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Nord – Pas-de-Calais (ab 2016 Teil der Region Hauts-de-France)

Lage der Region; Quelle: wikipediaHauptort: LilleKohlebecken – Lage des Kohlebeckens; Quelle: Dosto, wikipedia
 
Einführung
Die nördlichste Region Frankreichs war lange geprägt von Textilindustrie, Steinkohlenabbau und Nordseehäfen; das ehem. Kohlrevier ist zum UNESCO-Welterbe angemeldet. Die Region hat etwas mehr als 4 Mio. Einwohner/innen (2014) in den zwei Départements Nord (59) und Pas-de-Calais (62). Sie hatte besonders schwer unter Krieg und Besatzung zu leiden: Die deutsche Invasion war vereinzelt von Übergriffen und Massakern begleitet, vgl. Courrières, Oignies, Espelbecq). Es waren bis zu 120 000 deutsche Soldaten stationiert. Zum Bau des „Atlantikwalls“ mit dutzenden von Bunkern und Raketenabschussbasen wurden zweitweise zehntausende Zwangsarbeiter/innen und Kriegsgefangene verpflichtet und in dürftigen Lagern untergebracht. Kämpfe und Bombardements richteten große Schäden und Zerstörungen an (vgl. z.B. Boulogne-sur-Mer, Calais, Dunkerque/Dünkirchen, Valenciennes). Die Region wurde - wie schon im 1. Weltkrieg - dem deutschen Oberkommando in Belgien unterstellt (also nicht dem deutschen Militärbefehlshaber in Paris) und als „zone interdite“ (verbotene Zone) von Frankreich abgeschnitten. Das führte zu einem verbreiteten Gefühl, von der Vichy-Regierung verlassen zu sein, Befürchtungen einer Annexion und feindlicher Stimmung gegen die Besatzer.
 
Widerstand und Repression
Erste Formen von Widerstand waren Unterbringung von britischen Piloten und Fluchthilfe. Ab 1941 waren Widerstandsnetze und -bewegungen vertreten, vor allem FTP -Francs-Tireurs et Partisans (Schwerpunkt im Kohle- und Stahlrevier), Libération Nord, OCM – Organisation Civile et Militaire (Schwerpunkt um Arras, Béthune), Voix-du-Nord sowie Gruppen wie Sylvestre Farmer (vgl. Lille) und die insbesondere im Kohlerevier vertetene POWN (Résistants polnischer Abstammung).
Die wirtschaftliche Ausbeutung führte zu Knappheit an Nahrungsmitteln, Hungerdemonstrationen (vgl. Émilienne Mopty) und Streiks wie dem großen und heftigen Bergarbeiterstreik 1941 in Nordfrankreich (vgl. Montigny-en-Gohelle) – 450 Menschen wurden verhaftet, 244 mit einem der ersten Transporte in das KZ Sachsenhausen deportiert. Besonders ab Sommer 1941 wurde ein erbitterter Kampf zwischen den – meist kommunistischen - Aktionsgruppen (vgl. Charles Debarge, Michel Brulé) - und Militärverwaltung (General Niehoff, Oberfeldkommandantur 670 in Lille) sowie deutscher und französischer Polizei geführt. Über die Hälfte der Sabotagen durch die Résistance in Frankreich zwischen 1941 und 1942 wurden in der Region ausgeführt. Die Deutschen reagierten brutal: mit Hinrichtungen (meist in Forts wie Arras, Bondues, Lille, Seclin, Wambrechies und Gefängnissen wie Cuincy bei Douai oder Loos bei Lille,  Geiselerschießungen - noch vor denen von Châteaubriant im September 1941 - und Deportationen.
 
Rasistische Verfolgung: Juden und Sinti/Roma
Viele der ca. 4000 Juden verließen die Region zu Beginn der deutschen Invasion Frankreichs in Richtung Süden. Die im Küstenstreifen („rote Zone“) wohnenden Juden wurde nach Troyes (Champagne) ausgewiesen. 1941 begannnen die Verfolgungsmaßnahmen durch die deutsche Wehrmacht und das Vichy-Judenstatut: Berufverbote, „Arisierung“ von Geschäften, Tragen des gelben Sterns. Die größte Razzia fand am 11. September 1942 in der gesamten Region statt: 528 Männer, Frauen und Kinder wurden vom Bahnhof Lille-Saint Sauveur (oder Fives??) über Malines/Mechelen (Belgien) in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. 1943/44 gab es weitere Deportationen. Etwa 700 jüdische Menschen aus der Region wurden deportiert, zusätzlich weitere etwa 1000, die in  anderen Regionen Frankreichs verhaftet worden waren. Die jüdische Gemeinschaft im Nord - Pas-de-Calais war praktisch ausgelöscht.
Aufgrund eines Befehls von Himmler wurden ab November 1943 die Sinti und Roma im Nord – Pas-de-Calais („Tsiganes/Nomades“) zunehmend verfolgt und verhaftet. Am 15. Januar 1944 wurden 157 (nach anderen Quellen: 145) Männer, Frauen und Kinder über Malines/Mechelen (Belgien) nach Auschwitz deportiert, nur wenige überlebten.
 
Befreiung
Im Vorfeld und nach der alliierten Landung in der Normandie nahmen die Aktivitäten der Besatzer und die des Widerstandes zu. Die Deutschen erwarteten hier die alliierte Landung, sie befestigten die Küste durch den Atlantikwall und errichteten Raketenabschussbasen (vgl. Éperlecques, Saint-Omer). Nach der Landung in der Normandie (6. Juni 1944) erklärten sie Boulogne, Calais und Dunkerque/Dünkirchen zu „Festungen“ und intensivierten die Repression: Massaker an 86 Menschen nach einer banalen Bahnsabotage in Ascq am 1./2. April, Leerung der Gefängnisse und letzter Deportationszug am 1. September von Loos in das KZ Sachsenhausen, Erschießung vieler FFI-Kämpfer während der Befreiungskämpfe. Die Region wurde in der ersten Septemberwoche 1944 befreit, die „Festung“ Dünkirchen erst am 9. Mai 1945.
 
Bilanz der Repression
Durch Maßnahmen der deutschen Besatzung und frz. Behörden kamen fast 8000 Männer, Frauen und Kinder zu Tode.
 
Gedenkstätten/Museen in Ascq, Bondues, Denain, Douai, Dunkerque (Dünkirchen), Saint-Omer/La Coupole d'Helfaut, Tourcoing
 
Gedenkorte
Département Nord:
Anzin, Ascq, Bondues, Cambrai, Clairfayts, Denain, Douai, Dunkerque (Dünkirchen), Éperlecques, Esquelbecq, Lille, Loos (Nord), Seclin, Tourcoing, Valenciennes, Wambrechies, Wervicq-Sud.
 
Département Pas-de-Calais:
Annezin, Arras, Audinghen, Avion (Pas-de-Calais), Bapaume, Béthune, Billy-Montigny, Boulogne-sur-Mer, Bourlon, Bully-les-Mines, Calais, Coulogne, Courrières-les-Lens, Dourges, Hénin-Beaumont, La Coupole d'Helfaut, Lens, Montigny-en-Gohelle, Oignies, Saint-Omer, Vitry-en-Artois.
 
Tourismusbüro
Comité régional du tourisme: 6 Place Mendès-France, F-59013 Lille Cedex; www.crt-nordpasdecalais.fr
 
Literatur/Medien
Dictionnaire historique de la Résistance, Paris 2006, S. 298ff.
Dejonghe, Étienne/Le Maner, Yves: Le Nord – Pas-de-Calais dans la main allemande 1940-1944, Lille 1999
Duhem, Jacqueline: Crimes et criminels de guerre allemands, de 1940 à nos jours, dans le Nord-Pas-de Calais, Lille 2014
Fossier, Jean-Marie: Nord – Pas-de-Calais. Zone interdite mai 1940 - mai 1945, Paris 1977
Petit futé. Guide des lieux de mémoire, Paris 2005, S. 214ff.; Ausgabe 2012/13, S. 152ff.
Schmid, Carlo: Erinnerungen. Taschenbuch, München 1981, S.175-208 (Zeit bei OFK 670 in Lille)
http://www.persee.fr/doc/rnord_0035-2624_1975_num_57_226_3324 (Widerstand von Polen)
http://www.cheminsdememoire.gouv.fr/fr/fusilles-et-deportes-du-nord-pas-de-calais
http://www.cercleshoah.org/spip.php?article528
https://www.ajpn.org/fichier-travaux/1414948403_persecutions_juifs_berck.pdf
http://memoiresdepierre.pagesperso-orange.fr/listededeportesjuifstsiganes.html
http://www.memoires-tsiganes1939-1946.fr/deportations.html
http://www.bddm.org/liv/details.php?id=V.2.
http://fr.wikipedia.org/wiki/Nord-Pas-de-Calais
NORD:
 
„wird weiterbearbeitet“!!

Departement Nord

Region Hauts-de-France/Nord – Pas-de-Calais
 
Hauptort: Lille (59)
 
Gedenkorte: Anzin, Ascq, Bondues, Cambrai, Clayrfaits, Denain, Douai, Dourges, Dunkerque (Dünkirchen), Éperlecques, Esquelbecq, Lille, Loos (Nord), Seclin, Tourcoing, Valenciennes, Wambrechies, Wervicq-Sud
 
Literatur/Medien: vgl. Region Nord – Pas-de-Calais

Departement Nord

Region Hauts-de-France/Nord – Pas-de-Calais
 
Hauptort: Lille (59)
 
Gedenkorte: Anzin, Ascq, Bondues, Cambrai, Clayrfaits, Denain, Douai, Dourges, Dunkerque (Dünkirchen), Éperlecques, Esquelbecq, Lille, Loos (Nord), Seclin, Tourcoing, Valenciennes, Wambrechies, Wervicq-Sud
 
Literatur/Medien: vgl. Region Nord – Pas-de-Calais