Treblinka Bahnhof; Foto: Bildungswerk St. Hantz (ca. 2015)Der Halt am Bahnhof 

Die Deportationszüge hielten auf dem kleinen Bahnhof. Grund für den Halt: Die Züge mit ihren 40, manchmal 60 Waggons waren zu lang für die „Rampe“ im Vernichtungslager Treblinka. Dort konnten höchstens 20 Waggons gleichzeitig „entladen“ werden. Bei dem Stopp am Bahnhof wurde der Zug geteilt: Ein Teil wurde in Richtung Lager geschoben...  und kam nach ca. einer Stunde leer zurück; dann geschah dasselbe mit den nächsten 20 Wagen usw. und mit dem nächsten Zug.

Bericht des Überlebenden Eddie Weinstein aus Siedlce                                                    

„Drei oder vier Stunden später hielt schließlich der Zug an einem Bahnhof. Jemand schaute heraus, sah den Namen des Bahnhofs und sagte das Wort weiter: Treblinka.

Wir sahen Menschen dabei zu, wie sie sich aus den Wagons lehnten, einige völlig nackt und andere, die lediglich Hosen trugen. Sie taumelten wie Betrunkene. Zu erschöpft, um vor den

Bewachern Angst zu haben, schwankten sie zu einer nahe gelegenen Wasserpumpe. Die meisten von ihnen wurden noch, bevor sie ihr Ziel erreichten, erschossen; andere starben, als sie Wasser tranken. Einige beobachteten dies, aber davon nicht abgeschreckt, versuchten sie trotzdem ihr Glück. …...Diejenigen, die auf die Pumpe zuliefen, waren sich kaum bewusst, was sie da taten; ihr einziger Wunsch war es, ihre Münder zu befeuchten, selbst, wenn darauf der Tod folgte. Auch ich wäre in die Richtung gerannt, wenn ich mir sicher gewesen wäre, dass sie mich hätten trinken lassen, bevor ich starb.“ (Quelle: Bildungswerk Stanisław Hantz, a.a.O.).

 

Abraham Bomba, aus Częstochowa in Südpolen, nach einem Tag und einer Nacht Fahrt:

„Wir sind am Morgen angekommen, gegen sechs, halb sieben. Auf den Nebengleisen sah ich andere Züge stehen. Ich habe beobachtet, dass jedes mal achtzehn, zwanzig Waggons abfuhren… Unser Zug fuhr als letzter ab. ...Ich habe viele Züge zurückkommen sehen, und sie waren leer. Ich habe mich gefragt: „Was ist mit den Menschen geschehen? Es ist niemand zu sehen.“

(Abraham Bomba schildert im Film ‚Shoah‘ das Geschehen im September 1942; er konnte 1943 aus dem Mordlager fliehen; Quelle: Bildungswerk Stanisław  Hantz, a  .a.O.)

 

Erinnerungsort ehem. Bahnhof Treblinka; Foto: Bildungswerk St. HantzErinnerung an ehem. Bahnhof / Upamiętnienie byłej stacji kolejowej w Treblince

Die Bahnstrecke wurde vor einigen Jahren stillgelegt, der Bahnhof abgerissen. Im September 2020 wurde ein Erinnerungsort für die in Treblinka Ermordeten fertiggestellt. Auf Tafeln werden u.a. das Gedicht von Halina Birenbaum „Ein kleiner Bahnhof namens Treblinka“ und der Text von Eddie Weinstein (s.o.) wiedergegeben.

 

Literatur/Medien
Bildungswerk Stanislaw Hantz: Der Bahnhof von Treblinka, 2. Auflage, Münster 2019

https://muzeumtreblinka.eu/en/informacje/eddie-weinstein/
https://muzeumtreblinka.eu/en/informacje/bomba-abraham/
(2019/2022 – Uhh)