Bezirk Telšiai

Hinweis zur Gedenkstätte

Ort
Die ca. 10km südöstlich von Telšiai liegende Ortschaft erreicht man über die Straße Nr. 160 in Richtung Varniai, biegt dann jedoch ab auf die Straße Nr. 4605 in Richtung Luokė und gelangt nach Viešvėnai.

Ereignisse
Ende Juni / Anfang Juli 1941 wurden jüdische Bewohner aus verschiedenen Orten in der Nähe von Telšiai – u.a. aus Nevarėnai und Rietavas, aus Varniai und Žarėnai – in ein Sammellager am Ortsrand von Viešvėnai deportiert. Sie mussten dort unter erbärmlichen Bedingungen zunächst überleben. Die Frauen wurden in der Landwirtschaft eingesetzt, die Männer wurden von den litauischen Bewachern ständig misshandelt und unter Schlägen zu „kollektiven Tanzübungen“ gezwungen, bei denen einige Männer starben oder erschossen wurden. Eine Jüdin, die ihren Mann blutend am Boden liegen sah, protestierte laut: „Ihr seid Mörder, Henker! Meint nicht, unser unschuldiges Blut werde schweigen“ (Dieckmann 2011). Die Frau wurde ergriffen, tötete noch ihr eigenes Kind und wurde danach erschossen.

 

Zweites Massengrab (Atlas)Erstes MassengrabIm Lager Viešvėnai waren ungefähr 500 bis 600 Männer, Frauen und Kinder eingesperrt. Mitte Juli kam ein Lastwagen mit bewaffneten Litauern und einigen Deutschen. Eine Gruppe von Juden musste Massengräber ausheben, danach wurden alle Männer in der Nähe des Lagers erschossen.

Am Tag nach dem Massaker an den Männern wurden die Frauen und Kinder in das Lager Geruliai verschleppt. Sie fanden mit den dort gefangen gehaltenen Frauen und Kindern bei einem Massenmord bei Geruliai den Tod.

Gedenken
An die bei Viešvėnai ermordeten jüdischen Männer erinnern zwei Gedenksteine. Man erreicht den Gedenkort, wenn man in Viešvėnai in Richtung Luokė auf die Straße Nr. 4605 abbiegt und 200m nach dem Ortsausgang bei einem Hinweisschild („Žydų žudynių vieta ir kapas”) einen Grasweg abwärts bis zu einem schwarzen Markstein geht (100m). Folgt man der Richtung, kommt man zu den beiden Massengräbern. Die Gedenksteine dort tragen folgende Inschrift auf Jiddisch und Litauisch: „1941 ermordeten die Faschisten 3.000 Menschen jüdischer Herkunft.“
55.93852639 22.33965139 / 55°56.3116'N 22°20.3791'E

Literatur / Medien
Dieckmann 2011, Bd. 2, S. 850 (Zitat FN 229); Holocaust Atlas 2011, S. 235; Erinnerungen von Chaja Roza Goldštein-Šeraite, in: With a Needle in the Heart: Memoirs of Former Prisoners of Ghettos and Concentration Camps, Vilnius 2003, S. 125-129.

http://www.holocaustatlas/Viešvėnai Camp
https://www.jewishgen.org/Yizkor/pinkas (Josef Rosin: "Alsėdžiai")

Foto
Zweites Massengrab: Lithuanian Holocaust Atlas, "Mass Murder of the Jews in the Viešvėnai Camp" (Sebastian Pammer)