Skarźysko Kamienna
woiw. Heiligkreuz/ poln. woiw. Swiętokrzyskie
Der Ort
Skarżysko-Kamienna liegt 32 km nördlich von Kielce, 35 km südlich von Radom und ca. 140 km südlich von Warschau. Ein wichtiger Faktor für die Entwicklung der Stadt waren die Erzvorkommen der Umgebung. 1922 wurde die Waffenfabrik Państwowa Fabryka Amunicji „MESKO“ aufgebaut.
Das Zwangsarbeitslager für Juden lag neben der Munitionsfabrik gleichen Namens in der Woiwodschaft Kielce. Die Fabrik gehörte ab 1939 zum deutschen HASAG-Konzern; Generaldirektor zwischen 1939 und 1943 war Egon Dalski.
Im Jahr 1922 beschloss der polnische Ministerrat den Aufbau eines staatlichen Rüstungsbetriebes. Er erhielt den Namen Państwowa Fabryka Amunicji „MESKO“. Als Standort wurde die ländliche Siedlung Kamienna ausgewählt, die im Zuge der Fertigstellung der Fabrikanlagen zur Stadt names Skarzysko-Kamienna erhoben wurde. Das Mesko-Werk wurde zum wichtigsten Arbeitgeber in der Region und belieferte die neu gegründeten Polnischen Streitkräfte u.a. mit Gewehr- und Artilleriemunition. In den 1920er- und 1930er-Jahren beschäftigte das Unternehmen mehrere Tausend Personen und galt als eine der modernsten Rüstungsfabriken Europas.
Ab 1939 unter deutscher Besatzung
Nach dem Überfall der Wehrmacht auf Polen wurde das Unternehmen von zwei deutschen Firmen übernommen. Das Werk Nr. 1 wurde von der HASAG übernommen, die Firma Richling übernahm das Werk Nr. 3, wo Zünder hergestellt wurden. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion von Munition, unter anderem für den Karabiner 98k, fortgesetzt. In der Munitionsfabrik errichteten die Besatzer ein Zwangsarbeitslager. Quellen bestätigen zwar 38 Transporte mit insgesamt 17.200 Arbeitern in das Lager, Historiker gehen davon aus, dass dies nur einen Teil der Gesamtzahl darstellt. Sie schätzen, dass 25.000 bis 30.000 Menschen das Lager durchliefen und dass 18.000 bis 23.000 Gefangene ermordet wurden.
Im Mai 1941 wurde ein Ghetto errichtet (Straßen 3. Mai, Limanowskiego, Fabrycna und Wspólna). Als es geschlossen wurde, lebten ungefähr 3.000 jüdische Menschen hier: einige wurden erschoisssen, 500 wurden in ein Zwangsarbeitslager bei der HASAG-Fabrik gebracht, die Verbliebenen wurden in das Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort ermordet.
Im Zuge der Operation Bagration rückte die Rote Armee ab 22.6.1944 in Richtung Westen vor. Es wurde entschieden, die Werkzeugmaschninen zu demontieren. 1944 wurde das Unternehmens mitsamt der Arbeitskräfte nach Tschenstochau/poln. Czestochowa, später ins Deutsche Reich verlegt.
Ende 1943 und Anfang 1944 fanden im Lager C Massenhinrichtungen statt. Opfer waren Häftlinge unterschiedlicher Nationalität, die aus den Gestapo-Gefängnissen im Distrikt Radom kamen. Kurz vor der Auflösung des Lagers im Sommer 1944 holte eine Sondereinheit jüdischer Häftlinge die Leichen dieser Opfer aus dem Massengrab auf dem Gelände von Werk C, um sie zu verbrennen.
Manche Häftlinge hatten Verbindungen zum jüdischen oder polnischen Untergrund und erhielten von diesen Unterstützung. Mehrere Untergrundgruppen waren im Lager tätig, u.a. eine Zelle der ZOB, Bund-Angehörige im Lager stellten Verbindungen zur Führung des Bund in Warschau her. Jüdische Häftlinge schmuggelten Waffen aus der Fabrik; es gab auch Kontakte zum polnischen Untergrund.
Zwei Tage vor der Auflösung von Werk C flohen mehrere hundert Häftlinge, die meisten später gefasst und ermordet. Ende Juli 1944 wurden in allen drei Lagern Selektionen durchgeführt und fast 600 Personen ermordet. Ca. 6000 Häftlinge wurden in das KZ Buchenwald, in Lager bei Tschenstochau/Czestochowa, Leipzig und andere Lager in Deutschland verlegt.
Nachkriegsprozesse
1948 wurden 25 ehemalige deutsche Vorarbeiter aus dem Lager Skarżysko-Kamienna in Leipzig vor Gericht gestellt. Vier wurden zum Tod, vier zu lebenslänglicher Haft und die 19 anderen zu langen Haftstrafen verurteilt.
Fa Mesko in der VR Polen
Mit der Gründung der Volksrepublik Polen stieg in den 1950er- und 1960er-Jahren die Zahl der Beschäftigten wieder deutlich an, die Produktionspaletten wurden diversifiziert. Neben militärischer Ausrüstung wurde auch für den zivilen Markt produziert. So wurden unter anderem Textilmaschinen, Webstühle, Haushaltsgeräte, Leuchtmittel und Lampen sowie PKW-Anhänger und Gasherde produziert. Im Zuge der Unternehmensumstrukturierung, bedingt durch den Zerfall des Kommunismus in Polen, wurde die zivile Produktionssparte an kleinere Unternehmen übergeben, was Mesko die Möglichkeit gebe, sich wieder auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und es gleichzeitig auf ausländische Märkte auszuweiten.
Seit 2005 gehört Mesko zur Industriegruppe Polski Holding Obronny.
Literatur/Medien
Gutman, Israel u.a. (Hg.): Enzyklopädie des Holocaust, Berlin 1993, S. 1318 ff.
Strigler, Mordechai: In den Fabriken des Todes. Ein früher Zeitzeugenbericht vom Arbeitslager Skarżysko-Kamienna, Hrsg. Frank Beer, Springe 2017
https://de.wikipedia.org/wiki/HASAG
https://en.wikipedia.org/wiki/History_of_the_Jews_in_Skar%C5%BCysko-Kamienna
https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/de/zwangsarbeit-in-leipzig/ns-zwangsarbeit/kz-aussenlager-hasag-leipzig
https://hasagpuzzle.hypotheses.org/
