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La Romagna

Der Ort
La Romagna gehört zur Kommune San Giulio Terme und liegt in den Hügeln oberhalb von Molina di Quosa an der Strada Panoramica auf dem Weg zum Weiler Quantro Venti.

Das Ereignis
In diesen abgelegenen Ort hatten sich ungefähr hundert Familien aus Pisa und Livorno geflüchtet, um das Kriegsende abzuwarten. In einer Durchkämmungsaktion am 6. und 7. August 1944 wurde La Romagna von einer SS-Einheit unter Führung von Walter Reder umstellt, die Arbeitsfähigen wurden zur Deportation nach Deutschland ausgesondert, 69 Alte, Frauen und Kinder nach Nozzano gebracht und dort am 11. August ermordet.

Gedenken
An der Panoramastraße zwischen Molina di Quosa und Quattro Venti wurde zu Ehren der Opfer eine Kapelle für die 69 Opfer des 11. August 1944 errichtet.

Kapelle in La Romagna (Foto: Baldini) Gedenkstein in der Kapelle (Foto: Baldini)

Weitere Gedenkstätten für diese Opfer gibt es in Nozzano, in Molina di Quosa und in San Giuliano Terme.

Untersuchung des Verbrechens von La Romagna
„Am 9. Oktober 2011 beantragten die Kommunen – San Giuliano Terme und Vecchiano für die Provinz Pisa, Massarosa für die Provinz Lucca und die ANPI-Toscana eine Untersuchung des Verbrechens von La Romagna. Die Militärbehörde von Rom wurde ersucht, Ermittlungen aufzunehmen und Anklage gegen Josef Exner von der ,16a SS Panzergrenadier-Division Reichsführer SS', den  sie für das Massaker verantwortlich macht, zu erheben. Exner, Jahrgang 1911, war bekannt für seine Grausamkeit vor allem gegen die Zivilbevölkerung und wurde für seine Taten nie zur Rechenschaft gezogen. Die Akten waren jahrzehntelang im ,Schrank der Schande' verschwunden, die damaligen Täter inzwischen verstorben.“  (http://ricerca.repubblica.it/repubblica/archivio/repubblica/2011/08/03/altre-indagini-sulle-stragi-naziste.html)

Zeitzeugen:
„In der Pisanotizie vom 06.08.2010 berichtete Stefano Gallo über die Erfahrungen von Franca, die als Jugendliche die Durchkämmungsaktion von La Romagna überlebt hat. Franca wuchs in Molina di Quosa auf, floh auf Grund der Bombenangriffe mit ihrer Familie in die Berge nach La Romagna. Sie beschreibt das dortige harte Leben und die ungesunden Verhältnisse. In der Nacht vom 6. auf 7. August 1944 überredete sie ihre Eltern, zu einer entfernten Quelle gehen zu dürfen, um sauberes Wasser zu holen. Deshalb entkam sie dem Massaker.“ (http://www.pisanotizie.it/news/news_20100806_anniversario_eccidio_romagna.html)

Literatur / Medien:
Andrae, Friedrich: Auch gegen Frauen und Kinder. Der Krieg der deutschen Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in Italien 1943–1945. München/Zürich 1995, S. 205; Schreiber, Gerhard: Deutsche Kriegsverbrechen. Täter, Opfer, Strafverfolgung.  München 1996, S. 190
http://www.lavocedelserchio.it/vediarticolo.php?id=11610&page=0&t_a=san-giuliano-terme-si-costituisce-parte-civile-per-la-strage-nazi-fascista-de-la-romagna
http://www.anfim.it/wai/rapprstrecc.htm
http://resistenzatoscana.org/monumenti/san_giuliano_terme/monumento_ai_caduti_de_la_romagna/ (Foto: Baldini)