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Lodz - Ghetto Litzmannstadt - Park der Überlebenden (Park Ocalałych)

Einführung
Zum 60. Jahrestag der Liquidierung des Ghettos wurde Ende August 2004 auf Initiative von Halina Elczewska, einer Überlebenden aus Lodz (1919 - 2013), ein Park angelegt, der an die Opfer und die Überlebenden des Ghettos Litzmannstadt erinnert. Gemeinsam mit 418 jüdischen Überlebenden aus aller Welt, die 2005 nach Lodz gekommen waren, pflanzte sie dort „Erinnerungsbäume” (ul. Wojska Polskiego 83); Bus 59, 64A, 64B – Halt: Wojska Polskiego – Głowackiego)

Südlich schließt sich der Park im. Szarych Szeregów an, wo  u.a. das Denkmal 'Leiden der Kinder' an das „Polen-Jugendverwahrlager Litzmannstadt” erinnert.

Gedenkstein an die Jahre 1940-1944 Weg der Überlebenden – kleine Steinplatten mit Namen

Denkmal polnischer Adler;  Foto U. Stoll; Gedenken
Nahe beim Eingang befindet sich ein Denkmal – ein Stein, der an die Jahre 1940-1944 erinnert. Er trägt Inschriften auf Polnisch, Englisch, Hebräisch und Jiddisch. Die al. Arnolda Mostowicza (Arnold-Mostowicz-Allee) führt als 150 m langer Weg durch den Park und verbindet die zwei Hauptelemente der Anlage: das Denkmal für polnische Judenretter und auf der anderen Seite ein aufgeschütteter „Hügel der Erinnerung“ mit einer Skulptur von Jan Karski, s.u.. Die Allee wird an beiden Seiten gesäumt von kleinen Steinplatten, in die Namen von Überlebenden des Ghettos eingraviert sind.Denkmal für Żegota

Denkmal für polnische Judenretter
Das im Jahr 2009 eingeweihte Denkmal für polnische Judenretter*innen wurde von Czesław Bielecki gestaltet. Es verbindet zwei Symbole: den polnischen Adler mit ausgebreiteten Flügeln und einen großen Davidstern, der aus Tafeln mit den Namen von über 6990 Polen und Polinnen (2019) besteht, die von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem mit dem Titel „Gerechte unter denVölkern” ausgezeichnet wurden. Der Sockel trägt die Inschrift: „Den Polen gewidmet, die in den Jahren 1939-1945 Juden gerettet haben” sowie Zitate aus dem Evangelium und dem Talmud, u. a. den berühmten Satz „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt” - er ist auch auf die von Yad Vashem verliehenen Medaillen für die „Gerechten unter den Völkern“ geprägt. Das Denkmal spiegelt sich, besonders vom gegenüberliegenden Hügel der Erinnerung aus betrachtet, in der Wasserfläche am Fuße des Denkmals. Auf diese Weise wird der Davidstern optisch vervielfacht (Sprawiedliwych wśród Narodów Świata).

Denkmal Żegota

Auf dem Weg zum Hügel der Erinnerung erinnert eine Stele aus dunklem Granit an die Tätigkeit des „Hilfsrats für Juden“ (Deckname Żegota), einer polnischen Untergrundorganisation. Sie half von 1942 – 1944 Juden, die sichverstecken mussten, mit Unterkünften, Geld und falschen Papieren. Kinder wurden in polnischen Familien und Waisenhäusern untergebracht. Aktiv beteiligten sich u.a. Zofia Kossak-Szczucka, Wanda Krahelska-Filipowiczowa, Marek Arczyński, Władysław Bartoszewski, Adolf Berman, Irina Sendlerova. Sie wurden von der polnischen Exilregierung in London unterstützt (Näheres vgl. Sachstichwort Żegota).

Hügel der Erinnerung mit Denkmal Jan Karski Denkmal Jan Karski

Hügel der Erinnerung mit dem Denkmal für Jan Karski

Oben auf dem Hügel steht in Erinnerung an den in Lodz geborenen Jan Karski (1914 – 2000)   ein Denkmal in Form einer gusseisernen Parkbank, auf der Jan Karski sitzt. Er hatte als Kurier der polnischen Exilregierung Informationen über die Judenverfolgung sowie die systematische Vernichtung durch die deutschen Besatzer gesammelt. Seinen aufrüttelnden Augenzeugen-“Bericht an die Welt“ konnte er u.a. dem britischen Premier Churchill und US-Präsident Roosevelt vortragen; Näheres vgl. Kurzbiografie Jan Karski (Ławka Jana Karskiego).

Foto P 3_Lodz_Centrum – Dialogzentrum M. Edelman; Foto: f7lodz.pl, K. Kosiorek

Dialogzentrum Marek Edelman
2014 wurde das im Park der Überlebenden erbaute Kulturinstitut und Diskussionszentrum eröffnet, benannt nach dem Ghettokämpfer und Überlebenden des Warschauer Ghettoaufstands, Marek Edelman (1919-2009); vgl. Dialogzentrum M. Edelman; Foto: f7lodz.pl, K. Kosiorekseinen 1945 geschriebenen Bericht. Er lebte nach dem Krieg bis zu seinem Tod als Arzt und Herzspezialist in Lodz. Ziel des Dialogzentrums ist es, das multikulturelle und multiethnische Erbe der Stadt unter besonderer Berücksichtigung der jüdischen Kultur zu bewahren und zu verbreiten.
Das Zentrum ist täglich geöffnet von 8 – 20 Uhr (ul. Wojska Polskiego 83; Bus 59, 64A, 64B – Halt: Wojska Polskiego-Głowackiego).

Literatur/Medien
Karski, Jan: Mein Bericht an die Welt. …,  München 2011
Edelman, Marek: Das Ghetto kämpft. Warschau 1941-1943, Berlin 1993
https://www.erinnerungsorte.org/karte-polen/mpc/Memorial/mpa/pdf/mp-place/lodz-park-ocalalych-i-pomnik-polakow-ratujacych-zydow/
https://www.centrumdialogu.com/en/about-us 
https://pl.wikipedia.org/wiki/Sprawiedliwy_w%C5%9Br%C3%B3d_Narod%C3%B3w_%C5%9Awiata = https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechter_unter_den_V%C3%B6lkern

(B. Kosmala 2019 – Fotos: U. Stoll, Uhh u.a. 2021)