Woiwodschaft Ermland-Masuren – poln.: wojew. Warmińsko-mazurskie

Hauptstadt: Olsztyn (dt. Allenstein)
Gedenkorte: Ciechanów/dt. Zichenau, Dzialdowo / dt. Soldau; Kortowo/dt. Kortau, Olsztyn (dt. Allenstein)
Die größten Städte sind Elbląg (dt.: Elbing) und die Hauptstadt Olsztyn (dt: Allenstein).
Kurze Geschichte Ostpreußens
1. Der nördliche Teil Ostpreußens, in der (rechten) Karte orange, wurde 1945 von der Sowjetunion beansprucht. Durch Beschluss der vier Siegermächte wurde der nördliche Teil der Sowjetunion mit Königsberg = später Kaliningrad als Hauptstadt zugesprochen. Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung floh im Winter 1944/45 beim Näherrücken der Front bzw. wurde 1946/47 von den sowjetischen Behörden in die sowjetische Besatzungszone Deutschlands abgeschoben.
2. Die polnische Woiwodschaft Ermland-Masuren, poln.: woiwod. Warminsko-Mazurski, umfasst den südlichen Teil (blaugrau) der ehem. preußischen Provinz Ostpreußen.
3. Entstehung der Provinz und des Königsreichs Preußen
Das Siedlungsgebiet des baltischen Stammes der Prußen wurde im 13. Jahrhundert zum Kernland des Deutschordensstaates, im 16. Jahrhundert zum Herzo
gtum Preußen unter polnischer Lehenshoheit; es fiel 1618 durch Erbschaft an die Kurfürsten von Brandenburg.
Der preußische Kurfürst Friedrich III. erhob das 1657 souverän gewordene Herzogtum zum Königreich Preußen. Er wurde 1701 zum preußischen König Friedrich I. gekrönt. 1724 wurde der spätere Philosoph Immanuel Kant geboren und die Königsberger Universität zu einem Zentrum der Philosophie. Königsberg hatte um 1800 etwa 60.000 Einwohner'Innen - mehr als Frankfurt/M, Köln oder München.
Preußen beteiligte sich an der ersten Teilung Polens 1772 und bekam die Pomerellen (zukünftig Westpreußen genannt), was den Aufstieg Preußens in den Kreis der europäischen (Groß-) Mächte zeigt. (Ost-)Preußen und Königsberg waren Schauplatz in den „Koalitionskriegen“, Napoleon besiegte die preußische Armee, vier Tage brandschatzten frz. Truppen Königsberg. Nach der frz. Niederlage vor Moskau 1812 begann die Befreiungsbewegung gegen Napoleon.
König Wilhelm I. krönte sich in der Schlosskirche Königsberg zum König. Am 18.1.1871 wurde er – nach dem Sieg über Frankreich - im Spiegelsaal des Schlosses Versailles - zum deutschen Kaiser ausgerufen.
„Von da an ging es berg ab; schrieb die ehem. ostpreußische Gräfin Dönhoff: „Mit der Thronbesteigung von Wilhelm II. begann die Epoche, die als Wilheminismus bezeichnet wird. Sie war gekennzeichnet durch die überbetonung des Militärischen und das Vertrauen auf Befehl und Gehorsam. Das Insrument einer autoritätsgläubigen und darum kritiklosem Beamtenschaft sowie des an integre Führung gewöhnte und damit gedankenlos gehorchende Offizierskorps wurde im Zeichen wilhelminischer Großmannssucht pervertiert, ohne dass die Betroffenen es auch nur bemerkten“ (Marion Gräfin Dönhoff, Die Zeit vom 18.1.2001).
Deutsche Weltkriegs-Niederlage und Friedensvertrag von 1919 -
Auswirkungen auf Ostpreußen und Königsberg
Die Stadt und Provinz waren mäßig industrialisiert; Handel, Eisenbahn, Vertiefung des Hafens, Eisrecher im Winter hielten die Hafenzufahrt frei, Erleichterung des Personen- und Warenverkehrs mit dem nach 1918 vom Reich getrennten Ostpreußen. Die im Versailler Friedensvertrag 1919 durchgesetzte Trennung vom Deutschen Reich durch den 'Polnischen Korridor' verschärfte die Probleme der hautsächlich agrarwirtschaftlich geprägten Region
Durch den Versailler Friedensvertrag verlor Ostpreußen die Landverbindung mit dem „Reich“: Wie wurde Ostpreußen/Königsberg mit der „Insellage“ = Abtrennung vom Reich fertig? In der Stadt wurde die Infrastruktur verändert, Festungen geschleift, Grüngürtel und Parks angelegt. Der „Seedienst Ostpreußen“ (Schiffsverbindung vom und ins „Reich“) wurde ausgeweitet, der Hafen erweitert und eisfrei gehalten (ggf. durch Eisbrecher), Messen, Hotels und Gatronomie verbessert, u.a. um die Messen und Veranstaltungen, Wirtschaftsförderung. Zugverkehr, Flug- und Schiffsverbindungen wurden ausgebaut, viele Handels- und Industriemessen, Ärzte- und Mathematiker-Tagungen, Deutscher Stahlhelmtag 1929, Marinebesuch, Flugschauen in Ostpreußen veranstaltet.
„Preußenschlag“ in Ostpreußen 1932*
Die Fördermaßnahmen / Subventionen kamen nur zu einem geringen und indirekt den (Klein-)Bauern und abhängig Beschäftigten zu gute, mehr der Großlandwirtschaft (= den Gutsbesitzern – in der NS Zeit sollte es anders sein...s.u.).
Lange vorbereitet von den „Rechts-Kräften“ (v. Papen, Hindenburg u.a.) - war die Absetzung und Zerschlagung der demokratisch gewählten Preußischen Regierung. Anders als die süddeutschen Länder Baden und Bayern opponierte die preußische Regierung nicht. Eine Folge: Die Staatsgewalt im von der 'Preußenkoalition' unter dem Sozialdemokraten Otto Braun geführten größten Staat des Deutschen Reiches wurde auf die „Regierung Papen übertragen.“ Bis zum Ende opponierten die süddeutschen Länder - bes. Baden und Bayern sowie Hessen (Volksstaat) - gegen den Staatsstreich. Das Ausschalten bzw. Stillhalten der demokratischen und linken Kräfte ermöglichte den 'Putschisten' im Reich und in den Ländern z.B. Absetzung demokratisch gewählter Minister(präsidenten), ihre Ersetzung „durch antidemokratische Kräfte sowie den „Durchmarsch“ nach der Wahl vom Januar 1933 (vgl. die Dokumentation des Staatsstreichs bei Wolfgang Benz, s. Literatur)
Es wurde die „große Zeit“ von Erich Koch, NS-Gauleiter 1928; 1933 Oberpräsident (= ziviler Verwaltungschef) von Ostpreußen: Ausweitung seines Macht- und Herrschaftsgebiets durch Einverleibung von Memel, Zichenau und Bialystok (um letztes kümmert er sich aber kam). Der Weg war frei, auch für Erich Koch: nunmehr NS-Gauleiter, Oberpräsident und starker Mann der „Erich-Koch-Stiftung“ (s.Fuhrer/Schön, S. 83 ff), mit deren Hilfe er sich zahlreiche Firmen und Vermögen einverleibte und gleichzeitig den Helfer in der Not mimte – mehr vgl. Kurzbiografie; dort auch (S. 112f.) Warschauer Gericht 1959; ca. 102.000 Polen und 55-65.000 Juden; Zwangsarbeitslager: ca. 300.000 „durchliefen das Lager, 15.000 'kamen um'.
NS-Zeit in Königsberg
Noch im März 1933 wurden die Synagogen angezündet, das israelitische Waisenhaus zerstört, Bewohner/innen des jüdischen Altersheim vertrieben. Spätestens ab März 1933 (Hitler war zum Reichskanzler gewählt worden) wurden mutmaßliche Oppositionelle, z.B. Mitglieder der SPD und KPD verhaftet. Zunächst in 'Polizeigewahrsam', dort sollen sie noch einigermaßen gut behandelt worden sein); bald darauf im Fort Quednau (oder Fort 3 - Friedrich Wilhelm I), Teil des nördlich von Königsberg angelegten Festungsgürtels; es galt als Vorstufe zum KZ. Die meisten ostpreußischen Gefangenen wurden dorthin gebracht und bald darauf in Lager im übrigen Reich verbracht. Das Fort wurde im Herbst 1933 geschlossen.
1944/45
Die SS ermordete 5000 bis 7000 meist jüdische Häftlinge aus den Königsberger Außenlagern des KZ Stutthof (Woiw. Danzig).
NS-Gauleiter Erich Koch erklärte die Stadt zur Festung und untersagte Flucht – Er brachte sich selbst auf der Festung Pillau in Sicherheit.
„Festung Königsberg“
Die Stadt wurde zur „Festung Königsberg“ ausgebaut, eine Flucht untersagt und vom Gauleiter mir drakonischen Strafen bedroht. Am 26./27. und 29./30. August 1944 bombardierten 360 britische Flugzeuge Königsberg.
Das Stadtzentrum wurde großflächig zerstört, die dicht bebauten historischen Innenstadtteile Altstadt, Löbenicht und Kneiphof wurden fast vollständig in Schutt und Asche gelegt. Zerstört wurden sämtliche historischen Gebäude mit ihrer unersetzlichen Ausstattung, der Dom und zwölf weitere Kirchen, das Schloss, die Universität mit vielen Instituten und Kliniken, das Rathaus, das Opernhaus, die Staats- und Universitätsbibliothek, das malerische Speicherviertel, Zeitungsgebäude, die Buchhandlung Gräfe und etwa die Hälfte aller Schulen. Die EinwohnerInnen mussten in den Trümmern nach einer Bleibe suchen.
Kapitulation April 1945 und die Folgen
Ab Mitte Januar 1945 griff die Rote Armee die Stadt massiv an., inbesondere die Innenstadt, wochenlang wurde in der zerstörten Stadt weiter gekämpft. Als der deutsche „Festungs-Kommandant“ Otto Lasch im April 1945 kapitulierte, „waren 80 % der Stadt zerstört, zuerst durch die brit. Royal Air Force, dann durch den sowjetischen Beschuss“ (https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_K%C3%B6nigsberg).
Etwa 200.000 Einwohner/innen von Königsberg wurden durch die Bombenangriffe obdachlos und in Notquartieren untergebracht. Die Zahl der Toten wird auf über 5.000 geschätzt. Die Opfer wurden in Massengräbern beerdigt.
Jetzt im strengen Winter machten sich zehntausende BewohnerInnen – denen NS-Gauleiter Erich Koch, der sich in die Festung Pillau verkrochen hatte, vorher unter Drohungen die Flucht verboten hatte - auf den Weg über tief verschneite Wege und die zugefrorene Ostsee.
Ende April 1945 verließen Teile der sowjetischen Armee Königsberg. In der Stadt lebten noch 125.000 Zivilisten, vor allem Frauen, Kinder und 'Alte', Ende 1945 noch 73.000 Deutsche, im Mai 1946 noch 45.700 .Von der Einnahme der Stadt bis 1948 starben mehr als 100.000, 75 % an Hunger, 15 % durch Gewalt.
Annexion
Nach der Potsdamer Konferenz der Siegermächte 1945 annektierte die Sowjetunion den nördlichen Teil von Ostpreußen, nannte die Stadt 'Kaliningrad“ und die nördliche Hälfte von Ostpreußen 'Oblast Kaliningrad'.
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* vgl. Dokumentation von Wolfgang Benz: „Papens „Preußenschlag“ und die Länder“, Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Heft 3/1970, S. 320ff. = https://www.ifz muenchen.de/heftarchiv/1970_3_4_benz.pdf
Quellen
Filmkritik https://taz.de/Film-Ostpreussen---Entschwundene-Welt/!6084630/
https://www.festungen.info/content/deutsche-festungen/posen_-ost-_westpreussen/festung-koenigsberg
https://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/regionen/ostpreussen
https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_K%C3%B6nigsberg
