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Figline di Prato

Region Toskana / Provinz Prato

Der Ort
Figline ist ein Stadtteil von Prato, erreichbar über die Autobahn A11 Pistoia–Florenz, Ausfahrt Prato West. Das Museo della Deportazione e Resistenza erreicht man, wenn man auf der Viale Chang Zhou bis zur Viale Contagallo dem Wegweiser des Museums folgt.

Die Ereignisse
Am 6. September 1944 kam eine große Gruppe der Partisanen-Brigade „Bogardo Buricchi“ von den Bergen bei Faggi di Javello nach Prato herunter. Die alliierten Truppen standen bereits vor den Toren Pratos. Vermutlich wollten die Partisanen sich an der Befreiung der Stadt beteiligen. Es kam zu einem Gefecht mit Angehörigen einer auf dem Rückzug befindlichen Infanteriedivision der Wehrmacht, wobei zahlreiche Partisanen in Gefangenschaft gerieten. Major Karl Laqua, der Kommandeur der deutschen Einheit, ließ 29 der Gefangenen öffentlich erhängen.

Gedenken
Heute erinnern ein Holzrelief und eine Gedenktafel, errichtet an der Stelle ihrer Hinrichtung, an die 29 Märtyrer und an das Massaker vom 6. September 1944, ebenso ein wenige Meter davon entferntes Denkmal in der Via dei 29 Martiri. Besonders eindrücklich ist die vielfältige öffentliche Erinnerung an das Verbrechen durch die Benennung von Straßen, Plätzen und Treffpunkten nach den „29 Martiri“, auch in Gestalt eines jährlichen Fackelzugs und eines jährlichen Fahrradrennens um den „Coppa di 29 Martiri“.

Gedenktafel am Torbogen in der Via 29 Martiri Holzrelief seitlich des Torbogens Denkmal für die ermordeten Partisanen, Via 29 Martiri


Museo e Centro Documentazione (Foto: B. Amodeo)Museo della Deportazione e Resistenza

Vor allem auf Initiative des Verbandes der ehemaligen politischen Deportierten (ANED) und ihres Präsidenten – des aus Prato stammenden Roberto Castellani, der bei seiner Deportation im März 1944 siebzehn Jahre alt war und in den Jahrzehnten nach seiner Rückkehr als Zeitzeuge vor allem in Schulen unermüdlich berichtete – entstand im Stadtteil Figline, in unmittelbarer Nähe des Ortes, wo die 29 Partisanen erhängt wurden, das Museo della Deportazione e Resistenza. Das Museum mit dem angeschlossenen Dokumentationszentrum wird von einer Stiftung getragen, die von allen Gemeinden der Provinz Prato und dem Partnerschaftsverein Ebensee–Prato, außerdem in Kooperation mit Widerstandsorganisationen und der Jüdischen Gemeinde Florenz finanziert wird. Es dokumentiert die Schrecken der Konzentrationslager und den Widerstand in Videostationen und bietet auf einer Veranstaltungs- und Informationsebene vor allem Schulklassen Arbeits- und Diskussionsmöglichkeiten. Dem Bemühen Roberto Castellanis verdankt Prato auch die seit 1987 bestehende „Partnerschaft des Friedens“ mit der Stadt Ebensee.

Informationen: 
Fondazione Museo e Centro di Documentazione della Deportazione e Resistenza – Luoghi delle Memoria Toscana,
Via di Cantagallo 250,
59100 Prato (Loc. Figline) 
Tel. +39 0574 470728
 www.museodelladeportazione.it (Fotos von Baldassare Amodeo mit freundlicher Genehmigung des Museums)
[email protected] (Auf Anfrage können auch Führungen in Deutsch angeboten werden.)

Eingang Museum (Foto: B. Amodeo) Ausstellungsraum (Foto: B. Amodeo) ehemalige Häftlingsjacke (Foto: B. Amodeo)

Ermittlungen nach 1945
Schon wenige Wochen nach der Ermordung der 29 Partisanen in Figline untersuchte eine Kommission der Alliierten, einige Monate später eine weitere Militärkommission die Einzelheiten des Verbrechens vom 6. September 1944. Ende 1946 wurden die gesamten Ermittlungsakten den italienischen Behörden übergeben. Diese Unterlagen verschwanden mit anderen Ermittlungsakten Anfang der 1960er Jahre im „Schrank der Schande“ ohne weitere Bearbeitung. Sie kamen erst in den 1990er Jahren mit hunderten weiterer Akten wieder zu Tage. Der Historiker Carlo Gentile und die Militäranwaltschaft La Spezia nahmen erneut Forschungen in Archiven und Ermittlungen auf, die allerdings ohne Ergebnis blieben.

Literatur  / Medien
Fondazione Museo e Centro di Documentazione della Deportazione e Resistenza: Luoghi della Memoria Toscana. Ausstellungskatalog, Deutsche Ausgabe, Prato 2010; Drahomír Bárta: Tagebuch aus dem KZ Ebensee, hrsg. von Florian Freund und Verena Pawlowsky, Wien 2005 
www.museodelladeportazione.it
de.wikipedia.org/wiki/Roberto_Castellani
memorial-ebensee.at/website/index.php/de/prato-ebensee (Gedenktafel Roberto Castellani)
memorialmuseums.org/staettens/druck/532
resistenzatoscana.org/storie/la_brigata_buricchi_e_l_eccidio_di_figline/
www.toscananovecento.it/custom_type/leccidio-di-figline-di-prato/?print=print (L'eccidio di Figline di Prato)