
Neue Gedenkstätte auf dem Campus
Die in der Innenstadt von Thessaloniki angesiedelte Aristoteles-Universität ist mit ca. 81.500 Studierenden die größte Universität Griechenlands. Der Campus befindet sich auf dem Gelände des früheren, vier Jahrhunderte alten jüdischen Friedhofs. Dieser, mit über 300.000 Gräbern einer der größten jüdischen Friedhöfe der Welt, wurde der Jüdischen Gemeinde unter der deutschen Besatzung von Kriegsverwaltungsrat Dr. Max Merten abgepresst.
Die Ereignisse
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts, noch unter türkischer Herrschaft, behinderte der 324.000 qm große - bei Errichtung noch außerhalb der Stadtmauern gelegene - jüdische Friedhof die Ausweitung Thessalonikis nach Südosten. Danach kam es immer wieder zu Versuchen der Stadtverwaltung, das weitläufige Areal für den geplanten Bau der Aristoteles-Universität zu beanspruchen. Dass die beiden Parteien sich nicht einigen konnten, lag daran, dass die jüdische Religion nicht erlaubt, menschliche Überreste zu exhumieren.

„Am 6. Dezember 1942 erschienen hunderte von Arbeitern auf dem Areal und zerstörten den Friedhof mit beeindruckendem Eifer. Die Grabsteine wurden als Baumaterial in der Stadt verwendet, einige sogar zum Bau eines Schwimmbades für deutsche Offiziere“ (Molho, S. 67).
Nur einige wenige Grabsteine konnten gerettet werden. Sie befinden sich heute im Jüdischen Museum von Thessaloniki und auf dem neuen jüdischen Friedhof.
Das GedenkenDie Aristoteles-Universität, die auf diesem Areal errichtet wurde, weigerte sich jahrzehntelang, wenigstens eine kleine Gedenktafel auf dem Campus anzubringen. Die kleine jüdische Gemeinde Thessalonikis befürchtete zurecht, dass auf den Holocaust der „Mnemozid“, die Auslöschung der Erinnerung, folgen sollte.
Erst seit dem 9. November 2014 existiert auf dem Campus eine Gedenkstätte zur Erinnerung an den alten Jüdischen Friedhof. Geplant ist zudem, an der Universität erstmals einen Lehrstuhl für jüdische Studien einzurichten, an dessen Finanzierung sich allerdings auch die jüdische Gemeinde beteiligen muss.
Literatur / Medien:
Molho, Rena/ Hastaoglou-Martinidis, Vilma: Jüdische Orte in Thessaloniki – Ein historischer Rundgang, Athen 2011;
www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12112;
www.deutschlandfunk.de/aus-dem-gedaechtnis-verschwunden.795.de.html?dram:article_id=118996; www.cemog.fu-berlin.de/newsletter/newsletter-archiv/cemog-newsletter-02/editorial.html (Rede des Bürgermeisters von Thessaloniki zur Enthüllung der neuen Gedenkstätte)