
Hauptstadt: Gdańsk / dt. Danzig
Gedenkorte: Hinweis: Die Seite enthält Informationen zur Woiwodschaft Pommern, zu den Orten Piaśnica/ dt. Piasnitz, Wehjorowo /dt.: Neustadt in Westpreußen und KZ Stutthof/Stutowo (nichts zu Gdansk/Danzig und Gdynia/Gdingen)
Woiwodschaft Pommern
Die – heutige – polnische Woiwodschaft Pommern ist der östliche Teil der historischen pommerschen Gebiete entlang der Ostsee zwischen Vorpommern/östl. Schleswig-Holstein, und Elbing (poln. Elblag) in Polen. Herzstücke waren und sind aus polnischer Sicht die Pomerellen mit Danzig, dem im Friedensvertrag von Versailles 1919 erreichten Zugang Polens zur Ostsee und dem neuen Hafen Gdynia /dt. Gdingen)
Im nördlichen Pommerellen finden sich Seen im Wechsel mit bewaldeten Bergen und Hügeln – u.a. der 329 m hohe Tumberg; dieses Gebiet ist als kaschubische Schweiz bekannt. Ganz im Norden befindet sich die Ostsee-Küste. Das Gebiet hatte eine 74 km lange Küstenlinie; die lange, schmale Putziger Nehrung macht einen großen Teil des Küstenverlaufs aus. Im Südwesten finden sich ausgedehnte Wälder der Tucheler Heide.
Versailler Friedensvertrag 1919
Nach der Niederlage des Deutschen Reichs 1918 konnte – das wieder entstandene – Polen im Friedensvertrag von Versailles einen direkten Zugang zur Ostsee durch den „polnischen Korridor“ durchsetzen, an dem u.a. der polnische Hafen von Gdynia/dt. Gdingen (später Gotenhafen), gebaut wurde – zum Missfallen des Deutschen Reichs.
Danzig erhielt den Status einer „Freien Stadt“. Die USA, Frankreich und die meisten anderen Regierungen unterstützten diese Forderung; sie wurde letztlich – ohne Volksabstimmung – durchgesetzt und umgesetzt.
1933 wurde sie von Hitler bekämpft, bis er 1934 eine Vereinbarung mit Polen traf. 1939, kurz vor dem Überfall auf Polen äußerte Hitler: „Danzig ist nicht (nur) das Objekt, um das es uns geht. Es handelt sich für uns um die Erweiterung des Lebensraums im Osten.“
NS-Deutscher Überfall auf Polen
Mit dem Überfall auf Polen ab 1.9.1939 besetzte und annektierte das Dritte Reich die 1919 durch den Versailler Friedensvertrag an Polen gelangten pommerschen Gebiete, holte sie - im Nazi-Jargon - "heim ins Reich". Sie wurden im "Reichsgau Danzig-Westpreußen" zusammengefasst (Regierungsbezirke Danzig, Bromberg/poln. heute Cestochowa) und Marienwerder im Nordosten der - heutigen - Woiwodschaft Pommern.
Vorbereitungen
Im Frühjahr 1933 begann der systematische Machtausbau von SA und SS in Danzig; es wurden SS-Standarten gebildet, im März umfassten sie 6.000 Mann.
„In den Reihen des Offizierskaders befanden sich neben Beamten und Polizeioffizieren auch Freiberufler, Kaufleute, Grundbesitzer und Ärzte. Unteroffiziere waren u.a. Beamte; Arbeiter und Soldaten, Landwirte und Arbeitslose konnten mit einer Stelle rechnen, wenn sie Mitglied der SS waren“ (vgl. A. Meier, Intelligenzaktion, a.a.O., S. 24). Die Danziger Polizei wurde verstärkt: Die Schutzpolizei wurde als militarisierte Einheit mit schweren Waffen gegründet. Viele Polizisten wurden Mitglied der Danziger NSDAP und von SS-Einheiten.
Mit der von der 'politischen Abteilung' erstellten Namenskartei von 61.000 'gefährlichen Polen' wurden Listen zur Verhaftung von Polen, auch aus dem polnischen Pommern, angefertigt. 1938 wurde – auf Weisung von Himmler – die paramilitärische SS-Heimwehr Danzig gebildet.
„SS-Einsatzgruppen“
Bereits im Juli 1931 wurden fünf sog. „Einsatzgruppen“ aus Sicherheitsdienst und Sicherheitspolizei (SS) gebildet, die der ab 1939 vordringenden Reichswehr dicht auf folgten. Im Rahmen der 'Intelligenzaktion' sollten sie die Bildung einer Widerstandsbewegung im Keim ersticken; über ihre Aufgaben wurden die Kommandeure von SS-Chef Reinhard Heydrich instruiert: „Bekämpfung aller reichsfeindlichen Elemente rückwärts der fechtenden Truppe“, eine schwammige Formulierung. Am 21.9.1939 erreichten sie z.B. die Stadt Gdynia/Gdingen. „Tatsächlich fielen dem Furor der Einsatzgruppen neben Juden und psychisch Kranken vor allem die polnische Staatselite zum Opfer: Professoren. Lehrer, Bürgermeister, Rechtsanwälte, Politiker, Künstler, Geistliche, Mitglieder der Veteranenverbände.... Einzelne Wehrmachtskommandeure protestierten. Die Proteste verstummten jedoch, als sie erfuhren, dass das Vorgehen von höchster Stelle abgesegnet waren (Böhler, a.a.O.).“
Sog. (volksdeutscher) Selbstschutz
Ab 1934 gründeten Mitglieder der deutschen Minderheit im polnischen Pommern erste NSDAP-Abteilungen, im Herbst 1938 fanden sich Mitglieder des sog. „Selbstschutz“ in geheimen paramilitärischen Gruppen zusammen – sie waren später an den Erschießungen der polnischen Oberschicht u.a. in Danzig/Gdansk, Gdynia (Gedingen) und Piaśnica beteiligt. Am 26.11.1939 konnte L. von Alvensleben über 38.000 'Mann' verfügen.
Massenverhaftungen
Im "Reichsgau" wurden "....polnische – Bewohner der Dörfer und Städte ..... in der Nacht gewaltsam aus ihren Häusern gezerrt und in verschiedene Gefängnisse und Haftanstalten gebracht. Auf die Frage, mit welchem Recht das getan wird, antworteten Angehörige des 'Volksdeutschen Selbstschutzes" (Führer: SS-Oberführer Ludolf-Hermann von Alvensleben), ... "im Namen des Führers". Lehrer wurden angewiesen, sich bei den örtlichen Behörden für eine neue dienstliche Verwendung oder eine Schulung zu melden – und wurden dann verhaftet.
Polnische Menschen wurden auf Straßen, Plätzen und an ihren Arbeitsorten festgenommen. In einigen Ortschaften wurden neue Haftanstalten eingerichtet. In Gdingen/dt.Gotenhafen mussten hunderte unter freiem Himmel ausharren (Foto s. folgenden Artikel 'Piaśnica). In einigen Lagern und Gefängnissen fand ein sog. "Volksgericht" (manchmal auch: 'Selbstschutzgericht' genannt) statt. Im Gebiet Wejherowo wurden ... die Menschen im Gerichtsgebäude oder im lokalen Gefängnis von Puck ....eingesperrt" (aus der IPN-Brochüre 1939. Das Verbrechen von Pommern').
Die Festnahmen etc. erfolgten im Rahmen der „Intelligenzaktion Pommern“, die speziell Angehörige der führenden Schichten - der „Eliten“- des polnischen Volkes, ausschalten sollte; Namen und Adressen hatten in den Wochen vorher Angehörige der deutschen Minderheit, ggfs.im „Sonderfahndungsbuch Polen“ herausgesucht und den Behörden übermittelt. Gauleiter Albert Forster verfolgte u.a. das Ziel, Hitler als erster seinen Gau nicht nur „judenfrei“, sondern auch „polenfrei“ melden zu können (Wikipedia) – was er freilich nicht erreichte.
Literatur/Medien
Böhler, Jochen: Auftakt zum Vernichtungskrieg. Die Wehrmacht in Polen 1939, Frankfurt a.M. 2006
ders.: Kriegsverbrechen in Polen. Planlos ins Genick geschossen", in Die Zeit v. 1.9.2019
Institut für Nationales Gedenken (IPN): 1939. Das Verbrechen von Pommern, Warschau 2018 (online)
Kosmala, Beate: Die nationalsozialistiche Herrschaft 1933-1939, in: dies. und Kochanowski, Jerzy (Hg.): Deutschland, Polen und der Zweite Weltkrieg, 2. Aufl., Berlin/Potsdam 2013, S. 18ff., 33ff.
Meier, Anna: Die Intelligenzaktion. Die Vernichtung der polnischen Oberschicht im Gau Danzig-Westpreußen, Saarbrücken 2008
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Pommerns
https://de.wikipedia.org/wiki/Provinz_Pommern
https://de.wikipedia.org/wiki/Woiwodschaft_Pommern
https://de.wikipedia.org/wiki/Pommerellen
Woiwodschaft Pommerellen / pl.: wojew. Pomorski (1919-1939).
