Region Friaul-Julisch Venetien / Provinz Udine

Das Gebiet der Partisanenrepublik (Foto: Museum Carnia libera 1944)

Der Ort
Von Juni bis Oktober 1944 bestand in den Bergen Karniens nordwestlich von Udine eine von den Partisanenverbänden erkämpfte befreite Zone, die Partisanenrepublik Carnia mit der Hauptstadt Ampezzo, die ein großes, zusammenhängendes Gebiet mit ungefähr 80.000 Bewohnern umfasste. Erreichbar ist Ampezzo auf der A 4 VenedigTriest, auf A 23 Richtung Udine–Tarvisio bis zur Ausfahrt Carnia-Tolmezzo, dann auf der SS 52 bis Ampezzo (ca. 195 km).

Die Ereignisse
Ausgehend vor allem von erfolgreichen Aktionen der Garibaldi-Partisanen im Norden Friauls, denen es im Frühjahr und Sommer 1944 gelang, das Gebiet nördlich und nordöstlich von Udine unter ihre Kontrolle zu bekommen, entstand für die Zeitspanne von Juni bis Oktober 1944 ein befreites Gebiet. Unter Führung der Partisanen gelang es, eine basisdemokratische Verwaltung aufzubauen, die vor allem die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen konnte. Dieser vorübergehende Erfolg war nicht zuletzt der allerdings bald wieder zerbrochenen Zusammenarbeit der kommunistisch-sozialistischen Garibaldini und der bürgerlich-katholischen Ossopo-Partisanen zu verdanken, wobei die Hauptlast der Kämpfe bei den Garibaldini lag. Die Partisanenrepublik von Carnia, die „Zona libera del Friuli“, wurde in einer „Säuberungsaktion“ der SS und deren Hilfstruppen, verbunden mit grausamen Vergeltungsmaßnahmen an der Zivilbevölkerung, vernichtet. Bei der Zerschlagung der befreiten Zone und der damit verbundenen Niederlage der Partisanen war die Überlegenheit und die Brutalität der SS-Kräfte und der bei der Partisanenbekämpfung eingesetzten ukrainischen und Kosaken-Hilfstruppen ausschlaggebend.

Fahne im Museum (Foto: Museum)Basisdemokratie der Partisanenrepublik
Giancarlo Franceschini war 1944/45 politischer Kommissar  bei den Garibaldi-Brigaden und berichtete in einem 2010 publizierten Gespräch über das Zustandekommen und die Zerschlagung der „Partisanenrepublik Carnia" u.a.:
Unsere Zone war die einzige mit einer wirklichen Regierung, mit Ministerien, die damals anders genannt wurden, … die mit der konkreten Lösung dieser großen Probleme  betraut waren: angefangen von der Möglichkeit , unsere Wälder wieder zu übernehmen und die Leute mit dem nötigen Holz zu versorgen, um … heizen zu können, bis zur Versorgung mit Fleisch und Butter für die Alten, die Frauen und Kinder … eine Art Justiz zu entwickeln …Die befreite Zone war ein Experiment, das dann sehr schnell unterging. Durch … die Offensive der Nazifaschisten mit hunderten Panzerwagen von überall her, wurden wir … überrannt.“ (Fransecky u.a., S. 189 f.)

Informationen über die Partisanenrepublik Carnia erhält man im Museum "Carna libera 1944", Ampezzo, Piazza Zona Libera 1944, Palazzo Unfer, Tel. 043380578; www.carnialibera1944.it/


Film Carnia 1944Literatur/Medien:
Wedekind, Michael: Nationalsozialistische Besatzungs- und Annexionspolitik, Nationalsozialistische Besatzungs- und Annexionspolitik in Norditalien 1943 bis 1945. München 2003, S. 455f; Fransecky, Tanja von / Rudorff, Andrea / Schneider, Allegra / Stracke, Stephan (Hg.): Kärnten, Slowenien, Triest. Umkämpfte Erinnerungen. Bremen 2010, S.181 ff.; Koschat, Michael, Die italienischen „Partisanenrepubliken“ im Sommer und Herbst 1944: Improvisation oder historisches Modell? „Die Repubblica partigiana della Carnia e di Friuli. Die "Repubblica Partigiana della Carnia e del Friuli", Wien 2003; repubblicadellacarnia1944.uniud.it


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