierungslager in Frankreich. Über 50.000 Menschen wurden hier gefangen gehalten, vor allem „Politische“: Widerstandskämpfer, Geiseln, bei Razzien Festgenommene sowie Juden. In abgetrennten Teilen bestanden Sonderlager für Juden und für „feindliche Ausländer“ (z.B. US- und Sowjetbürger). Fast 40.000 wurden in die Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert.

Deportationen
Der erste Deportations-Transport ging am 27. März 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz mit über 1.000 Juden, Opfer einer Razzia in Paris im Dezember 1941 – ein Fanal für die nun einsetzenden Massendeportationen „nach Osten“. Auch der zweite sowie der dritte Transport vom 6. Juli 1942 ging nach Auschwitz. Letzterer umfasste 1155 Männer (1105 politische Gefangene, überwiegend Kommunisten und Gewerkschafter sowie 50 Juden) und sollte der „jüdisch-bolschewistischen Verschwörung“ und der Résistance einen Schlag versetzen. Es folgten 25 größere und einige kleinere Transporte. Am 23. und 25. März 1943 wurden die jüdischen Opfer der Razzia von Marseille über Drancy in das Vernichtungslager Sobibor geschickt, die übrigen Opfer einige Zeit später in das KZ Sachsenhausen. Beim „Todeszug“ vom 2. Juli 1944 starben unterwegs 530 der 2.162 Männer. Der letzte Zug vom 27. August 1944 wurde von der Résistance und alliierten Truppen gestoppt, das deutsche Wachpersonal festgenommen und später verurteilt.

Gedenkstein vor der Gedenkstätte Deportationen und Ziele/Konzentrationslager Ausschnitt aus Glasmauer der Namen Güterwagen am Bahnhof

Gedenken
Für die 2008 eröffnete Gedenkstätte „Mémorial de l’internement et de la déportation – Camp de Royallieu“ wurden drei der 21 erhaltenen Gebäude konserviert. In einem „historischen Fries“ wird das Lager in den Zusammenhang Zweiter Weltkrieg, Besatzung und Deportation gestellt. Es gibt viele bewegende Audio- und Videoaufnahmen und Computerterminals. Auf einer Glaswand sind die Namen der Internierten verzeichnet.
Anschrift: 2, Avenue des Martyrs de la Liberté, F-60200 Compiègne; erreichbar vom Bahnhof mit der Buslinie 5 →Hôpital, Stop ,Saint-Côme – Mémorial'; offen täglich außer montags 10–18 Uhr; Internet: www.memorial-compiegne.fr
Am Bahnhof steht ein weiteres Denkmal: zwei Viehwaggons als Symbol für die Deportation.

Literatur/Medien
Husser, Beate / Besse, Jean Pierre / Leclère-Rosenzweig, Françoise: Frontstalag 122, Compiègne-Royallieu, un camp d’internement allemand dans l’Oise, 1941–1944, Beauvais 2008
www.cheminsdememoire.gouv.fr/de/mahnmal-der-internierung-und-deportation-royallieu (dt.)
http://fr.wikipedia.org/wiki/Camp_de_Royallieu
http://fr.wikipedia.org/wiki/Gare_de_Compi%C3%A8gne